Ein Patient trifft auf dem Notfall des Kantonsspitals Aarau (KSA) ein – und findet einen unbesetzten Empfang vor. Dann ist auch noch das Telefon besetzt. Ein solcher Fall wurde am Donnerstag publik. Nun schilderte Werner Steiner die selbe Situation: Am 19. Dezember des letzten Jahres sei sein Vater mit der Ambulanz notfallmässig ins KSA überführt worden. «Ich selber fuhr mit meinem Auto ins KSA», sagt Steiner, «Die Anmeldung der medizinischen Notfallaufnahme war unbesetzt.» Da sich auch nach einigen Minuten niemand an der Annahme gezeigt habe, habe er die angegebene Telefonnummer gewählt. «Doch das konnte nicht zum Erfolg führen, da das Handy auf dem Schreibtisch des Empfangs lag.» Es seien rund 15 Minuten vergangen, bis eine Pflegefachfrau die Annahme besetzt habe.

Wie schon beim ersten Fall war auch hier die Situation nicht lebensbedrohlich. Werner Steiner schreibt denn auch: «Die Wartezeit stört mich in keiner Weise. Ich finde jedoch, dass die Annahmestelle einer Notfallstation nie unbesetzt sein darf.»

Empfang sollte 24 Stunden besetzt sein

Ulrich Bürgi, Leiter des Notfallzentrums am KSA antwortet: «Eine Lücke ist die absolute Ausnahme. Gemäss meiner Weisung muss der medizinische Empfang durchgehend besetzt sein. Selbst wenn die verantwortliche Person auf die Toilette muss, wird sie abgelöst.»

Es könne jedoch vorkommen, dass die Person jemanden auf dem Rollstuhl in die Notfallstation fahre oder sonst kurz bei der Einlieferung helfe. «Wenn eine Ambulanz eintrifft, brauchen wir je nach Gesundheitszustand drei bis vier Personen um jemanden umzubetten und zu transportieren», sagt Bürgi, «und an manchen Tagen kommen sechs bis sieben Ambulanzen pro Stunde an.»

Wie kann das KSA aber einen Patienten in Lebensgefahr mit Sicherheit «innerhalb Sekunden bis einer Minute» aufnehmen, wie Bürgi dies gegenüber der Aargauer Zeitung am Donnerstag garantierte? Neben dem medizinischen Empfang sitzen rund um die Uhr zusätzlich ein bis zwei Angestellte am administrativen Empfang. Sie sind für die Aufnahme der Patientendaten verantwortlich. Diese hatten die Familie Zaugg letzte Woche bloss hinüber zum Telefon gewiesen.

In dringenden Fällen können die Angestellten am administrativen Empfang jedoch den Zuständigen der Leitstelle rufen. Bürgi sagt, dies würden sie auch tun, wenn zum Beispiel jemand vor dem Notfall in einem schlechten Zustand aus dem Auto steige oder draussen Angehörige Hilfe für einen Patienten benötigen. Der Verantwortliche der Leitstelle koordiniert die Pflege auf dem Notfall intern.

KSA hat Aufnahmepflicht

«Wir leisten am KSA hochspezialisierte Medizin und nehmen Schwerverletzte und kritisch Erkrankte aus dem ganzen Mittelland und der Innerschweiz auf», erklärt Bürgi und äussert sich noch einmal zu den Wartezeiten: Als Zentrumsspital müssten sie im Unterschied zu allen anderen Spitälern im Aargau jeden Patienten aufnehmen – auch bei Hochbetrieb alle leichten Fälle. Deshalb gebe es für weniger schwerwiegend erkrankte Patenten gelegentlich längere Wartezeiten als in den kleineren Spitälern. «Wir werden für Wartezeiten gerügt, die unvermeidlich sind», sagt Bürgi und es sei nicht so, dass sie ein voller Warteraum unbeteiligt lasse. «Viele wartende Leute draussen sind eine psychische Belastung für die Mitarbeiter.»