«Das Unvollstellbare ist passiert», schreibt Rob Moret in seiner Mail: «Eine der zwei Gränicherinnen hat mit mir Kontakt aufgenommen».

Vor lauter Glück, so der 70-Jährige weiter, habe er einen Freudentanz gemacht und eine Flasche Wein geöffnet.

Der Holländer war auf der Suche nach zwei Frauen, welche er und seine Freunde Peter und Jan 1968 bei Pontresina kennen gelernt hatten und von denen er bloss wusste, dass sie aus Gränichen kommen (wir berichteten).

«Immer wieder sagten sie: Gränicher Mädchen tanzen so gerne. Nie werde ich ihren schweizerdeutschen Dialekt vergessen.»

Rob Moret aus Holland ist überglücklich

«Immer wieder sagten sie: Gränicher Mädchen tanzen so gerne. Nie werde ich ihren schweizerdeutschen Dialekt vergessen.»

Beim Herumstöbern auf seinem Dachboden fand er ein Bild von damals: darauf die drei holländischen Freunde und die zwei 20-jährigen Schweizer Mädels.

Beim Betrachten des Bildes kamen Rob schöne Erinnerungen in den Sinn, «wir verbrachten einen lustigen Abend zusammen. Weil es regnete und die Mädels keine Unterkunft hatten, luden wir sie zum Übernachten in unser Zelt ein.»

Am nächsten Morgen trennten sich die Holländer und die Schweizerinnen, ohne jedoch die Adressen auszutauschen. Nie wieder hörten sie etwas von einander.

In der Zeitung wiedererkannt

Bis jetzt. Weil Rob Moret unbedingt wissen wollte, wie es den Gränicher «Mädels», ergangen ist, schrieb er der az-Redaktion und bat um einen Aufruf.

«Ich kenne ja nicht mal ihre Namen. Die zwei Frauen zu finden gleicht der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen.»

Doch er hatte Glück. Eine Frau schrieb ihm zurück: «Du hast die Stecknadel gefunden! Ich bin das Mädchen im Vordergrund deines Fotos.»

Als Abonnentin der az habe sie aus reiner Neugierde den Artikel gelesen, zuerst aber keinen Moment an sich gedacht, schreibt die Frau, die heute ebenfalls um die 70 ist und unerkannt bleiben möchte.

Je länger sie las, desto bekannter kam ihr die Geschichte vor. Und als sie das Bild näher betrachtete, verflogen all ihre Zweifel: «Das bin ja ich und im Hintergrund meine Freundin. Kaum zu glauben!»

Auf dem Bild posierte noch ein drittes Mädchen, an das sich Rob Moret nicht mehr erinnern mochte, die Frau aber schon: «Es ist die Schwester meiner Freundin. Ich wusste gar nicht mehr, dass sie auch dabei war.»

Auch von dem Lied, von dem Rob Moret sagt, die Gränicherinnen hätten es am besagten Abend stets gesungen, weiss die Frau nichts mehr. «Doch an Euch drei Holländer kann ich mich bestimmt erinnern!»

Irgend mal in die Schweiz

In ihrer Mail erzählt die Frau Rob weiter, wie es ihr in den letzten 50 Jahren ergangen ist. Sie sei nicht mehr in Gränichen, sondern lebe glücklich verheiratet in einem kleinen Dorf im Fricktal.

Nach ihrer Hochzeit gab sie ihre Tätigkeit als Primarlehrerin auf und widmete sich voll der Erziehung ihrer sechs Kinder.

Rob Moret würde die damaligen Gränicher «Mädels» nun also gerne wieder treffen und ihnen das Bild von damals überreichen.

Da er sowieso eine Skitour ins Vorarlberggebiet plant, denkt er an einen Abstecher in die Schweiz.

Aktiv und quirlig wie der Holländer aber ist, möchte er vorerst nichts versprechen.

«Wir haben 50 Jahre nichts voneinander gehört. Erst einmal bin ich froh zu hören, dass die Gränicher Frauen glücklich und gesund sind.»