Um 20:27 Uhr fällt der erste Entscheid – überraschend früh und überraschend deutlich: Unterentfelden gibt grünes Licht für den Zukunftsraum Aarau. Den Kredit über 153 500 Franken für die Ausarbeitungsphase der Fusionsprojekte heissen die 164 Anwesenden (von total 2517 Stimmberechtigten) mit 113 zu 44 Stimmen gut.

Ausgerechnet Unterentfelden. Die erste Gemeinde, in der sich offiziell Widerstand geregt hatte: Die SVP-Ortspartei hatte sich letzte Woche gegen den «Zukunftsraum» ausgesprochen und den Stimmbürgern ein Nein empfohlen. An der Gmeind zeigte sich nun: Die Meinungen waren längst gemacht, es gab nur zwei Wortmeldungen. Eine Dame wollte wissen, ob der Ausstieg Suhrs die Projektkosten für die verbleibenden Gemeinden erhöhe. Das sei nicht der Fall, beteuerte Ammann Heinz Lüscher. Ein weiterer Votant fragte: «Wenn wir jetzt ablehnen, wäre das der definitive Ausstieg?» –«Ja, dann ist der Zukunftsraum vom Tisch», so Lüscher.

Er habe mit viel mehr und vor allem kritischeren Fragen gerechnet, sagte ein sichtlich erfreuter Gemeindeammann direkt nach der Versammlung. «Wir hätten noch einige Antworten parat gehabt.» Grundsätzlich habe er aber eine positive Stimmung in der Gemeinde verspürt. «Heute Abend hat Unterentfelden einen wichtigen Entscheid gefällt. Und für die Weiterarbeit in unserem Projektabschnitt ist es gut, dass Oberentfelden auch dabei bleibt.»

«Können gar nicht Nein sagen»

Dort, in der Nachbargemeinde, hatte man zwar auch Ja gesagt, allerdings gab das Traktandum etwas mehr zu reden. Gemeindeammann Markus Werder schien das Suhrer Nein vom Vorabend in die Knochen gefahren zu sein: «Wir diskutieren und bestimmen jetzt keinesfalls über eine Fusion, sondern nur über einen Projektkredit», schärfte er seinen Stimmbürgern ein (von 4590 Stimmberechtigten waren nur gerade 109 erschienen).

Der Gemeinderat finde es richtig, so Werder weiter, dass sowohl die Fusion als auch die erweiterte Zusammenarbeit parallel zueinander geprüft werden. «Das Projekt ist so wichtig, dass Grundlagen geschaffen werden müssen, damit man fundiert über die Frage entscheiden kann: Wollen wir eine Fusion – oder eben nicht?» Ohne Abklärungen sei nur ein Bauchentscheid möglich, und einen solchen wolle man nicht, sagte Werder.

In der anschliessenden Diskussion gaben sich die Oberentfelder eher zurückhaltend. «Wir können gar nicht Nein sagen», meinte ein Votant, man müsse doch erst die Fakten kennen. «Wir gehen kein Risiko ein. Wir können unterwegs immer noch aussteigen oder am Schluss Nein sagen.»

Kritisch äusserte sich eine Votantin zur Bekanntgabe der zwischenzeitlich gefällten Entscheide aus Unterentfelden und Densbüren. Das sei eine Beeinflussung der Gmeind, sagte sie. Gemeindeammann Werder hielt dagegen, es sei keine Beeinflussung. «Es geht nur darum, dass es keinen Sinn macht, dass Oberentfelden Ja sagt, wenn Unterentfelden Nein sagt.» Bei der anschliessenden Abstimmung wurde die Haltung der Oberentfelder deutlich: Die Gmeind nahm den Projektkredit von 238 000 Franken mit 67 zu 31 Stimmen an.

«Und was ist mit Frick?»

Ohne ein einziges negatives Votum ging das Traktandum in Densbüren über die Bühne, obwohl der Aufmarsch mit 84 von 543 Stimmberechtigten beachtlich war. Auf die Frage, wie es bezüglich einer Fusion mit Frick ausschaue, erklärte Gemeindeammann Roger Meyer: «Frick hat kein Interesse an uns.» In Frick trete er als Bittsteller auf – «In Aarau begegnet man uns auf Augenhöhe.»

Und auf die Frage, was das Ja für den Schulstandort bedeuten könnte, sagte Meyer, die Erhaltung sei das oberste Ziel. «Wir erhoffen uns durch den Zukunftsraum sogar noch grössere Chancen, den Standort zu halten, weil wir die Anzahl externer Schüler so vergrössern könnten.» Der Entscheid zugunsten des Zukunftsraums fiel mit 55 zu 28 Stimmen deutlich aus.

Nach dem gestrigen Abend ist das Projekt «Zukunftsraum Aarau» einen ersten Schritt weiter. In allen Gemeinden unterliegt der «Zukunftsraum»-Entscheid dem fakultativen Referendum.