Was ist Kunst? Und was ist Kunst hoch 3, also die dritte Potenz von Kunst: Kunst mal Kunst mal Kunst? Über-Kunst? Ultimative Welt-Kunst? Andrea Stahl, die zusammen mit Sabina Schwaar die Ausstellung am Samstag in der Alten Bürsti, dem Zentrum für Handwerk und Kultur an der Köllikerstrasse in Oberentfelden, initiiert hat, winkt ab: «Die Zahl drei steht im Mittelpunkt: Die acht Bürsti-Leute, die hier mitmachen, durften bis zu drei befreundete Kunstschaffende einladen. Zudem sind pro Künstler höchstens drei Werke zu sehen.»

Die Vielfalt ist bemerkenswert, und die Ausstellungshalle bietet reichlich Platz für allerhand, ausser einem Weihnachtsmarkt. Obwohl die Werke selbstredend zu erwerben sind. «Wir wollten keine Lismete, kein Filzen, nichts aus Wolle, Seide, Bast. Es gibt auch keine Guetzli und keine Weihnachtsdeko», sagt Andrea Stahl. Sondern Kunst. Und Sabina Schwaar ergänzt: «Leidenschaft, Herzblut muss spürbar sein.» Kunst sei etwas, das man nicht unbedingt brauche, sei rational nicht greifbar, aber beseelt. Sie selber macht Bilder und Objekte mit Pflanzenmaterial, Efeublättern, Blättern von Ginkgo, Linde oder Eiche, das sie so lange auskocht, bis nur noch das Skelett da ist, Zellulose.

Unruhig und witzig

Silke Rocks ist von Pop-Art inspiriert, sie nennt Roy Lichtenstein. Sie malt mit dem Spachtel. Und nur reine Farben. Man sieht auf ihren Bildern, wie sie in den Fluss der Farben eingegriffen hat, um ein vieldeutiges Gebilde entstehen zu lassen. Einen Namen haben die Bilder dennoch. «Heart Attack» heisst eins, wo das Thema von Anfang an klar war, und sie weist auf den Totenkopf hin und das Maul einer Muräne. «Zu einem Herzchirurgen würde dieses Bild passen», sagt sie. Ein ziemlich unruhiges Bild ist auch «Pat Riot», ein Titel, den man zusammen lesen kann und wo man bei genauerem Hinsehen ein Schweizer Kreuz entdeckt. Wortwitz steckt auch im Bild «Orangeblueman» von René Fritschi.

Einen bewussten Kontrapunkt zur Hetze setzt Fabian Schlumpf aus dem Sarganserland. Er baut Zeitmaschinen ohne Zeiger. Die Botschaft: Geniesst die Zeit! «Zeiger sind die modernen Sklaventreiber», sagt er. Das Pendel reicht. Und wenn es, wie bei der grossen Zeitmaschine, sich gemächlich hin und her bewegt, viel langsamer als der Puls, «kann man herunterfahren, zeitlos im Jetzt ein Glas Wein geniessen». Etliche Künstler zeigen Fotografien: ein weites Feld, vom Realismus, der das Haar auf dem Finger in Übergrösse zeigt bis zu den auf dem Computer gestalteten und hinterleuchteten Werken von Arlsaido. Oder den Blumen von Sarah Reuland. Von wegen Blumen: Der Gartenherbst in Betonvasen von Ursula Peyer überzeugt als dreidimensionales Stillleben.

Kunst nicht nur Selbstzweck

Für Timo Näf, Steinbildhauer aus Suhr, muss «Kunst einen Sinn haben». Reiner Selbstzweck waren die 57 Lärchenholzstelen aus dem Suhrer Wald, die jetzt einen Kreisel zieren, nicht. An der Ausstellung zeigte er solche Stelen für den Hausgebrauch. Auch Design ist Kunst. Wohnskulpturen nennt Alexander Curtius seine aus einem Stamm gearbeiteten und auf ihre wesentliche Form reduzierten Sitz- und Liegemöbel. Derweil Andrea Stahl, ihrem Namen gerecht werdend, nicht nur die Feuerstellen draussen – etwas Stimmung muss sein – gemacht hat, sondern auch einen Stuhl und ein Tischchen aus Stahl und Polyester mit Innenbeleuchtung in verschiedenen Farben.

Die dreimal 7 Kunstschaffenden aus der Schweiz von Scuol bis Bulle, 14 Künstlerinnen und 7 Künstler, zeigten sich in der ehemaligen Bürstenfabrik mit ihrer je eigenen Handschrift. Sie belebten am 12. 12. während 12 Stunden die leere Halle. Gibts eine Fortsetzung? «Nächstes Jahr vielleicht im Freien?», sagt Andrea Stahl.