Hunzenschwil
Turnschuhe für «Stella» - über 600 Personen nahmen Abschied von Simona F.

Statt einer Predigt las der Pfarrer Psalme vor. Beim Abschiedsgottesdienst der Evangelisch-methodistischen Kirche in Hunzenschwil nahmen rund 600 Personen Abschied von Simona F., die den Jungschi-Namen «Stella» trug.

Rosmarie Mehlin
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Blumen für Simona F.
6 Bilder
Simona F. war Leiterin in der Jungschar.
Die Angehörigen wünschten sich, dass möglichst viele in Sneakers erscheinen - Simona habe Turnschuhe geliebt.
Trauergottesdienst für Simona F. in Hunzenschwil
Die 3x3-Halle war bis auf den letzten Platz besetzt.

Blumen für Simona F.

André Albrecht

Ein Kranz farbenfroher Blumen leuchtete vor der 3×3-Halle in das Nass und Grau des gestrigen Nachmittags. «Begrenzt ist das Leben, unendlich die Erinnerung» stand auf der Seidenschlaufe. Ein Satz, der Trost spenden wollte in diesen Wochen, Tagen und Stunden, wo Verzweiflung allgegenwärtig ist in den Köpfen und Herzen unzähliger Menschen.

Weit über 600 junge und ältere Menschen, unter ihnen auch Regierungsrat Urs Hofmann und der Rupperswiler Gemeindeammann Ruedi Hediger, haben versucht, gemeinsam Halt zu finden am Abgrund des Unfassbaren, indem sie gemeinsam Abschied genommen haben von Simona F. Weisse Blumen schmückten die Halle und einen Nebenraum – Rosen, Ranunkeln, Tulpen, Schleierkraut. Weisse Kerzen flackerten und mittendrin leuchtete das Lächeln einer jungen Frau. Ihre Augen strahlen Zuversicht, Vertrauen, Lebensfreude aus.

Simona starb mit 21 Jahren. «Ihre Familie, Freunde, Angehörige der Familie Schauer, die Jungschärler, die Dorf- und kirchliche Gemeinschaft sassen und stehen hier mit Gefühlen von Ohnmacht, Wut, ja auch Hass», so Pfarrer Marc Nussbaumer.

Und er zitierte Psalm 62: «Doch bei Gott ist mein Heil, meine Ehre, der Fels meiner Stärke; meine Zuversicht ist auf Gott. Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsre Zuversicht.»

Als Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Gemeinde 3×3 hat er gemeinsam mit seinem Kollegen Thomas Matter den Abschiedsgottesdienst gestaltet. «Gott, der Haufe der Gewalttätigen steht mir nach meiner Seele, und haben dich nicht vor Augen. Du aber, HERR, Gott, bist barmherzig und gnädig, geduldig und von grosser Güte und Treue», heisst es in Psalm 86.

Viele der zahllosen jungen Besucherinnen und Besucher trugen Turnschuhe, weil, wie es in der Todesanzeige geheissen hatte, «Simona sie so mochte». Die Burschen mit Gel im Haar, die Mädchen mit getuschten Wimpern – junge Menschen, in deren versteinerten Gesichtern das blanke Nicht-verstehen-Können, Nicht-verstehen-Wollen geschrieben stand.

Viele Halbwüchsige trugen rote Sweatshirts mit den Schriftzügen «Jungschar Robi» und «soumässig wild». Simona war eine von ihnen gewesen, hatte bei ihnen «Stella» geheissen.

Als Pfarrer Matter, illustriert mit projizierten Fotos von Simona als Kind und als junge Frau, aus ihrem Leben berichtete, löste sich manche Versteinerung in einem Meer von Tränen auf.

Simona hat Musik geliebt, war kreativ und eine leidenschaftliche Tänzerin, Simona hatte unglaubliche Angst vor Mäusen und Schlangen, Simona hat für ihre Kollegen bei der Firma Mammut einmal einen regebogenfarbenen Kuchen gebacken. Sie war kooperativ, lebenshungrig, respekt- und verantwortungsvoll.

Im vergangenen Herbst hatten Simona und Dion sich verliebt. Am 21. Dezember wurde das junge Glück brutal zerstört. «Die Art und Weise, wie Carla, Davin, Dion und Simona uns verlassen, erbittert uns, doch Friede und Freundschaft werden nicht vor der Gewalt kapitulieren. Mitten in dieser schmerzvollen Zeit wird der Geist Gottes Kälte und Verbitterung aufbrechen. Er wird uns heilen von den Erschütterungen, die über uns hereingebrochen sind», so Pfarrer Nussbaumer.

Ein Pianist, ein Bassist und ein Schlagzeuger sowie zwei wunderbar einfühlsame Sängerinnen – alle Mitglieder der evangelisch-methodistischen Kirchgemeinde – haben die Bibelworte ergreifend und zugleich tröstend musikalisch untermalt. Unter anderem mit einem «Fight Song», mit dem fröhlichen «Sonnenmädchen», in dem es heisst «...wenn du lachst, lacht die Welt, lacht für mich das Leben ...» und mit «... So wie du warst, bleibst du hier; so wie du warst, erzählt die Zeit; so wie du warst, bleibt so viel von dir hier.»

Manuela Seiler, eine der Sängerinnen, hatte für ihre Freundin eigens ein Lied mit den Worten «Gott schick dir en Ängel, wo di omarmt ... Im Arm vom sim Ängel isch dis Dehei» geschrieben.

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