Neu bauen oder doch die bestehenden Gebäude umbauen? Die Verantwortlichen des Kantonsspitals Aarau (KSA) haben lange überlegt und gerechnet. Eine Machbarkeitsstudie kommt zum Schluss, dass die Kosten für einen Neubau zwar etwas höher scheinen, ein Neubau aber viele Vorteile bringt. «Neu zu bauen, ist ökonomisch sinnvoller als ewiges Umbauen», sagte Sergio Baumann, Leiter Betrieb und Mitglied der Geschäftsleitung, gestern vor den Medien. Ein neues Spital zu bauen, dauere halb so lange wie ein Umbau. Ausserdem könnten neuste Technologien integriert werden.

Nach längerem Hin und Her soll es also einen Neubau geben. Darin werden alle klinischen Bereiche, die heute über das Spitalareal verteilt sind, zusammengeführt. «So werden die Wege für Personal und Patienten kürzer», sagt Baumann. Das wirke sich positiv auf die Betriebskosten aus. Baumann geht davon aus, dass diese sinken werden.

Damit der Spitalneubau auf dem Areal überhaupt Platz hat, muss eine ganze Reihe bisheriger Gebäude weichen. Für einige liegt das Abrissgesuch bereits auf. Ein Bürogebäude wird abgebrochen und an einem anderen Standort wieder aufgebaut. Das Baufeld, das auf diese Weise entsteht, hat eine Fläche von rund 45 000 m2. Das ist etwa 5-mal das Brügglifeld. «Der Neubau soll Platz für maximal 500 Betten bieten und nicht mehr als 600 Millionen Franken kosten», sagt Verwaltungsratspräsident Konrad Widmer.

Finanzierung über Kapitalmarkt

Eine beachtliche Summe für ein Spital, das finanziell nicht gut dasteht. Das Geld für den Neubau könnte das KSA beim Kanton beantragen. Maximal 360 Millionen Franken würde dieser dem KSA leihen. An Kantonsgeldern ist das Spital aber nicht interessiert: «Der Kanton verlangt eine rechte Marge, und wir müssten das Geld innert zwölf Jahren zurückzahlen», sagt Verwaltungsratspräsident Widmer. Der Kapitalmarkt biete bessere Konditionen. Widmer geht davon aus, dass eine Finanzierung des Neubaus über den Kapitalmarkt «wahrscheinlich möglich ist».

vl. Konrad Widmer, VR Präsident, Robert Rhiner, CEO, und Sergio Baumann, Betriebsleiter, vor dem Gelände das neu überbaut werden soll, Aarau, 3. November 2017.

Gemeinsam den Neubau in Angriff nehmen

vl. Konrad Widmer, VR Präsident, Robert Rhiner, CEO, und Sergio Baumann, Betriebsleiter, vor dem Gelände das neu überbaut werden soll, Aarau, 3. November 2017.

Erste Sondierungsgespräche mit Finanzierungsinstituten hätten stattgefunden. «Sie haben gezeigt, dass ohne grundlegende Veränderung der Kapitalmarktsituation die Finanzierung zu den angestrebten Eckpunkten voraussichtlich umsetzbar ist.»

Die Finanzierung werde aber erst aufgegleist, wenn eine erste Bauplanung vollzogen sei. Dies ist nach der Wettbewerbsstufe 1 der Fall, die bis März 2018 dauert.

Erste Entwürfe entwickeln

In der Phase 1 des Wettbewerbs entwickeln sechs Totalunternehmer aus dem In- und Ausland erste Entwürfe für das neue Spital und veranschlagen einen groben Preis. Die sechs haben sich im öffentlich ausgeschriebenen Präqualifikationsverfahren für den Auftrag beworben und gegen fünf weitere Bewerber durchgesetzt. Von den sechs Bewerben kommen zwei bis maximal drei in die letzte Runde. Diese dürfen ein fix-fertiges Spital planen, aus dem die Jury dann das Siegerprojekt kürt, das realisiert wird.

Wer den Zuschlag bekommt, will das KSA im ersten Quartal 2019 entscheiden und dann das Baugesuch einreichen. Wenn alles nach Wunsch läuft, sollte der Neubau im Jahr 2023 fertig sein. «Wahrscheinlich wird es aber 2024», sagt Widmer.

Separater Neubau für Labor

Etwas früher sollen das neue Labor und die Pathologie eingeweiht werden. Diese Bereiche sind nicht Bestandteil des zentralen Neubaus. Das KSA plant schon lange einen separaten Neubau an der Buchserstrasse. Eine Integration ins neue Hauptgebäude wurde zwar in Betracht gezogen, aber wieder verworfen – erstens, weil diese Bereiche Geruchsemissionen verursachen und zweitens, weil das Labor verhältnismässig viele Zu- und Wegfahrten verursacht. Das KSA wird voraussichtlich im ersten Halbjahr 2019 ein Baugesuch für das Laborgebäude einreichen. Fertig werden soll es 2020. Die Kosten dürften im mittlerer zweistelliger Millionenhöhe liegen.

Auf Neubau folgt Rückbau

Weitere Kosten fallen an, wenn der Neubau steht und bezogen ist. Dann steht der Rückbau des jetzigen Hauptgebäudes an. Was das kosten wird, ist noch nicht klar. Aber das Haus ist mit Asbest verseucht: «Alleine für dessen Entfernung werden Kosten im zweistelligen Millionenbereich anfallen», sagt Sergio Baumann. Auf der freien Fläche soll ein Park entstehen. «Und Platz für den nächsten Erweiterungsbau», sagt Widmer. Diesen werden aber nicht mehr die heutigen Verantwortlichen realisieren.