Die Mega-Baustelle im Suhrer Dorfzentrum ist ein Fussgänger-Irrgarten. Die vier Fussgängerstreifen bei der Bären-Kreuzung wurden alle aufgehoben; die offizielle Umleitung via Unterführung beim Möbel Pfister ist lang.

Und so suchte sich in den letzten Wochen mancher Fussgänger einfach den kürzesten Weg quer über die Baustelle, kletterte kurzerhand über die Abschrankungen oder räumte diese gleich ganz aus dem Weg – um anschliessend wild über die Strasse zu rennen. Ein hochgradig gefährliches Unterfangen.

Aber eines, das die Zuständigen in den letzten Tagen immer seltener beobachtet haben. «Die Fussgänger haben sich inzwischen an die Umwege gewöhnt, heute laufen deutlich weniger quer über die Baustelle», sagt Projektleiter Alex Joss vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt.

«Spielen nicht Polizisten»

Dass die Fussgänger – wohl zähneknirschend – die Umwege laufen, liegt aber nicht nur an der Gewohnheit, sondern auch daran, dass die Arbeiter die fehlbaren Fussgänger bei Gelegenheit ansprechen.

«Wir spielen nicht Polizisten; aber wenn wir jemanden sehen, der quer über die Baustelle läuft, dann sprechen wir ihn an und weisen ihn freundlich darauf hin, dass er doch bitte die offizielle Umleitung benutzen soll», sagt Joss.

Die Angesprochenen fühlten sich dann meist ertappt und würden sich entschuldigen. «Den Meisten ist bewusst, dass sie etwas Falsches tun. Und wenn sich jemand ärgert, dann erklären wir ihm den Grund für die langen Umwege», sagt Joss.

Dieser liegt auf der Hand: die Sicherheit. Ihm sei sehr wohl bewusst, dass die Umwege lang und umständlich seien, sagt Joss. «Aber der Automobilist muss im Baustellenbereich auf so viele Dinge achten, dass es zu gefährlichen Situationen kommen kann, wenn er auch noch auf den Fussgänger acht geben muss, der über die Strasse will.»

Ausserdem sorgten die aufgehobenen Fussgängerstreifen dafür, dass der Verkehr besser fliessen kann.

Die Folge sind weniger Staus. Ein Vorteil für die Autofahrer also, aber auch für die Anwohner, die dadurch weniger Staus im Dorf haben. «Es ist ein ständiges Abwägen von Interessen. Wir sind davon überzeugt, dass kurze Stauzeiten und mehr Sicherheit besser sind als kurze Fusswegverbindungen.»

Zu den Unverbesserlichen, die weiterhin über die Strasse hühnern, sagt Joss: «Wir können niemanden davon abhalten, über Schranken zu steigen. Wir können sie nur auf die Gefahren aufmerksam machen.»

Die Kritik, wonach die Fussgänger-Umleitungen schlecht ausgeschildert seien, haben sich die Zuständigen zu Herzen genommen. Man sei laufend daran, die Umleitungen besser auszuschildern. «Gewisse Unklarheiten in der Beschilderung waren uns nicht bewusst», sagt Joss.

«Wenn man einen Ort so genau kennt, wie wir, wird man vermutlich etwas betriebsblind – Situationen, die uns völlig klar erscheinen, sind für einen Ortsunkundigen nicht nachvollziehbar.» Das sei bei Baustellen dieser Grössenordnung auch nicht unüblich. Da falle ihm auch kein Stein aus der Krone, nachzubessern und zusätzliche Schilder aufzustellen.

Kommt Linksabbiegeverbot?

Im grossen Ganzen zieht Projektleiter Joss nach den ersten sechs Wochen ein positives Fazit: Der Unternehmer komme mit den Arbeiten sehr gut voran. Und auch die Verkehrsteilnehmer hätten sich vom ersten Schreck erholt.

Eine Erleichterung zeichnet sich für die Projektverantwortlichen auch beim Linksabbiegeverbot auf der Gränicherstrasse ab: Die Frist zur Auflage des Gesuchs ist am Montag abgelaufen; bis Gründonnerstag lag keine Einwendung im Briefkasten.

Noch fehlt aber die letzte Gewissheit, denn ausschlaggebend ist der Poststempel. Wegen der Osterfeiertage wird man erst nächste Woche mit letzter Gewissheit sagen können, ob das Linksabbiegeverbot kommt oder nicht.