Buchs-Rohr
Überempfindliche Gläubige? Den Leib Christi gibt es nun auch glutenfrei

Christen feiern das Abendmahl mit Brot und Wein - so, wie seinerzeit auch Jesus. Die aus Weizenmehl gebackenen Hostien bekommen aber nicht allen Gottesdienstbesuchern. Deshalb bietet die Pfarrei Buchs-Rohr neu Hostien für Zöliakie-Kranke an.

Katja Schlegel
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Hostien aus Weizenmehl können Zöliakie-Erkrankte nicht essen.key

Hostien aus Weizenmehl können Zöliakie-Erkrankte nicht essen.key

KEYSTONE

Zöliakie ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms, Betroffene reagieren überempfindlich auf Bestandteile aus Gluten. Gluten ist ein Sammelbegriff für ein Stoffgemisch aus Proteinen, das in den Samen von Getreidearten vorkommt, beispielsweise Weizen, Dinkel und Roggen. Weil Gluten auch in Hostien enthalten sind, haben erkrankte Gläubige ein ernsthaftes Problem bei der Kommunion.

Etwas heller und leichter

Eingeführt hat die Zöliakie-Hostien Diakon Marco Heinzer, der seine Tätigkeit als Gemeindeleiter in der Pfarrei St. Johannes Anfang Oktober aufgenommen hat. «Ich wusste von einzelnen Gottesdienstbesuchern, die an Zöliakie leiden, und liess die speziellen Hostien bestellen», sagt Heinzer.

Die Zöliakie-Hostien, die die Hostienbäckerei des Klosters St. Martin in Hermetschwil-Staffeln herstellt, bestehen aus Wasser und Prima-Weizenstärke. Dabei handelt es sich um hoch verarbeitete Weizenstärke, die zwar nicht restlos glutenfrei ist, doch von den meisten Zöliakie-Erkrankten toleriert wird. Die Zöliakie-Hostien sind etwas heller und leichter als herkömmliche Hostien.

Dass überhaupt glutenreduzierte Hostien produziert werden, ist keine Selbstverständlichkeit: In der römisch-katholischen Kirche müssen Hostien aus ungesäuertem Weizenbrot hergestellt werden. Dies, weil auch Jesus beim letzten Abendmahl wahrscheinlich Weizen- oder Gerstenbrot verwendet hat. Hostien ohne Weizenmehl gelten demnach als «ungültige Materie» für die Eucharistie.

In Buchs können sich Betroffene vor dem Gottesdienst in der Sakristei melden, damit ihnen die Hostie zur Kommunion bereitgelegt wird. Wie viele Zöliakie-Hostien pro Gottesdienst verteilt werden, hängt laut Anita Panzer, Kommunikationsverantwortliche des Pastoralraums Region Aarau, vom Bekanntheitsgrad des Angebots und der Art des Sonntags ab: «Die Nachfrage ist an hohen Sonntagen schon allein aufgrund der grösseren Besucherzahl höher als an einem gewöhnlichen Sonntag.»

Pro Sonntag wurden in der kurzen Zeit, in der die Hostien bereits angeboten wurden, eine bis drei Zöliakie-Hostien abgegeben. Damit diese nicht mit herkömmlichen Hostien in Berührung kommen, werden sie in einem separaten Kelch aufbewahrt.

«Die Betroffenen schätzen dieses Angebot sehr», sagt Anita Panzer. Bislang werde die Zöliakie-Hostie im Pastoralraum Region Aarau aber nur in der Pfarrei Buchs-Rohr angeboten. «Die Pfarreien Aarau, Entfelden, Schöftland und Suhr würden die Hostien aber auf Anfrage besorgen und anbieten.»