Aarau
Unesco-Kulturerbe mit Ghackets und Hörnli

«Fürio, de Bach brönnt» und «De Bach esch do», diese uralten Verse ertönen am kommenden Freitag, 19. September, wieder durch die Strassen und Gassen der Stadt Aarau.

Hermann Rauber
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Der «Bachfischet» hat nichts von seiner Strahlkraft verloren.

Der «Bachfischet» hat nichts von seiner Strahlkraft verloren.

Chris Iseli/ AZ

Rund 1850 Kinder und Jugendliche haben ihre Teilnahme angemeldet und basteln zurzeit noch eifrig an ihren Lampions und Laternen. Mit dabei sind auch heuer wieder Gastklassen aus Erlinsbach und erstmals aus Suhr, die nach dem Spruch ja den Bach «angezündet haben». Selbstredend ist auch der Stadtteil Rohr gebührend vertreten, als Premiere läuft zudem eine 15-köpfige Delegation des Asylbewerber-Kindergartens aus Rohr mit.

Punkt 20.15 Uhr gehen die Lichter entlang der Umzugsroute aus, die unverändert über die Bachstrasse und die Obere und Vordere Vorstadt durch das Obertor in den historischen Kern, also in die Rathausgasse und durch die Halde führt.

Dann geht es hinaus in den Schachen, wo vor der Sporthalle dank der Ortsbürgergemeinde Aarau und der Heinerich Wirri-Zunft alle Teilnehmer am Bachfischet gratis eine Verpflegung in Form von «Ghackets mit Hörnli» und Eistee erhalten. Als Überraschung gibt es zum Dessert für jedermann einen süssen «Bachfisch», ein Mandelgebäck, das speziell auf den Brauch hin vom Töpferhaus in Aarau entwickelt worden ist. Im Anschluss besteht die Gelegenheit, sich auf dem Maienzugplatz in einer kleinen Festwirtschaft zu verweilen, begleitet von Klängen der Aarauer Kadettenmusik.

Stark engagiert am Bachfischet ist seit ihrer Gründung anno 1922 die Wirri-Zunft. Sie zeichnet für die Organisation verantwortlich und wählt dafür einen «Bachfischet-Obmann». Seit zwei Jahren übt dieses Amt der Aarauer Augenarzt Philippe Guignard aus.

Er versammelt nach dem wilden Zug der Schüler durch die Stadt eine Jury, die über die ausgesetzten Preise für besonders originelle Sujets und Klassen entscheidet. Und die Wirri-Zunft sorgt auch für den finalen Abschluss des Lichterspektakels, den «Mordschlapf», der sich zu einem veritablen Feuerwerk mit mehreren Bildern am Aarauer Nachthimmel ausgeweitet hat.

Der Aarauer Bachfischet gehört zu den ältesten Lichterbräuchen im Land und hat seit zwei Jahren Aufnahme in das Unesco-Kulturerbe gefunden (siehe dazu www.lebendigetraditionen.ch). Er geht weit in die Bernerzeit zurück und steht im Zusammenhang mit der jährlichen «Rumete» des Aarauer Stadtbachs von Unrat und Dreck.

Wellen wurden freudig begrüsst

Früher geschah dies in Fronarbeit als Bürgerpflicht, zum Dank gab es immerhin Speis und Trank für die Helfer. Es blieb der Jugend vorbehalten, die frischen Wellen im gereinigten Bachbett abzuholen und mit Lichtern und Versen zu begrüssen. Die Tatsache, dass der Kanal zwischen Suhr und Aarau bis zur Mündung in die Aare bei dieser Gelegenheit ausgefischt werden musste, erklärt den Namen «Bachfischet».

Es ist nicht zuletzt auch ein Verdienst der kreativen Lehrerschaft an den städtischen Schulen, dass Jahr für Jahr prächtige Kunstwerke entstehen, die ja nur für eine knappe Stunde zur Geltung kommen. Immerhin sind einige der schönsten Lampions in den nächsten Wochen in Schaufenstern von Aarauer Zentrums-Geschäften zu bewundern. Die Wirri-Zunft stellt private Schnappschüsse ins Internet. Fotos sind an bachfischet@wirrizunft zu senden, wo sie Eingang in eine Bildergalerie zum Bachfischet 2014 finden.