Die Lage der ehemaligen Bahnhof-Apotheke ist prominent: Bahnhofstrasse 53. Das Haus ist an zwei weitere Gebäude angebaut, in einem befindet sich das Brillengeschäft Trotter, im anderen das Penny-Farthing-Pub und das indische Restaurant Kormasutra. Die Häuser stehen unter dem Ensembleschutz der Bahnhofstrasse. Da gilt eigentlich, dass der Bestand zu wahren ist – ausser, man findet eine städtebaulich bessere Lösung.

Das ist den Aarauer Architekten Gautschi Lenzin Schenker offenbar gelungen. Sie haben mit ihrem Neubauprojekt die Stadtbildkommission überzeugt und auch von der kantonalen Denkmalpflege gibt es keinen Widerspruch. Die Denkmalpflege ist involviert, weil das Nachbarhaus, das Gebäude der Neuen Aargauer Bank unter kantonalem Schutz steht. Für die ehemalige Bahnhof-Apotheke gilt dadurch der Umgebungsschutz.

Aushöhlen war die Alternative

Doch die Statik des Gebäudes ist mangelhaft, dies hat die Analyse eines externen Ingenieurbüros ergeben, welche die Bauherrschaft in Auftrag gegeben hatte. So ist die eine Mansarde nicht mehr bewohnbar, weil das Dach auf einer Seite zu wenig belastbar ist. Da hätte viel investiert werden müssen, auch hätte zum Beispiel das Erdgeschoss abgesenkt werden müssen, damit man nicht mehr die unpraktische Eingangstreppe hochsteigen muss.

Der kantonale Denkmalpfleger, Reto Nussbaumer, findet deshalb: «Man hätte das Haus praktisch auskernen müssen. Diese Haltung ist heute nicht mehr zeitgemäss, da ist ein Neubau die bessere Lösung.»

Ob das Gebäude abgerissen werden darf, ist aber Sache der Stadtbildkommission. Diese kam zum Schluss, dass sich der Neubau gut einfüge und eine adäquate Lösung darstelle. Deshalb werde ihm in der vorliegenden Form «grundsätzlich zugestimmt». Stadtbildkommissions-Präsident und Stadtrat Lukas Pfisterer sagt: «Der Ersatzneubau ist die bessere Lösung, das alte Gebäude ist aus Sicht der Investoren fast nicht mehr zu halten.» Die Bauherrschaft sei vorbildlich früh auf die Stadt zugekommen und die Fachleute der Kommission hätten die Unterlagen an drei gemeinsamen Sitzungen genau angeschaut. So auch die Statik.

Weiterhin Teil des Ensembles

Wie sieht der vierstöckige Neubau denn aus? «Der Ersatzneubau soll Teil des bestehenden Ensembles werden», sagt Dominik Lenzin vom Büro Gautschi Lenzin Schenker Architekten. Auch der Neubau soll die charakteristische horizontale Gliederung (Sockel-, Mittel-, Dachpartie) aufnehmen «und zeitgenössisch interpretieren».

Die Fassade ist einheitlich in Dämmbeton gehalten. Dies stelle «eine konstruktive Analogie zu den bestehenden Gebäuden dar», so Lenzin, da auch frühere Mauerwerke mit nur einem Baustoff gebaut worden seien. Heute sind die Aussenwandaufbauten meist mehrschichtig. Dabei soll sich die Fassade der beiden Dachgeschosse durch eine andere Oberflächentextur abheben. Genannt wird als Beispiel eine Bretterschalung oder eine vertikale Struktur im Beton. Die Fenster sollen aus naturbelassener Eiche bestehen. Das Volumen des Neubaus orientiert sich am Nachbarbau. So befinden sich die Fenster künftig auf der selben Höhe wie jene der Bahnhofstrasse 55.

Restaurant soll einziehen

Im Unter- und im Erdgeschoss ist ein Gastronomiebetrieb für maximal 200 Gäste geplant. Dazu kommen Aussensitzeplätze: auf die Bahnhofstrasse hinaus einreihig, seitlich zur Neuen Aargauer Bank hin zweireihig. Im ersten und zweiten Stock sind Büros geplant. Im Dachgeschoss befinden sich eine 2 ½-Zimmer- und eine 3 ½-Zimmer-Maisonettewohnung. Die Maisonettewohnung erstreckt sich über zwei Stockwerke.

Das Gebäude gehört der Anlagestiftung Unigamma. Der ehemalige Beisitzer der Stiftung, Martin Ammann, hat den Kauf vermittelt. Davor standen die Räumlichkeiten der ehemaligen Apotheke während vier Jahren leer, weil sich die Besitzer nicht zu einem Verkauf durchringen konnten. Seit März befindet sich dort nun ein charmanter Kaffee-Laden als Zwischennutzung.