Der Sommer 2015 war der zweitheisseste seit Messbeginn 1864 und einer der trockensten der vergangenen 30 Jahre. Gute Zeiten für Badefans und Grillmeister, schlechte Zeiten für die Brunnenmeister. Die fürchteten zeitweise einen Trinkwasserengpass, denn: Mehrere Quellen versiegten und die Pegel des Grundwassers, aus dem gut 60 Prozent des Trinkwassers gewonnen wird, sanken.

Grundwasserkarte

Grundwasserkarte


Neue Auswertungen der letztjährigen Messwerte zeigen jetzt: Die Grundwasserspiegel haben sich vom Rekordsommer 2015 gut erholt. «Das Trinkwasser wird uns dieses Jahr nicht ausgehen. Die Versorgung ist auch in der jetzt beginnenden heissen Jahreszeit absolut gesichert», betont Ronni Hilfiker, Fachspezialist Grundwasser bei der Abteilung Umwelt des Departements für Bau, Verkehr und Umwelt, welches die Auswertungen durchführte. 27 der 104 Grundwasserpumpwerke, bei denen Hilfiker und sein Team Daten erhoben hatten, liegen in unserer Region. «Die Pegel lagen hier Ende 2015 zwar auf eher tiefem Niveau, sind aber nirgendwo wirklich zusammengefallen und liegen in etwa im Schnitt der vergangenen 40 Jahre», so Hilfiker.


Sorgenkind Niederlenz?


Das Grundwasser habe den Hitzesommer 2015 vor allem auch deshalb gut überstanden, weil die Trockenperiode erst in der zweiten Sommerhälfte einsetzte. «Die meisten Pools waren dann schon gefüllt und die Autos gewaschen. Das Grundwasser wurde während der trockenen Wochen entsprechend weniger belastet», erklärt Hilfiker. Zudem hatte man Lehren aus dem Hitzesommer 2003 gezogen und seither vielerorts neue Verbundsleitungen verlegt, dank denen der regionale Wasseraustausch verbessert werden konnte.


Genau ein solches Verbundsleitungsprojekt könnte durch den Hitzesommer 2015 jetzt aber gefährdet werden. Denn: Die Auswertung der Daten vom Grundwasserpumpwerk Hard II bei Niederlenz, das künftig auch Wasser an ein geplantes Verbundsnetz für 20 Gemeinden im Bünz- und Reusstal liefern soll, sind auffällig tief. Hier lag der Grundwasserstand Anfang Jahr deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. «Wenn die Messwerte stimmen, ist das tatsächlich beunruhigend. Es ist aber gut möglich, dass in Niederlenz ein Messfehler passierte. Entsprechende Abklärungen laufen», sagt Ronni Hilfiker.

«Es gibt kein Notfallszenario»

Trotz des Falls Niederlenz: Es steht derzeit gut ums Grundwasser in der Region, auch dank dem eher trockenen Start ins Jahr 2016. Die Frage stellt sich dennoch: Wie könnte ein Trinkwasserengpass in der Region behoben werden, wenn die Grundwasserpegel plötzlich dramatisch sinken würden? «Ein solches Notfallszenario gibt es nicht», sagt Ronni Hilfiker. «Dieser Fall ist extrem unwahrscheinlich. Die Natur müsste uns einen sehr bösen Streich spielen, dass es so weit käme.» Und wenn doch, dann könnte man etwa auf Wasser aus dem Hallwilersee oder der Aare ausweichen. Zudem gebe es auch heute schon einen interkantonalen Trinkwasseraustausch, den man intensivieren könnte.

Eine potenzielle Gefahr für das Grundwasser stellen aber nicht nur Hitzesommer und Trockenperioden dar, sondern auch Gülle, Pflanzenschutzmittel, Metallrückstände aus ehemaligen Deponien oder Treibstoffbestandteile. Sie gelangen bei starken Niederschlägen zusammen mit dem Regenwasser ins Grundwasser. Dessen Qualität sei im Aargau allerdings hervorragend, beruhigt Irina Nüesch, Leiterin der Sektion Trink- und Badewasser beim kantonalen Amt für Verbraucherschutz. «60 Prozent der Grundwasserfassungen haben so reines Wasser, dass man es direkt trinken kann. Bei den übrigen 40 Prozent wird das Wasser mit UV-Geräten desinfiziert.» Zudem seien in vielen Haushaltungen zusätzliche Reinigungsinstallationen wie etwa Enthärtungsanlagen installiert. «Notwendig sind die aus lebensmittelhygienischer Sicht jedoch nicht», betont Nüesch.