Der Industriestandort Oberentfelden macht schwierige Zeiten durch. General Electric (GE) schliesst seinen Standort und verlagert die Produktion bis Ende 2019 nach Birr. Damit gehen in Oberentfelden gegen 500 Arbeitsplätze verloren. Auf dem Werkareal hängt schon länger eine «Zu Verkaufen»-Tafel. Bereits verkauft ist die Industrieliegenschaft in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Räume des in «A1 Areal» umbenannten Komplexes stehen aber noch weitgehend leer und werden zur Vermietung angeboten.

Umzug nach Strengelbach

Am Haupteingang hängt ein Schild. «Wir sind umgezogen! Seit dem 25. Juni 2018 finden Sie uns unter einer neuen Anschrift in Strengelbach bei Zofingen AG.» Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, ist die Firma Umdasch («The Shop Makers!») ins «Färbi»-Areal an der A2 gezügelt. Von dort aus sind noch 15 Personen tätig. Im Projektmanagement, Verkauf und in der Montage. Der gesundgeschrumpften Firma geht es gut: Sie wächst wieder und bietet offene Stellen an. Vom Schweizer Standort aus wird auch das deutsche Umdasch-Geschäft (10 Personen) geführt.

Es bleibt nur der Kreiselschmuck

Umdasch war seit 1966 in Oberentfelden ansässig. 2004 sponsorte die Firma den Kreiselschmuck an der Suhrentalstrasse – er wird das Einzige sein, was vom Ladenbauer in Oberentfelden bleibt. 2006 feierte die Umdasch Shop Concept AG auf Schloss Lenzburg das 40-jährige Bestehen. Mit viel Prominenz. Das Hauptreferat hielt Frank Schirrmacher (bis zu seinem Tod Mitherausgeber der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung»).

Noch im Frühling 2012 beschäftigte Umdasch in Oberentfelden laut einem Bericht des Handels- und Industrievereins Aarau (Hiva) 160 Mitarbeitende, vorwiegend Berufsfachleute, und 23 Lehrlinge.

Im Geschäftsbericht 2014 der Umdasch Group, einem weltweit tätigen österreichischen Traditionskonzern, war die Schweizer Tochter letztmals ein grösseres Thema. Es zeichnete sich ab, dass düstere Wolken aufziehen. Die Umdasch Shopfitting Schweiz war wegen eines neuerlichen Umsatzrückgangs und des schrumpfenden Marktumfelds zu strukturellen Anpassungen gezwungen. «Insbesondere wurde die Umstellung auf eine Manufaktur eingeleitet, in der nun selektiv für den Schweizer Markt produziert wird», hiess es. Der Grossteil der Produkte werde im Euro-Raum von anderen Umdasch-Produktionsstandorten bezogen.

Umdasch war ab 2008 konzernweit im Ladenbaugeschäft mit einem heftigen Nachfrage- und Preiseinbruch konfrontiert. Die Sparte rutschte in die roten Zahlen ab. Jetzt scheint der Turnaround geschafft. Doch die Herausforderungen bleiben gross. Unter anderem wegen des Onlinehandels. «Die Ladenbauinvestitionen im engeren Sinn sanken quer über alle Branchen erneut um ein paar Prozent», steht im Jahresbericht 2017.

Letztes Jahr 48 Entlassungen

In der Schweiz bauten die Österreicher fast total ab. Letztes Jahr gab es eine bisher nur Insidern bekannte Massenentlassung. Von den 48 Betroffenen haben 47 andernorts wieder einen Job gefunden. Weil der Komplex in Oberentfelden für die neue Umdasch viel zu gross war, wurde er verkauft. Und das Aktienkapital der Schweizer Tochter ist von 6,45 Millionen auf 100'000 Franken reduziert worden.

Neue Besitzerin ist die A1 Areal AG, Niederlenz (VR-Präsident Michel Frey, Auenstein). Der in «A1 Areal» umbenannte Komplex soll als multifunktionales Gewerbehaus für die Vermietung fit gemacht werden. Bis zum 20. August läuft das Umnutzungsgesuch, bis zum 4. September das Baugesuch für den Ersatz der Ölheizung durch eine Gasheizung. Inklusive neue Heizung investieren die neuen Besitzer 640'000 Franken in den Umbau.