Aarau
Um die Fenstergitter dieses Kaufhauses tobt ein erbitterter Kampf

Altstadtkommission und Denkmalpflege wollen, dass die Gitter des Altstadthauses an der Metzgergasse erhalten bleiben. Nicht so das Verkehrsbüro aarau info. Jetzt muss der Stadtrat entscheiden.

Hermann Rauber
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Die Fenster an der Frontseite sind und bleiben weg, Streitobjekt sind die Gitter in den Fenstern auf die Laurenzentorgasse hinaus (ganz rechts).

Die Fenster an der Frontseite sind und bleiben weg, Streitobjekt sind die Gitter in den Fenstern auf die Laurenzentorgasse hinaus (ganz rechts).

Pascal Meier

Während der Umbau des Parterres des Kaufhauses an der Aarauer Metzgergasse sichtbare Fortschritte macht, tobt hinter den Kulissen ein erbitterter Kampf um den Erhalt oder die Entfernung der Gitter auf der Südseite der Liegenschaft.

Altstadtkommission und Denkmalpflege beharren auf dem Bestand der knapp hundertjährigen Schmiedekunst, das Verkehrsbüro aarau info, das im Juni dort einziehen soll, will nicht «hinter schwedischen Gardinen» arbeiten. Entscheiden muss den Streit nach vergeblichen Mediationsversuchen der Stadtrat.

Als man sich vor einem Jahr darauf einigte, dass das Verkehrsbüro den Standort am Schlossplatz verlassen und in die verwaisten Räume der einstigen Postfiliale einziehen soll, war die Welt noch in Ordnung. Das Projekt wurde von allen Seiten gelobt und die Stadt als Eigentümerin des Kaufhauses signalisierte Entgegenkommen bei den baulichen Wünschen der neuen Mieterin.

Im Laufe der Planungsphase allerdings kam es zu Einschränkungen, die vor allem beim federführenden Verein Aarau Standortmarketing (VAS) zu einer zunehmenden Verärgerung führte. Denn die kantonale Denkmalpflege äusserte im vergangenen Herbst plötzlich Bedenken gegen die Entfernung der fünf Fenstergitter an der Front gegen die Laurenzentorgasse.

Rede von «Gefängnis-Situation»

Die Vergitterung stammt aus der Bauzeit des neuen Kaufhauses, also aus den Jahren 1920/21. Sie diente weniger zur Zierde als vielmehr zur Sicherung der Post- und Wertsendungen, die hier lagerten. Die Liegenschaft selber steht nicht unter Denkmalschutz. Die Altstadtkommission, ein beratendes Gremium des Stadtrates, übernahm das Argument der Gitter-Erhaltung. Es handle sich hier um «äusserst kunstvolle Gitter, die nicht ohne grösseren Schaden aus den Gewänden entfernt werden können».

Das rief die neue Mieterschaft auf den Plan. Diese Massnahme entspreche «in keiner Art und Weise der neuen Nutzung des Erdgeschosses», nämlich als «Zentrum für Bewohner, Besucher und Gäste». Die Rede war gar von einer «Gefängnis-Situation» für das künftige Ambiente des Verkehrsbüros, das sich einen «frischen, offenen und freundlichen Arbeitsraum» wünsche.

Der Vorstand des Vereins Aarau Standortmarketing rieb sich deshalb im November 2013 die Augen, als beim Baugesuch plötzlich an den Gittern festgehalten wurde. Er stellte umgehend den Antrag an die Behörde, auf diesen Entscheid zurückzukommen. Tatsächlich kam der Stadtrat zum Schluss, dass «der Charakter des markanten Gebäudes nicht derart in Mitleidenschaft gezogen wird, wenn die Fenstergitter entfernt werden».

Das Baugesuch sei deshalb «entsprechend anzupassen». Die praktisch nur aus Aarauer Architekten zusammengesetzte Altstadtkommission wiederum wollte diese Kröte nicht schlucken und deponierte beim Stadtrat ein Wiedererwägungsgesuch.

Mietvertrag nicht unterzeichnet

Trotz dieser Querelen begann im Januar der Umbau des Kaufhauses. Heute sieht man, dass die Hauptfront gegen die Metzgergasse offener aussehen wird als früher. An dieser Stelle sind die Gitter entfernt und die Fensterbrüstungen nach unten gezogen worden. Und auch der seit Ende Jahr schmerzlich vermisste Bancomat soll wieder einen Platz erhalten, und zwar auf der Ostseite des Kaufhauses.

Die Fronten rund um die «Gitter-Frage» allerdings sind nach wie vor verhärtet. Eine der Vermittlung dienende Begehung der Baustelle mit den Betroffenen brachte keine gütliche Einigung. «Wir beharren auf einem Entscheid des Stadtrates, der nun Farbe bekennen muss», sagt Esther Schmid, Leiterin des Verkehrsbüros aarau Info. Man geht davon aus, dass die Behörde frühestens am 17. Februar Beschluss fassen wird. Der definitive Mietvertrag zwischen Stadt und Aarau Standortmarketing ist aus diesem Grund noch immer nicht unterzeichnet.

Doch die Zeit drängt, denn das Mietverhältnis am Schlossplatz 1 ist per Ende Mai gekündigt. Das Verkehrsbüro möchte eigentlich seinen neuen Standort am 28. Juni, gleichzeitig mit der offiziellen Übergabe des Wakker-Preises an die Stadt Aarau, feiern.

Mit ein wenig gutem Willen auf beiden Seiten sollte dies noch immer möglich sein. Denn auch Esther Schmid räumt ein, dass der neue Sitz des Verkehrsbüros im Herzen des historischen Zentrums grundsätzlich «optimal» ist und nicht zuletzt auch der Frequenz der Altstadt nützen wird.