Aarau

Tüftler designen Produkte für die Zeit nach dem Erdöl

Drei der postfossilen Designer in ihrem «Labor» im Forum Schlossplatz.

Drei der postfossilen Designer in ihrem «Labor» im Forum Schlossplatz.

Seit zwei Wochen sind die Designer für eine neues Zeitalter im Forum Schlossplatz am Tüfteln. Ein Blick über ihre Schultern. Das grosse Ziel: Die Produkte sollen eine Botschaft vermitteln.

Eigentlich ist es eine Rückkehr: Die drei Designerinnen und zwei Designer, welche momentan im Forum Schlossplatz in einer Art Forschungslabor arbeiten, haben bis 2006 zusammen in Aarau Industrial Design studiert.

Nur einer von ihnen – Thomas Walde – arbeitet noch heute in Aarau, die anderen sind inzwischen in Zürich oder Bern zu Hause. Aus den Augen verloren haben sie sich nie: Seit einer Messe in Mailand 2007 treten sie zusammen als Designerkollektiv «Postfossil» auf, und seither beschäftigen sie sich mit der Frage: Was passiert mit dem Design, wenn der Erdölpreis steigt?

Ein grosser Anteil aller Produkte sind heute aus Plastik oder enthalten andere Erdöl-Komponenten. «Postfossil» will ohne auskommen – und die fünf wollen noch mehr: Ihre Produkte sollen eine Botschaft vermitteln. Ein Kleiderständer dient dem Kleiderauslüften (Stichwort «Energie und Wasser sparen»). Auf Schneidebrettchen sind auch gleich die Früchte und Gemüse der Saison eingraviert (Stichwort «Transportwege»), ein Gabel-Set hat abgerundete Zinken, weil man sie weniger braucht, wenn man weniger Fleisch isst (Stichwort «Welternährung»), und ein paar Tropfen Erdöl werden in einem mundgeblasenen Anhänger weisen auf den kostbaren Wert des Rohstoffs hin.

Kompostierbares Besteck

Nun brüten sie zum ersten Mal über einem gemeinsamen Produkt. Ob es bis zum Ende der Ausstellung am 23. September spruchreif ist, ist unsicher. Aber das Kollektiv wird auch danach weiter tüfteln. An der Wand hängen erste Skizzen von Sonnenbrillen, Giesskannenaufsätzen, einem Gesellschaftsspiel.

Sie arbeiten mit Kunststoffexperten, Dozenten für Nachhaltigkeit, Technikern und anderen Fachleuten zusammen. Ausserdem finden verschiedene Veranstaltungen, Diskussionen und Führungen statt.

In ihrem Atelier – einem von vier Räumen – ist kompostierbares Besteck ausgebreitet, «Kunststoff»-Proben aus reinem Sägemehl und viel natürlichem Holzleim oder Mischungen mit Holz und Polypropylen. Im letzten der Räume, dem «Nachdenkraum», hängt ein Zettel: «Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, müssen wir alles ändern.»

Podiumsgespräch am Do, 13. September, 19 Uhr: «wünschbar, denkbar machbar – nachhaltige Produktion in der Praxis.» Forum Schlossplatz, mit einem Dozenten für Nachhaltigkeit, einem Designer und einem Vertreter der Migros.

Atelierbetrieb Do bis Sa, 12 bis 17 Uhr.

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