Vom 1. April bis zum 31. Juli müssen Hundehalter auch im Wald oder auf Waldwegen ihre Tiere an der Leine führen. Das ist wichtig, weil wegen der Brut- und Setzzeit besonders viele verletzliche Wildtiere anzutreffen sind. Was passiert, wenn sich Hundehalter nicht daran halten, zeigte sich am letzten Freitag im Suhret-Wald: Dort wurde ein Reh brutal von einem Hund angefallen und getötet.

Laut Peter Müller, Jagdaufseher im Revier Buchs-Suhret, ist es wahrscheinlich am frühen Morgen passiert. Jogger fanden den Kadaver ein paar hundert Meter waldeinwärts ab dem Forstwerkhof. «Es handelt sich um einen Jährlingsbock», sagt Müller. Also um ein männliches Jungtier des vergangenen Jahres. Dieses wurde wohl kürzlich, wie bei Rehen üblich, von der Mutter verstossen, weil sie das nächste Jungtier aufziehen muss. Solche Jährlinge sind für Fressfeinde oft einfach zu reissen, weil sie unerfahren sind. Kommt hinzu, dass sie wegen des fehlenden Laubs im Moment kaum Tarnung haben.

Er hat sogar schon gefressen

Dass es sich beim «Täter» im Suhret-Wald um einen Hund gehandelt hat und nicht etwa um einen Luchs, erkenne man am Verletzungsmuster. «Ein Luchs hechtet das Reh an und tötet es mit einem Würgebiss. Ausserdem hinterlässt er manchmal Krallenspuren.» Hunde hingegen beissen ihrem Opfer zuerst in die Hinterläufe. Im vorliegenden Fall hätte der Hund – es muss ein grösseres Tier gewesen sein – sogar damit begonnen, Fleisch von seinem Opfer zu fressen: «Hinten am Schenkel fanden wir tiefe Risse von Fangzähnen, die nach dem Tod des Rehs entstanden sind.»

Wie viele Tiere im Forstrevier Buchs-Suhret von Hunden gerissen werden, lasse sich nicht genau sagen, weil man nicht alle Kadaver finde, so Peter Müller. Etwa alle drei bis vier Jahre werde ein Fall gemeldet, «relativ selten in Anbetracht der Menge an Hündelern, die hier unterwegs sind». Für den Hundehalter könnte der Reh-Riss teuer werden – weil er sein Tier nicht an der Leine hatte, weil er den Vorfall nicht meldete und weil das Reh deshalb möglicherweise unnötig litt (Tierquälerei). Jagdaufseher wie Peter Müller versuchen deshalb, fehlbare Hundehalter im Wald anzusprechen und aufzuklären: «Meistens weise ich sie freundlich darauf hin, welche Konsequenzen es für die Waldtiere haben kann, wenn ihr Hund nicht an der Leine ist.» Bei manchen ist Einsicht vorhanden – bei einigen aber auch nicht.