AAR bus+bahn
Um den Billettschalter zu retten: Jetzt sollen auch Menziken und Gränichen die WSB-Kioske subventionieren

Nach Suhr und Muhen wollen sich nun auch Menziken und Gränichen finanziell an den Verkaufsstellen des Bahnbetreibers beteiligen. Die Entscheidung liegt bei den Gemeindeversammlungen.

Rahel Plüss und Ueli Wild
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Zum Beispiel Suhr: AAR bus+bahn erbringt eine Dienstleistung, die der Gemeinde etwas wert ist.

Zum Beispiel Suhr: AAR bus+bahn erbringt eine Dienstleistung, die der Gemeinde etwas wert ist.

Ueli Wild

Die WSB, wie die AAR bus+bahn in den Tälern noch immer genannt wird, entwickelt sich immer mehr von der Bahn- zur Lädeli-Betreiberin. Weil die Billettschalter nicht mehr rentieren, sollens Zusatzangebote wie der Verkauf von Kioskwaren, Geschenkartikeln, Briefmarken oder gar Gebührenmarken für Ghüdersäcke richten.

Schon mehrere Verkaufsstellen auf dem Streckennetz wurden mit einem Laden ergänzt – die Bezeichnung variiert, die Absicht dahinter ist die gleiche: Der Verkauf zusätzlicher Artikel soll den Billettschalter retten. In Schöftland ists ein Mini- und in Gränichen ein ausgewachsener Kiosk, in Oberentfelden ein Shop und in Suhr ein Laden mit regionalen Produkten, in Muhen gar ein Kiosk mit Postagentur.

Gemeindebeitrag: SVP Menziken plant den Widerstand

Dass Gemeinden die erweiterten Verkaufsstellen des Bahnbetreibers mit Steuergeldern unterstützen, ist nicht unumstritten. Das zeigt die Opposition der SVP Menziken. Sie hat für die Abstimmung vom kommenden Mittwoch die Nein-Parole beschlossen. Ein jährlich wiederkehrender und unbefristeter Gemeindebeitrag in dieser Höhe an die Verkaufsstelle der Bahn hält sie für unverhältnismässig, «denn dies ist keine Gemeindeaufgabe und die Nachfrage nach diesem Dienst steht mit den Kosten nicht im Verhältnis», schreibt die Partei in einer Pressemitteilung. «Abklärungen haben gezeigt, dass die Verkaufsstelle am Bahnhof Reinach auch ohne integrierten Kiosk rund dreimal mehr Umsatz macht als Menziken», sagt Ortsparteipräsident Severin Siegrist. Deshalb stelle die SVP den Menziker Schalter punkto Rentabilität grundsätzlich infrage. Dass der Verlust mit Kioskprodukten wettgemacht werden könne, fänden sie schwierig, zumal in Menziken heuer auch noch eine Coop-Tankstelle mit Pronto-Shop als neue Konkurrenz dazugekommen sei. (rap)

Kampf gegen Automatenbahnhof

Jetzt wird auch die Verkaufsstelle in Menziken mit einem durch den Bahnbetreiber geführten Kiosk ergänzt – zum Leidwesen der bisherigen Kioskbetreiberin, der Valora-Gruppe (die az berichtete), jedoch zur Freude der Gemeinde. In Menziken ist man glücklich, dass dem Dorf so nicht nur die Verkaufsstelle erhalten bleibt, sondern auch die Schalteröffnungszeiten erweitert werden. Das lässt man sich etwas kosten: An der kommenden Gmeind soll das Volk den jährlich wiederkehrenden Kostendeckungsbeitrag von 10 000 Franken bewilligen, damit die Bahnstation nicht zum Automatenbahnhof verkommt.

Damit liegt Menziken im Trend: Der AAR bus+bahn ist es gelungen, eine Reihe von Gemeinden ins Boot zu holen. Am weitesten geht Muhen, wo die Bahnbetreiberin neben der Postagentur auch Dienstleistungen für die Gemeinde übernimmt, indem sie zum Beispiel Gebührenmarken oder andere Artikel der Gemeinde verkauft. «So ist die Gemeinde auch am Bahnhof präsent, für die eine oder andere Person der erste Schritt in die Gemeinde hinein», schreibt Gemeindeammann Andreas Urech auf Anfrage. Für diese «Gegenleistung» sei ein Betrag von 15 000 Franken vereinbart worden.

Ähnlich tönt es in Suhr. Dort unterstützt man die Bahnbetreiberin mit jährlich rund 25 000 Franken. «Mit der Verkaufsstelle erbringt AAR bus+bahn eine Dienstleistung, die uns etwas wert ist», so Gemeindepräsident Beat Rüetschi. «Wir wollen nicht nur mit Automaten kommunizieren.» Vorgängig hatte sich die Gemeinde bemüht, mit den SBB eine Verkaufsstelle zu realisieren, was laut Rüetschi aber nicht gelang.

Ein Hindernis schien die mögliche Konkurrenz zur Migrolino-Filiale am Bahnhof Suhr zu sein. Dieses Problem hat AAR bus+bahn offensichtlich lösen können. Weil sich der Bahnbetreiber auf den Verkauf regionaler Produkte spezialisiert hat, kommen die beiden Lädeli-Betreiber aneinander vorbei. Suhr will die Verkaufsstelle so lange finanziell unterstützen, bis diese selbsttragend ist. Das sei bis jetzt noch nicht der Fall, sagt der Gemeindepräsident. Doch seine Prognose ist positiv: «Wenn dann mal alles in der Gegend um den Bahnhof fertiggebaut ist, dürfte es anders aussehen.»

Auch Gränichen will mitmachen

Die Verkaufstelle mit integriertem Kiosk in Gränichen wurde am 1. März dieses Jahres eröffnet. Bis anhin hat die Gemeinde nichts an den Betrieb bezahlt. Das soll sich nun aber ändern. Gemäss Angaben von Finanzverwalterin Mirjam Zedi sind im Budget 2017 dafür 10 000 Franken eingestellt. Das Gränicher Stimmvolk wird an der Gmeind vom 28. November darüber befinden.

Nichts an ihre Verkaufsstellen zahlen Oberentfelden und Schöftland, wie die beiden Gemeinden bestätigen, obwohl AAR bus+bahn auch dort Kioske betreibt. Reinach hat eine Verkaufsstelle ohne Shop, auch diese wird von der Gemeinde nicht unterstützt. Keine Verkaufsstelle mehr hat hingegen Unterkulm. Dort kam 2013 nach der Schliessung des Avec-Shops, wo zuletzt auch Billette verkauft wurden, keine «Synergienutzung» mehr zustande, wie es damals in einer Medienmitteilung hiess.