Aarau
Überschwemmungsgefahr ist mit dem neuen Rüchlig gebannt

Dank der verbesserten Wehrregulierung sollte sich eine Überschwemmung wie anno 2007 nicht wiederholen. Damals wälzte sich die Aare mit 1400 Kubikmeter pro Sekunde talwärts – ein Quantum, das das neue Kraftwerk heute ohne Schaden abführen könnte.

Hermann Rauber
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Das Rüchlig-Kraftwerk in Aarau
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Das Rüchlig-Kraftwerk in Aarau

Pascal Meier

Vor zwei Jahren hat das Energieunternehmen Axpo das veraltete Kraftwerk im Aarauer Scheibenschachen vom Netz genommen und damit den Neubau gestartet.

Die gröbste Phase ist jetzt vorbei, aufatmen können vor allem die Anwohner an der Stockmattstrasse und an der hinteren Aarestrasse, die am meisten unter den Immissionen gelitten haben.

Das Erdulden von Lärm und Baustellenverkehr dürfte sich aber gelohnt haben, denn mit dem neuen Kraftwerk wird sich auch der Hochwasserschutz für die Quartiere Scheibenschachen und Telli deutlich erhöhen.

Mit der verbesserten Wehrregulierung, die seit Kurzem vollautomatisch in Betrieb ist, ist die Überschwemmungsgefahr gebannt. Obwohl die Aare nach den vielen Regentagen derzeit viel Wasser führt, so konnte die Wassermenge von 740 Kubikmeter pro Sekunde (Stand gestern Morgen) doch problemlos abgeführt werden.

Selbst eine verheerende Überschwemmung wie die vom 9. August 2007 sollte sich künftig nicht wiederholen. Damals wälzte sich die Aare mit einer Wassermenge von 1400 Kubikmeter pro Sekunde talwärts – ein Quantum, das das neue Kraftwerk heute ohne Schaden abführen könnte.

Axpo investiert gut 130 Millionen

Die gesamte Erneuerung der Stromproduktion umfasst laut der Axpo den Ersatz der drei alten Rohrturbinen und die Aufrüstung mit einer vierten Maschinengruppe und einem Dotierkraftwerk.

Die Axpo investiert gut 130 Millionen Franken in den Standort Aarau. Mit der neuen Leistung von 11 Megawatt wird das moderne «Rüchlig» jährlich rund 64 Gigawattstunden produzieren, die etwa 14 000 Haushalte mit Strom versorgen können.

Das Kraftwerk kann laut Norbert Bättig, dem Chefbauleiter, «Ende des laufenden Jahres vollumfänglich in Betrieb genommen werden». Bereits im kommenden August gehen die dritte Maschinengruppe und das Dotierkraftwerk ans Netz. Einzig die abschliessenden Umgebungsarbeiten werden sich noch bis in den Sommer 2015 hinziehen.

Erstmals mit Fischabstieg

Mit dem Kraftwerk-Bau entsteht nebst zwei neuen Fischaufstiegen erstmals auch ein -abstieg. So können Fische und andere Wassertiere die Anlage in beiden Richtungen überwinden. Diese Massnahme, zusätzliche biologische Ausgleichsprojekte und die deutlich erhöhte Restwassermenge werten das Konzessionsgebiet ökologisch auf.

Mit der Ausweitung der Stromproduktion musste auch die bisherige Talwegrinne des Aarekanals verändert werden. Entgegen den Befürchtungen von Liegenschaftsbesitzern im Scheibenschachen führte das Einsetzen der neuen Dichtelemente nicht zu Problemen mit dem Grundwasser.

«Die Resultate der Überwachung zeigen, dass sich der Spiegel während des Aushubs der neuen Talwegrinne nicht erhöht hat», stellt die Axpo fest.

Geopfert worden sind dem Bau allerdings einige Bäume und Sträucher am Kanalufer, doch dürften auch diese Wunden in der Natur bald verheilen.