Lenzburg/Oberentfelden
Tüfteln bis die Kugel rollt

Wieder mehr Kinder sollen Gefallen an technischen Berufen finden. In Lenzburg und Oberentfeldn finden diese Woche deshalb Workshops zum Tüfteln statt. Gebaut werden ausgefeilte elektrische Kugelbahnen.

Marina Bertoldi und Jenny Aregger
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Der Grundmechanismus der Kugelbahn ist fix, der Ausstattung keine Grenzen gesetzt – ein Tüftler in Oberentfelden.

Der Grundmechanismus der Kugelbahn ist fix, der Ausstattung keine Grenzen gesetzt – ein Tüftler in Oberentfelden.

Marina Bertoldi

Es ist laut. Alle sind am Schrauben, Löten, Bohren und Leimen. Bereits zum zweiten Mal haben Kinder zwischen zehn und dreizehn Jahren die Möglichkeit, an einem der Tüftelworkshops der Koordinationsplattform tüfteln.ch einen praktischen Einblick in die technischen Berufe zu bekommen. In der ganzen Deutschschweiz finden zurzeit Kurse statt.

Einer davon in der Alstom Grid AG in Oberentfelden, zwei weitere in Lenzburg im Ausbildungszentrum Swissmechanic. Die Räumlichkeiten, die normalerweise von Lehrlingen und Mitarbeitern genutzt werden, gehören nun drei Tage lang technikbegeisterten Kindern. Versunken in die Arbeit basteln die Tüftler ihre individuelle elektrische Murmelbahn.

«Wetten, ich schaffe es, einen Looping miteinzubauen!», sagt ein Junge keck. «Wenn es mir gelingt, bekomme ich ein Schoggigipfeli. Ansonsten muss ich zwei Mal um das Gebäude rennen.» Ob man hier eine Spirale einbauen könne, fragt einer. Dem Erfindergeist sind keine Grenzen gesetzt. Da geht sogar ab und an die Pause vergessen.

Sehr viele Anmeldungen

Die Kugelbahn ist eine knifflige Arbeit. Um die Bahn zum Laufen zu bringen, muss exakt gearbeitet werden. «Für mich ist das genaue Abmessen am schwersten», sagt die zehnjährige Ursina. Sie bastle zu Hause viel und habe sich sofort für das Projekt interessiert.

Dabei ist sie bei weitem nicht die Einzige. Die Ausbildungsbetriebe wurden mit Anmeldungen überhäuft. «Von 180 Bewerbern konnten wir nur 32 annehmen», so Florian Abt, Leiter des Tüftelworkshops in Lenzburg. Auch in Oberentfelden gab es zu wenige Plätze.

Kinder haben zu wenig Kontakt mit Technik

In der Realität sieht es aber anders aus. Die sogenannten MINT-Berufe, welche sich mit Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik beschäftigen, leiden an Fachkräftemangel. Laut Erich Reimann, Leiter der Tüftelwerkstatt in Oberentfelden, liege das hauptsächlich daran, dass die Schüler zu wenig mit Technik in Kontakt kommen. Fächer wie Werken hätten immer weniger Platz im Stundenplan. Die Kinder bestätigen das. «Ich wünsche mir häufiger Projekte wie diese Kugelbahn», sagt ein Tüftler. Auch Roger Steinacher, Polymechaniker Lehrling der Swissmechanic, hat sich in der Schule nur sporadisch mit Technik beschäftigt. Zu seinem Beruf fand er durch seinen Firmgötti.

Genau aus diesem Grund wurden die Tüftelworkshops ins Leben gerufen. Durch die Werkstätte sollen Kindern die technischen Berufe nahegelegt werden.

Bei den meisten Tüftlerinnen und Tüftlern ist die Berufswahl noch offen. Eine Ausnahme ist der zwölfjährige Elias. Auf die Frage, was er einmal werden möchte, antwortet er prompt: «Schreiner!». Zwar kann noch keine Prognose gestellt werden, doch die Leiter des Projekts hoffen, dass sich in Zukunft wieder mehr Jugendliche dazu entschliessen werden, einen MINT-Beruf zu erlernen. Obwohl sie ziemlich gross sind, trägt jeder Tüftler seine Kugelbahn am Ende stolz nach Hause.

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