In der Stube im Lienhard-Rüsch-Haus schaut es aus, als wäre die Näherin mitten in der Arbeit rasch aus dem Zimmer gelaufen: Auf dem Tisch liegen die Teile eines Schnittmusters, mit Nadeln auf ein Stück Stoff gezwickt, Schablonen für Wäschestickereien, Gufenkissen und ein Massbüchlein, alles wild durcheinander. Doch der Schein trügt, die Näherin kommt nicht mehr.

Das Papier der Schablonen ist vergilbt, das Massbüchlein auch, selbst die blaue Farbe des Stoffs ist verbleicht. Es ist eine Nähstube, hergerichtet wie vor Jahrzehnten. Eine Stube, die an die Grossmutter erinnert.

Kein Hantieren mit Kohle

Besonders ein Ding lässt die Erinnerungen aufsteigen, ein Stück, das neben dem massiven Bauernschrank fast verschwindet. Dabei ist es eines der wichtigsten Ausstellungsstücke im Dorfmuseum Buchs: der kleine Ofen mit sechs Glätteisen. Ein schweres, gusseisernes Stück auf drei Beinen, jedes verziert mit einer gehörnten Fratze mit Löwenpfote, darüber, rund um den Heizkörper angeordnet, die sechs mit Schweizerkreuzen verzierten Glätteisen. «Und obendrauf konnte man sich gleich noch Kaffee kochen oder die Kanne warmstellen», sagt Josef Albisser, ehemaliger Präsident der Museumskommission.

Das Öfeli ist alt. Und eines der wenigen Stücke, die mit Sicherheit original aus dem Haus stammen. «In diesem Zimmer war einst ein Spezereiladen mit Glätterei eingerichtet», sagt Albisser. Die Wäsche wurde in der Wachküche im nebenanliegenden Ökonomiegebäude gewaschen und für wenig Geld gebügelt, währenddessen nebenan Öl, Kaffee, Seife, Salz, Tabak, Zigarren oder Teigwaren über die Theke wanderten. «Im damals mausarmen Bauerndorf konnte sich wohl kaum jemand ein eigenes Glätteisen leisten», vermutet Albisser.

Von wann bis wann die Familie Lienhard die Spezereiwarenhandlung und die Glätterei betrieben hat, weiss Albisser nicht. Bekannt ist nur, dass die um 1700 als Untervogtshaus gebaute Liegenschaft ab 1899 der Familie Lienhard gehörte. Demnach ungewiss ist auch, aus welchem Jahr der Glätteisen-Ofen stammt.

Diese undatierte Aufnahme zeigt den Spezereiladen Lienhard (heute Dorfmuseum).

Diese undatierte Aufnahme zeigt den Spezereiladen Lienhard (heute Dorfmuseum).

«Aber eine schlaue Erfindung war es auf jeden Fall», sagt Albisser. Denn anders als bei den herkömmlichen Glätteisen, in die man mit einer kleinen Schaufel glühende Kohle schütten musste und die dann so heiss wurden, dass sie schnell mal die Wäsche versengten, bestand diese Gefahr bei den Eisen vom Öfeli nicht. Auch verlor die Glätterin mit dem rasch auskühlenden Eisen keine Zeit, sondern konnte sich einfach das nächste nehmen.

Dass das Öfeli immer hier, an der Tür zur dahinterliegenden Schlafkammer gestanden hat, bezeugt der Anschluss in den Kamin, der bis zur Sanierung des Hauses um 1990 bestand. «Das macht es für uns so wertvoll», sagt Albisser. «Dieses Öfeli ist seit mindestens 200 Jahren fester Bestandteil dieses Hauses. Es gehört zum Haus und zu seiner Geschichte wie kein zweites Stück.» Und auf den Museumsführungen sei das Öfeli eines der Highlights: «Die Besucher haben so etwas noch nie gesehen. Und dann erinnern sie sich daran, wie die eigene Grossmutter jeweils mit den glühenden Kohlen hantierte, um die Wäsche zu glätten. Wunderschöne Geschichten kommen da hoch.» Und genau deshalb sei dieses Öfeli unbezahlbar. Ein Schatz eben.

Öffnungszeiten Dorfmuseum Buchs: jeden ersten und letzten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr.