Aarau
Um Sanierung zu finanzieren: Die Rennbahn als Event-Mekka

Obwohl der Turf an Bedeutung verliert, wird das Reiterstadion immer wichtiger. Vor allem Fremdvermietungen sind für den Aargauischen Rennverein Garant fürs Überleben.

Hermann Rauber Und urs Helbling
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Zum «Green Egg»-Event im April kamen 1000 Besucher. LAM
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Das Reiterstadion wird auch für andere Veranstaltungen immer wichtiger
Die «Dog Show» fand im Juni zum 7. Mal in Aarau statt. UHG
Das Open-Air-Kino benutzt die Anlage sechs Wochen lang. KUS
Das Hoodlookgood-Festival war an Pfingsten ausverkauft.

Zum «Green Egg»-Event im April kamen 1000 Besucher. LAM

Zur Verfügung gestellt

Die Tribüne des Reiterstadions im Aarauer Schachen muss saniert werden. Das ist seit der Generalversammlung des Aargauischen Rennvereins (ARV) im April bekannt. Jetzt weiss man, in welchen Grössenordnungen sich die Kosten der Modernisierung bewegen könnten. Im Vordergrund stehen zwei Varianten: einerseits der Rückbau und Ersatz der Betondachplatte für geschätzte 1,7 Millionen Franken, andererseits der komplette Neubau des Tribünengebäudes für geschätzte 7,7 Millionen Franken (Zahlen aus dem ARV-Magazin «Insider»).

Diese Investitionen werden kaum vom ARV oder dem Turf Club gestemmt werden können. Die öffentliche Hand wird Mittel beisteuern müssen. Dabei ist von Bedeutung, dass sich das Reiterstadion zunehmend von der Sportanlage zu einem Veranstaltungsort von nationaler Bedeutung entwickelt. Ohne gross Werbung zu machen, erzielt der ARV bereits jetzt mit Fremdvermietungen 190'000 Franken Einnahmen pro Jahr.

«Werbeeffekt in eigener Sache»

Das eben beendete, sechswöchige Open-Air-Kino ist, was die Einnahmen betrifft, für den ARV die wichtigste Veranstaltung. Die «Swiss Dog Show», an der im Juni 3220 Hunde aus aller Welt teilnahmen, ist der Anlass mit der internationalsten Ausstrahlung. Und das erstmalige Treffen von Grill-Fans unter dem Namen «Big Green Egg ’s Flavour Fair» war der trendigste Event. Daneben finden im Reiterstadion etwa Messen, Konzerte, Hochzeiten statt.

Vom Frühling bis Ende August ist fast jedes Wochenende etwas los. Für den ARV sind die Fremdvermietungen mehr als eine willkommene Einnahmenquelle. ARV-Präsident Bruno Vogel führt auch den «Werbeeffekt in eigener Sache» ins Feld. Wer im Rahmen eines Festes im Stadion im Schachen war, komme vielleicht anschliessend auch an ein Pferderennen (siehe unten). Und auch die Stadt Aarau dürfte froh sein über einen solch schön gelegenen Event-Platz.

Gebaut wurde das Reiterstadion kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, unter anderem von Kriegsinternierten, die in Lagern in der Nähe untergebracht waren. Am 5. Oktober 1947 feierte der ARV die Eröffnung der «ersten permanenten Pferderennbahn in der Schweiz». Das Land gehört noch heute der Ortsbürgergemeinde Aarau, die es mit einem unentgeltlichen Baurecht dem ARV überlässt. Lange Zeit blieb die Bahn der pferdesportlichen Nutzung vorbehalten. 1957 allerdings fand im Sommer eine Freilichtaufführung der Operette «Die Gräfin Mariza» statt. Und 1994 folgte am selben Ort das Muscial «My fair Lady».

190 000 Fr. aus Vermietungen

Zur gleichen Zeit entdeckte das sommerliche Open-Air-Kino das Areal mit der Tribüne als ideale Kulisse. Es war das Verdienst des früheren ARV-Präsidenten Beat Ries, das Reiterstadion gezielt zu öffnen, nicht zuletzt mit Blick auf die damals maroden Finanzen des Vereins. Mit Erfolg, erreichte doch 2016 die Position «Fremdvermietung» einen Ertrag von knapp 190 000 Franken, Tendenz steigend.

Ohne diese Einnahmen, so der heutige Präsident Bruno Vogel, könnten wohl im Schachen keine Pferderennen mehr durchgeführt werden. Im laufenden Jahr stehen im Reiterstadion neben den vier Turf-Sonntagen zwischen Frühling und Herbst rund 20 Veranstaltungen auf dem Programm. Dazu gehört das «Buureland» an der AMA.

Gar zwei Mal gastiert im Areal das Thai-Fest, im Juni folgten ein Hip-Hop-Happening (Make the Hood look Good) und «Spirit of Balkan». Die Rennbahn bietet auch den Rahmen für den «sCOOL-Cup» der Aargauer Schüler. Am OL-Tag nahmen 2800 Kinder teil. Froh um die Rennbahn sind die Organisatoren des traditionellen «Chrutwäje-Openair» am Abend des Aarauer Maienzugs. Schliesslich steht das Stadion auch für Betriebsfeste offen, zum Beispiel der AZ Medien Gruppe, der Klinik Hirslanden oder der Firma Heizmann.

Béatrice Kovacs, die Geschäftsführerin des ARV, betont, dass jedermann als Mieter willkommen sei. Allerdings werde darauf geachtet, dass die Rasenbahn für die Pferderennen bei Fremdnutzungen nicht beschädigt oder zerstört werde, denn man wolle den eigentlichen Zweck der Anlage, den Turfsport, nicht aus den Augen verlieren. Geprüft wird bei Anfragen die Parkplatzfrage, die der Rennverein mit der Grundeigentümerin, der Ortsbürgergutsverwaltung, regeln muss.

Und auch übermässige Lärmimmissionen sind ein Hindernis, denn es besteht eine vertraglich festgelegte Obergrenze mit den Bewohnern des benachbarten Hungerbergs.
Je nach Art und Grösse des Anlasses auf der Pferderennbahn besteht deshalb eine Bewilligungs- oder Meldepflicht bei der Stadtpolizei. Dabei geht es um Auflagen des Gastgewerbegesetzes (Alkoholausschank, Verlängerung) oder der Schall- und Laserverordnung.

Laut Hans Umbricht von der Dienststelle Gewerbe der Stadtpolizei ist es im Rahmen der Nutzung des Reiterstadions bisher selten zu Problemen oder Reklamationen gekommen. Das spricht für die sorgfältige Vergabe der Vermietungen, die man gemäss ARV-Präsident Bruno Vogel «gerne entgegennimmt, aber nicht aktiv forcieren will». Im Winter läuft aber nichts: Das Reiterstadion ist eine Location für Anlässe zwischen Frühling und Herbst. Die Räume in der Tribüne sind nur bedingt heizbar, die Zelte werden im Herbst demontiert.