Zofingen
Über 400 Tanzfreudige in Zofingen: Demonstration verlief friedlich

In Zofingen haben am Samstagabend über 400 Tanzfreudige für mehr kulturellen Freiraum demonstriert. Weil die Demo gleichzeitig mit dem SVP-Oktoberfest stattfand, drohte Zoff. Die Polizei stand deshalb mit rund 50 Polizisten im Einsatz.

Silvan Hartmann
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Tanzdemo in Zofingen verlief friedlich
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Auf dem Thutplatz in Zofingen begann die Demonstration mit Konzerten
Danach zogen die Demonstranten durch die Altstadt und machten die Bewohner mit lauter Musik auf ihren Wunsch aufmerksam
Die Kantonspolizei verhielt sich im Hintergrund und sorgte dafür, dass die Demo nicht ausser Kontrolle geriet
Im Festzelt des Oktoberfests der SVP herrschte ausgelassene Stimmung Auch Luzi Stamm und Ueli Giezendanner feierten unter anderem mit

Tanzdemo in Zofingen verlief friedlich

Silvan Hartmann

Sie feierten, sie tranken Alkohol und sie tanzten: Über 400 Tanzwütige demonstrierten am Samstagabend in Zofingen für mehr kulturellen Freiraum. Hierfür wurde sogar ein Protestsong geschrieben, in dem es heisst:

«Wär Schnee nid gärn het, zieht nid id Bärge
Wär Sand nid mag ha, reist nid a Strand,
Wär kei Lärm vertreit, wohnt nid ir Altstadt,
Und wär öis nid loht lo fäschte, ghört verbannt»

Damit sprachen die Demonstrierenden die Zofinger Altstadt-Bewohner an, die sich über zu viel Lärm enervieren würden. Mehrere Altstadt-Anwohner sahen sich denn die Kundgebung auch aus der Distanz an: «So etwas kann doch nicht wahr sein. Diese Demonstranten lärmen mitten in der Nacht herum und da will einfach niemand einschreiten. Ich verstehe das nicht», sagte eine Anwohnerin, die Arme verschränkt mit Blick zu den feiernden jungen Demonstranten.

Tanz-Demo

Tanz-Demonstrationen für mehr kulturellen Freiraum liegen im Trend. Unter dem Motto «Tanz dich frei» waren in Bern im Juni 10'000 Teilnehmer an einer Kundgebung. Als Reaktion hat der Berner Gemeinderat ein «Konzept Nachtleben» vorgestellt. Auch in Aarau fand eine solche Tanz-Demo bereits statt. Tanz-Demos werden meist über soziale Netzwerke organisiert. Die Organisatoren bemühen sich in der Regel nicht um eine Genehmigung.

Es drohte Zoff

Die Kantonspolizei Aargau stand derweil mit einem grösseren Aufgebot vor Ort im Einsatz. Gegen 50 Polizisten sorgten für Recht und Ordnung. Im Vorfeld der Demonstration wurde heftig spekuliert, warum diese just am gleichen Abend wie das Oktoberfest der SVP, das auf dem Zofinger Kirchplatz ausgetragen wurde, stattfindet. «Das Datum wurde bewusst gewählt», vermutete Jürg Seiler, SVP-Grossratskandidat und OK-Präsident des Oktoberfests.

«Purer Zufall. Wir haben nicht gewusst, dass das Oktoberfest am gleichen Abend stattfindet», hiess es seitens der Demo-Veranstalter. Ohnehin bestehe die Tanzdemo aus verschiedenster Altersklassen und politischer Couleur, man wolle somit nicht etwa die SVP angreifen.

Die Polizei nahm den Anlass frühzeitig zur Kenntnis: «Aus Erfahrung wissen wir, dass solche Anlässe ein gewisses Potenzial für Ausschreitungen mit sich bringen. Wir erwarten aber einen ruhigen, gesitteten Anlass», sagte Polizei-Sprecher Bernhard Graser im Vorfeld. Die Polizei behielt Recht: Das Fest verlief ohne Zwischenfälle oder Ausschreitungen.

«Lasst sie doch feiern!»

Obwohl viele Altstadt-Bewohner die Demo nicht verstehen wollten, gab es auch tolerantere Altstädter. So schüttelte Dilli Schaub über das grosse Polizeiaufkommen den Kopf:

«Ich begreife nicht, warum man so Angst vor den Jungen hat. Sie sind doch unsere Zukunft. Ich wohne hier und der Lärm stört mich nicht, so lange alles friedlich über die Bühne geht und nichts beschädigt wird. Lasst sie doch einfach feiern!», sagte die ehemalige Zofinger Stadträtin und hebt den Zeigefinger: «Und das sage ich im Alter von 75 Jahren.»

Gegen 1 Uhr nachts löste sich die Demonstration allmählich auf.