Umweltbelastung
Kanton untersucht Böden aller drei Kehrichtverbrennungs-Anlagen auf Dioxin

Die Abgeordneten-Versammlung des Gemeindeverbands für Kehrichtbeseitigung Region Aarau-Lenzburg GEKAL widmete sich dem Thema Umweltbelastungen, welche die Anlagen verursachen. In Zusammenarbeit mit dem Kanton soll auch die alte Dioxin-Problematik aufgearbeitet werden.

Toni Widmer
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Schadstoffe der Verbrennungsanlagen gelangen in den Boden. Das Ausmass soll nun erkundet werden.

Schadstoffe der Verbrennungsanlagen gelangen in den Boden. Das Ausmass soll nun erkundet werden.

Symbolbild: Foto Basler Aarau

Kranke Kühe wegen Schadstoffen aus der neuen Kehrichtverbrennungsanlage in Buchs – in mehreren Artikeln hat der «Tages-Anzeiger» im August ein Thema wieder aufgegriffen, das vor bald 50 Jahren in der ganzen Schweiz für Schlagzeilen gesorgt hat. Die Aargauer Zeitung hat ebenfalls darüber berichtet und auch über das Postulat der Aargauer SP-Nationalrätin Gabriela Suter.

Sie verlangt in ihrem am 30. September 2021 eingereichten Vorstoss vom Bundesrat, er solle zusammen mit den Kantonen das Ausmass der Umweltbelastungen umfassend aufarbeiten lassen, welche aus dem Betrieb der Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) in den letzten 50 Jahren entstanden sind. Selbstredend wurden die zahlreichen Artikel der letzten Wochen auch an der Abgeordneten-Versammlung des GEKAL (Gemeindeverband für Kehrichtbeseitigung Region Aarau-Lenzburg) thematisiert, die am Mittwoch in Kirchleerau stattgefunden hat.

Dioxin war in den 70er-Jahren noch kein Thema

In den erwähnten Medienberichten war vor allem die Rede von Dioxin. Diese hochgiftige Substanz war allerdings noch kein Thema, als KVA Buchs 1973 eröffnet worden ist: «Die Anlage wurde nach den damals geltenden Auflagen und Vorschriften gebaut. Es gab Grenzwerte für verschiedenste Substanzen einzuhalten, für Dioxin gab es keine. Davon hat man erst ab 1976 gesprochen, nach dem verheerenden Chemieunglück im italienischen Seveso.

Erste Dioxin-Messungen wurden dann in den 90er-Jahren vorgenommen», erklärte KVA-Geschäftsleiter Harald Wanger an der Versammlung. Der heutige Dioxin-Grenzwert für Kehrichtverbrennungsanlagen liegt bei 0,1 Nanogramm pro Kubikmeter Luft (ng/m3). Von diesem Grenzwert ist man in Buchs laut Wanger meilenweit entfernt: «Bei der letzten Messung von 2019 wurden 0,0040 ng/m3 festgestellt, im Schnitt über die letzten 15 Jahre liegen wir bei 0,031 ng/m3, das entspricht einer durchschnittlichen Belastung von 0,0267 ng/m3 pro Jahr.»

Dioxin sei nur eine Substanz, deren Ausstoss regelmässig überprüft werde, erklärte Wanger weiter: «Gemessen werden – unter anderem – auch Quecksilber, Cadmium, Chlor-, Fluor- und Ammoniumverbindungen oder Schwefeldioxid und Stickoxid. Dabei liegen wir überall im 10%-Bereich der erlaubten Grenzwerte.» Man wolle, versicherte der KVA-Geschäftsleiter, das Thema keineswegs schönreden, sondern über die Schadstoffproblematik offen informieren. Die KVA Buchs setze alles daran, die Umwelt möglichst wenig zu belasten.

Kanton will Umgebung der Aargauer KVAs überprüfen

In Zusammenarbeit mit dem Kanton soll auch die alte Dioxin-Problematik aufgearbeitet werden, die in den letzten Wochen und Monaten für neue Schlagzeilen gesorgt hat. Wie Harald Wanger an der Abgeordnetenversammlung bekannt gab, will die Abteilung für Umwelt 2022 im Bereich der drei Aargauer Kehrichtverbrennungsanlagen Buchs, Oftringen und Turgi neue Analysen durchführen. Über allfällige weitere geplante Massnahmen werde der Kanton noch in diesem Jahr informieren, sagte Wanger.

Kostenmässig sehr positive Nachrichten gab es an der Versammlung für die im GEKAL zusammengeschlossen Verbandsgemeinden. Sie müssen ab dem nächsten Jahr für die Entsorgung ihres Kehrichts deutlich weniger bezahlen. Der Preis pro Tonne sinkt von 105 auf 85 Franken. Schon 2020 konnten die Gemeinden von einer Reduktion um 10 Franken pro Tonne profitieren. Grund für die Preissenkung sind die Erkenntnisse aus der aktualisierten Finanz- und Investitionsplanung.

Der GEKAL legt für langfristige Grossinvestitionen jedes Jahr Geld zurück. Weil nun die 1994 in Betrieb genommene Ofenlinie 1 sowie die Turbine zur Stromerzeugung nicht wie ursprünglich geplant schon 2025 ersetzt werden müssen, sondern erst 2035, haben sich die Vorzeichen der langfristigen Finanzplanung positiv verändert. Kommt dazu, dass die Anlage gut ausgelastet ist und es aller Voraussicht in den nächsten Jahren auch bleibt. Zudem lohnten sich die für die KVA wegen der allgemein steigenden Energiepreise die Strom- und Wärmeproduktion aus der Verbrennung immer mehr, erfuhren die Verbandsmitglieder an der Tagung.

«Es läuft gut bei uns», konstatierte Verbandspräsident Christoph Wasser an der Versammlung zufrieden und schob nach: «Das ist einerseits darauf zurückzuführen, dass in der KVA Buchs engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Werk sind. Anderseits aber vor allem auch darauf, dass wir laufend investieren und unsere Anlagen in Schuss halten.» Nach dem weitgehenden abgeschlossenen Ersatz der Heizzentrale folgt als nächstes der Umbau der Mittelspannungsanlage. Dafür muss die Kehrichtverbrennung vom 6. bis 10. Dezember still gelegt werden.

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