Buchs
Überrollt von einer Holenstein-Flut – und doch keine hochprofessionelle Kunstausstellung

Für die Jubiläumsausstellung im Dorfmuseum hat Josef Albisser nur ein paar Werke von KunstmalerWerner Holenstein gesucht – und kann sich vor Angeboten kaum noch retten

Katja Schlegel
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Josef Albisser im eigens zu Ehren von Kunstmaler Werner Holenstein eingerichteten Zimmer im Dorfmuseum Buchs. Sandra Ardizzone

Josef Albisser im eigens zu Ehren von Kunstmaler Werner Holenstein eingerichteten Zimmer im Dorfmuseum Buchs. Sandra Ardizzone

Sandra Ardizzone

Die Pinselborsten sind struppig, die Farbe auf der Palette, hoch geschichtet, ist pickelhart. Aber die Farbtube lässt sich noch kneten, obwohl seit Sommer 1985 keiner mehr mit ihnen gemalt hat. 31 Jahre ist es her, seit Werner Holenstein zum letzten Mal zu seinem Pinsel gegriffen hat. Das Bild auf der Staffelei ist unvollendet geblieben; den Blumen in dem schlanken Väslein auf dem Tisch vor der Kulisse Venedigs fehlen die Blüten.

So steht alles im Zimmer, so, als hätte Kunstmaler Holenstein eben noch hier gewirkt. Zwar ist alles original, Pinsel, Farbtuben, Staffelei, das Keramikgeschirr, das in vielen der Bilder auftaucht, selbst der Damenhut auf der Sessellehne. Bloss das Zimmer ist ein anderes. Es ist das Holenstein-Zimmer im Dorfmuseum Buchs, das ihm nach seinem Tod gewidmet wurde.

Holenstein war ein Buchser. 1932 hier geboren wuchs er im Dorf auf, arbeitete hier in seinem Atelier an der Bachstrasse. Seine Werke sind in der Region an manchen öffentlichen Gebäuden zu sehen, in Buchs beispielsweise in der katholischen Kirche und im Gemeindehaus, in Aarau beim Kantonsspital, der Kantonalbank und im Grossratssaal. Oder im Restaurant «Sevilla» in der Kirchgasse, wo er 1957 eines Nachts ordentlich angesäuselt einen Helgen an die Wand malte – und so seine Schulden bei Wirt Ernst Maurer beglich. Unvergessen ist sein Auftritt an der Expo 1964, an der er mit grossformatigen Werken prominent vertreten war. Im August 1985 starb Holenstein mit nur 53 Jahren. Doch sein Vermächtnis ist enorm – davon kann Josef Albisser ein Liedlein singen.

Ausstellung für einen Buchser

Für das Dorfmuseum wollte Albisser anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums etwas ganz Besonderes machen. Eine Holenstein-Ausstellung sollte es werden, das war rasch klar. Also setzte er einen Aufruf in die Dorfzeitung; wer einen Holenstein daheim habe und diesen für eine Ausstellung ausleihen würde, solle sich doch melden. Er habe mit etwa 20, vielleicht 30 Bildern gerechnet, sagt Albisser und winkt ab. «Es waren gegen 100 Bilder, die uns angeboten wurden.»

Angenommen hat er nur rund 45, den Rest hat er höflich zurückgewiesen. «Das Dorfmuseum ist ein Wohnhaus, keine Galerie. So viele Wände wie es bräuchte, haben wir gar nicht», sagt Albisser. Schon jetzt ist klar, dass die Werke nicht nach Stil oder Thema oder Schaffensphase sortiert aufgehängt werden, sondern nach Platzangebot. Und auch bei 45 Bildern bleibt mehr als genug zu tun: Seit Tagen fährt das Ehepaar Albisser kreuz und quer durch den Aargau und stapelt Holensteins Werke in den Kofferraum.

Niemals hätte er mit einem solchen Angebot gerechnet. «Ich bin sehr überrascht, wie viele Leute einen Holenstein in der Stube haben», sagt Albisser. Und nicht nur das Angebot ist gross, auch das Interesse an der Ausstellung. Gerade eben habe er ein Telefonat aus Genf bekommen von einer Frau, die gerne zur Vernissage kommen würde. «So schön», sagt er und lacht breit.

Er habe Holenstein selber gut gekannt, sagt Albisser. «Ich habe auch schon einmal eine Holenstein-Ausstellung gemacht.» 1981 war das, als Albisser Präsident der Kulturkommission war. Das ganze Gemeindehaus habe er mit Holenstein vollgehängt. «Er war ein gewaltiger Maler», sagt er. Er habe ihm einmal zugeschaut beim Malen, mit grossen Bewegungen habe er gemalt und weit ausgeholt, einfach drauflos, mit grosser Freude an Farbe. «Irgendwann habe ich ihn gefragt, ob er keinen Entwurf brauche. Er erwiderte, er habe alles im Kopf.» Was er getan habe, habe gesessen, trotz der Spontaneität. «Jeder Pinselstrich. Er war ein Naturtalent.»

Bis zur Vernissage bleibt einiges zu tun. Noch müssen die letzten Bilder eingesammelt werden, dann geht es ans Aufhängen. Unterstützung bekommt Albisser von Carlo Mettauer, der Holenstein 1985 auf seiner letzten Reise nach Venedig begleitet hat. Trotz der vielen Arbeit freut sich Albisser sehr. «Das wird nicht eine hochprofessionelle Kunstausstellung», sagt Albisser. Sondern eine, die den Menschen Werner Holenstein in Erinnerung ruft, der mit uns und unter uns gelebt hat, den wir kannten und dem wir häufig begegnet sind. Ein Buchser eben.»