Sieben Mal soll der arbeitslose Peter (Name geändert) in den Bezirken Aarau, Lenzburg und Brugg 2014 eingebrochen sein. Meistens in Firmengebäude, wo der 54-Jährige Getränke- und Snackautomaten knackte, um das Münz daraus zu klauen. Einen Betrieb traf es gar drei Mal innerhalb von drei Wochen.

Als sich Peter am Opferstock der katholischen Kirche in Aarau zu schaffen machte, wurde er in flagranti ertappt und machte sich ohne Beute aus dem Staub.

Im Oktober 2014 versuchte er es im Abholmarkt LeShop in Staufen. Das wurde ihm zum Verhängnis: Eine Überwachungskamera hielt fest, wie er ein Fenster einschlug, so den Alarm auslöste und daraufhin floh. Einen Tag später schnappte ihn die Polizei.

Diese Woche musste sich Peter vor dem Bezirksgericht in Aarau verantworten. 12 Monate Knast verlangte der Staatsanwalt: Mehrfacher, teilweise versuchter Diebstahles, mehrfache Sachbeschädigung und mehrfacher Hausfriedensbruch wurden Peter vorgeworfen.

Peter – schwarze Jacke, schwarze Jeans, Halbglatze und Dreitagebart – sass mit gefalteten Händen ruhig auf seinem Stuhl im Gerichtssaal. Peter stritt vor Gericht fast alle Delikte ab.

«Ich sagte dies schon der Polizei. Ich war es nicht», lautete seine Standardantwort. «Unmöglich.» Auch wenn die Polizei an einigen Tatorten Peters DNA fand – beispielsweise am Schraubenzieher und der Metallstange, mit deren Hilfe er eingebrochen war und die er liegengelassen hatte.

«Haben Sie denn einen Zwillingsbruder?», fragte Gerichtspräsident Reto Leiser. «Nicht, dass ich wüsste», antwortete Peter.

Blut am Opferstock

Am Opferstock in der Kirche fand die Polizei Peters Blut. Als er die Blechtüre aufbrechen wollte, verletzte er sich an seiner Hand. «Ich wollte nur wissen, was hinter dem Blech war», versuchte Peter, sich vor dem Gericht zu erklären.

Und wie er die Schuhabdrücke an einem anderen Tatort erklären könne, die zu seinen Schuhen passen würden? «Solche Schuhe werden hundert Mal gekauft», meinte Peter und zeigte auf seine kaki-farbenen Schuhe der Marke Cube. «Das sind Billigschuhe», sagte er. «Wenn ich beim ‹Vögele› ein Paar finde, kauf’ ich gleich zwei oder drei davon.»

Nur den Einbruch im «LeShop» gab Peter zu. Leugnen wäre zwecklos gewesen, hatte doch die Überwachungskamera alles festgehalten. Damals sei es ihm schlecht gegangen und er habe Alkohol getrunken, sagte Peter vor Gericht.

Auch dass er bereits für ähnliche Delikte verurteilt wurde, gab er zu. «Haben Sie denn daraus nichts gelernt?», fragte Richter Leiser. Peter blickte zur Seite, lachte verlegen. «Nein, wohl nicht.»

Im Zweifel für den Angeklagten

Für das Gericht war klar: Peter ist in fast allen Fällen schuldig. In einigen Punkten sprach ihn der Richter frei. So von einem der drei Einbrüche in die Werkhalle eines Heizungsherstellers – und dem damit verbundenen Hausfriedensbruch und der Sachbeschädigung.

Zwar würden das Vorgehen und die benutzten Werkzeuge auf Peter als Täter hindeuten, sagte Richter Leiser. «Am Tatort fand die Polizei aber keine DNA.» Somit könne nicht nachgewiesen werden, ob wirklich Peter der Täter war.

Auch vom Hausfriedensbruch in der Kirche sprach ihn der Richter frei. «Die Kirche ist öffentlich», lautete die Begründung.

Dennoch: Peter muss für elf Monate ins Gefängnis – unbedingt, da er schon vorbestraft ist. Peter zeigte bei der Urteilsverkündung keine Reaktion, verabschiedete sich danach höflich, verliess den Saal und zündete sich draussen eine Zigarette an.