Passiert ist es diesen Sommer im Planschbecken des Terrassenbads in Baden: Der Kopf eines Babys lag unter Wasser. Die Mutter merkte nichts davon – obwohl das Kind gleich neben ihren Beinen lag.

«Sie schaute aufs Smartphone und diskutierte mit einer anderen Frau», erzählt Betriebsleiter René Saurenmann. «Das Baby blieb unter Wasser. Denn die Badewindel gab mehr Auftrieb als die falsch montierte Schwimmhilfe.»

Saurenmann nahm das Kind aus dem Wasser. Zuerst stiess er auf Unverständnis, weil er das Kind anfasste. «Dann begriff die Frau, um was es ging, und bedankte sich», sagt Saurenmann.

Das omnipräsente Smartphone sei eine Unsitte, der die Badmeister je länger, je mehr Rechnung tragen müssen, so Saurenmann. «Die Eltern haben keine Zeit mehr, um auf ihre Kinder zu schauen.»

Sind die Smartphones schuld?

Anders sieht das Christof Hübscher, Badmeister im Walkematt-Schwimmbad in Lenzburg. Er glaubt nicht, dass es mehr unbeaufsichtigte Kinder gibt als früher oder dass Smartphones das Problem verschärfen. Vielmehr glaubt er an eine Verschiebung der Wahrnehmung.

«Schon früher schaute die eine Hälfte der Eltern nicht auf ihre Kinder und sass zum Beispiel den ganzen Tag in der Beiz.» Wachsame Badmeister waren also schon früher nötig, um Leben zu retten.

So hatte diesen Sommer ein älterer Herr in der Wohler Badi einen Herzinfarkt. «Das hätte überall passieren können. Aber dank sofortiger Hilfe von Badigästen und den Badmeistern überlebte der Herr», erzählt Badmeister Martin Meier. Zum Einsatz kam auch ein Defibrillator. In anderen angefragten Badis im Kanton musste man bisher nur Schürfungen, Hitzeschläge und Bienenstiche verarzten.

Dass manche Eltern ihrer Aufsichtspflicht nicht mehr nachkommen und die Badis als Kinderhort missbrauchen, bestätigen zwar nicht alle Badmeister. So sagt René Hächler, Badmeister im Aarauer Freibad Schachen: «Bei uns ist es nicht drastisch, die Kinder sind mehrheitlich betreut. Allerdings denken einzelne Erwachsene, dass ihre Arbeit erledigt ist, wenn sie dem Kind die Schwimmflügeli angezogen haben.» Zurechtweisen müsse er Eltern und Kinder vor allem dann, wenn Kinder ins Schwimmerbecken gehen würden, die nicht schwimmen können.

Dem pflichtet auch der Brugger Badmeister Pius Huber zu. «Tendenziell wird die Badi manchmal als Kinderhort angesehen und die Aufsichtspflicht wird des Öfteren vergessen. Huber sagt: «Auch Kleinkinder mit Schwimmflügeli im Nichtschwimmerbecken muss man beaufsichtigen, schliesslich ist auch dieses Becken stellenweise über einen Meter tief», so Huber.

Alterslimiten von 0 bis 12 Jahren

Um das Problem der mangelnden Aufsicht besser in den Griff zu kriegen, schreiben einige Badis vor, ab welchem Alter die Kinder alleine in die Badi dürfen. In Brugg liegt diese Grenze bei sechs Jahren, in Lenzburg und Aarau sind es sieben Jahre und in Villmergen zehn Jahre. Sogar zwölf Jahre sind es in Oberentfelden.

Jüngere dürfen dort nur alleine in die Badi, wenn sie sich mit dem Wasser-Sicherheits-Check ausweisen können. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) empfiehlt den Schulen, den entsprechenden Kurs im Schwimmunterricht einzubauen.

Das Strandbad Tennwil, das Terrassenbad in Baden und die Badis in Wohlen und Muri kennen gar keine Alterslimite. In Baden überlegt man sich nun, eine Alterslimite einzuführen. «Wir müssen jetzt etwas tun», sagt Badmeister René Saurenmann. «Denn ausserhalb der Ferienzeit wird die Badi schon als Kinderhort benutzt. Vor allem am Abend hat es viel mehr Jugendliche und Kinder als Erwachsene.»

Auch wenn die elterliche Aufsichtspflicht nicht überall wahrgenommen wird, dürfe aber eines nicht vergessen gehen: «Immer mehr Kinder können schon in jungen Jahren sehr gut schwimmen», meint Saurenmann.