Hinunterschalten! Das werden die Automobilisten in Aarau künftig vermehrt tun müssen. Denn die Stadt hat gestern ein Konzept für die Schaffung von Begegnungszonen in Wohnquartieren präsentiert.

Es erleichtert die Umwandlung von «Tempo 30»- in «Tempo 20»-Strassen. Mehr noch: Es lädt die Anwohner geradezu ein, Langsamfahrzonen zu beantragen. Das Konzept hat für Städte der Grösse von Aarau Pioniercharakter.

«Deutliche Erhöhung der Lebensqualität»

Was Begegnungszonen anbelangt, ist Aarau bereits jetzt recht fortschrittlich: In der ganzen Altstadt (inklusive Graben) herrscht bereits seit Jahren «Tempo 20» und die Fussgänger haben absoluten Vortritt vor allen anderen Fahrzeugen (auch Velos).

Eine Geschwindigkeitsreduktion beschlossen ist auch für die Vordere Vorstadt und den Rain. Diese wird markiert, sobald die Sanierungsarbeiten ausgeführt sind (Baubewilligungsverfahren ist am Laufen).

In den Quartieren gibt es erst zwei «Tempo 20»-Inseln: in der Telli (Sengelbachweg) und im Gönhard (Jura-/Augustin-Keller-Strasse). Doch das wird sich in absehbarer Zeit ändern – und ist so durchaus beabsichtigt.  Jedenfalls schreibt der Stadtrat in einer Medienmitteilung: «Die Schaffung einer Begegnungszone kann die Lebensqualität in einer Quartierstrasse deutlich erhöhen.»

«Tempo 20»-Wunsch soll von Anwohnern kommen

Es gibt bei der Stadt bereits drei Anfragen für neue Langsamfahrstrassen. Und dank des neuen Prozesses für die Antragsstellung dürften es bald mehr sein: Anwohner müssen einfach das entsprechende Formular aus dem Internet herunterladen und mindestens 50 Prozent der Unterschriften der Anwohnenden sammeln.

Dann kommt der Prozess in Gang. Innerhalb von einem bis zwei Jahren kann die Begegnungszone realisiert werden. Die Zeitdauer ist unter anderem abhängig von der Anzahl Einsprachen, die während der öffentlichen Auflage eingehen.

Der Realisierungsentscheid ist Sache des Stadtrates (der Einwohnerrat muss nicht konsultiert werden), die Signalisation und allfällige bauliche Massnahmen werden über das ordentliche Budget finanziert.

Bus und «Tempo 20» geht im Quartier nicht

Der Autoverkehr kann nicht auf jeder Gemeindestrasse herabgebremst werden. Ausgeschlossen sind etwa Strassen mit Bus-Verkehr (das geht aber in der bestehenden Zone in der Altstadt/Graben) und Strassen mit einer Frequenz von mehr als 100 Fahrzeugen pro Stunde (was bereits relativ viel Verkehr ist). Zudem soll es keine Tempo-Sprünge geben: also nicht von «Tempo 50» direkt auf «Tempo 20».

Die Begegnungszonen sollen überall gleich gestaltet sein: Wo «Tempo 20» beginnt, hat es einen pastellgelben Balken auf dem Boden. Danach immer wieder Markierungen «20». Und allenfalls Möblierungen mit etwa Parkbänken oder Pflanzentrögen.