Aarau
Umsatzeinbussen: Schadet das Streetfood-Festival den Wirten?

Die Tische und Stühle vor Restaurants müssen weggeräumt werden. Bewilligt hat diese Massnahme die Stadt Aarau. In einer parlamentarischen Anfrage stellt Einwohnerrätin Silvia Dell'Aquila kritische Fragen an den Stadtrat.

Jakob Weber
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«Live Cooking»: Beim Streetfood Festival können die Besucher bei der Zubereitung der Speisen zuschauen. zvg

«Live Cooking»: Beim Streetfood Festival können die Besucher bei der Zubereitung der Speisen zuschauen. zvg

Ein Känguru-Sandwich aus Australien, Empanadas aus Argentinien oder eine Bier-Degustation? Beim Streetfood-Festival Aarau am kommenden Wochenende finden sich in der Aarauer Altstadt die unterschiedlichsten Essenskulturen wieder. An rund 55 Ständen werden von Freitag bis Sonntag Spezialitäten aus über 35 Ländern frisch zubereitet und serviert.

Doch im Vorfeld gibt es Ungereimtheiten. Die Essenstände sind nicht überall willkommen. Der Grund: Einheimische Gartenwirtschaften, die sich im Bereich des Eventareals befinden, müssen geräumt werden. So steht es auf dem Informationsblatt, das die Anwohner und ansässigen Gewerbebetriebe am 9. August in ihrem Briefkasten vorfanden. Signiert ist das Schreiben von Rolf Arnet, dem Geschäftsführer des Streetfood-Festival-Veranstalters Hannibal Events GmbH aus Aarburg. Bewilligt hat diese Massnahme die Stadt Aarau.

In einer Anfrage an den Aarauer Stadtrat wundert sich nun Einwohnerrätin Silvia Dell’Aquila über die Bewilligungspraxis: «Für Betriebe mit Gartenwirtschaft bedeutet diese Einschränkung eine grosse Umsatzeinbusse.» Auch die Kommunikation mit dem Veranstalter sei unschön. «Die Betroffenen wurden weder vorgängig informiert, noch wurde das Gespräch oder nach Alternativen gesucht», schreibt Dell’Aquila in ihrer Anfrage. «Ist dem Stadtrat bewusst, dass mit der vorliegenden Bewilligung des Streetfood-Festivals einheimische Gewerbetreibende massiv eingeschränkt werden und mit Umsatzeinbussen rechnen müssen?»

Zehn Mal mehr Laufkundschaft

Foodstände statt Gartenwirtschaften: «Die Stadt Aarau hat das bewilligt. Unsere Aufgabe war es zu informieren», entgegnet Arnet. «Wir sind nicht da, um gegen die Gastronomie zu arbeiten. Im Gegenteil: Die Beizen und Restaurants im Festivalbereich sind für das Ambiente sehr wichtig. Das Event sorgt für drei bis zehn Mal mehr Laufkundschaft. So profitieren auch die wenigen Gastro-Betriebe, die ihre Stühle wegräumen mussten. Ausserdem haben wir die meisten Beizen schon weit im Voraus informiert. Es sind wohl nur einige wenige, die durch die Mitteilung vom 9. August überrascht wurden», sagt Arnet.

20 000 Besucher erwartet

Seit 2015 führt die Hannibal Events GmbH Streetfood-Festivals durch. Mit steigendem Erfolg. 2017 macht die Gourmet-Tour erstmals an 14 verschiedenen Orten Station.

«Wir wählen nur Städte aus, von denen wir überzeugt sind, dass ein Streetfood-Festival dort funktioniert. Aarau passt hervorragend und stand schon letztes Jahr auf der Liste. Da wir aus der Region sind, freuen wir uns natürlich besonders, dass es 2017 endlich geklappt hat», sagt Arnet. Bereits am Donnerstag wird auf dem Festivalgelände (Schlossplatz, Pelzgasse, Markthalle, zwischen den Toren, Färberplatz und Kronengasse) mit dem Aufbau begonnen. Erwartet werden mehr als 20 000 Besucher. «Wie viele es tatsächlich werden, ist noch unklar. Das hängt hauptsächlich vom Wetter ab», sagt Arnet. In der Markthalle stehen auch gedeckte Sitzplätze zur Verfügung.

Neben Köstlichkeiten sorgen Artisten und Musiker auf den Plätzen mit kleinen Shows für Unterhaltung. Zudem laden das Kinderland und eine Erlebniswelt zwischen den Mahlzeiten zum Verweilen ein. «Das Rahmenprogramm dient lediglich dem Ambiente. Die Stars sind die Essenstände», sagt Arnet.

Streetfood-Festival Aarau

Freitag 17.30 Uhr bis 24.00 Uhr,

Samstag 11.30 Uhr bis 24.00 Uhr,

Sonntag 11.30 Uhr bis 24.00 Uhr.

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Streetfood Baden

Ursula Burgherr