Buchs

Trotz den Aussagen des Bundesrates: Militär zieht wertvolle Arbeitskraft ein

Die Schweiz erlebt momentan die grösste Mobilmachung seit dem Zweiten Weltkrieg.

Die Schweiz erlebt momentan die grösste Mobilmachung seit dem Zweiten Weltkrieg.

Ein junger Drogist aus Buchs bekam vom Militär das Aufgebot. Der zuständige HR-Verantwortliche der Apotheke zeigt sich darüber erstaunt, hatte der Bundesrat doch an seiner Medienkonferenz noch bekannt gegeben, kein medizinisches Fachpersonal einzuziehen.

Die Schweiz erlebt momentan die grösste Mobilmachung seit dem Zweiten Weltkrieg. Das Aufgebot kommt heutzutage per SMS. Am Montagabend wurden die Nachrichten verschickt, innerhalb einer Stunde hätten schon 80 Prozent geantwortet, sagte Thomas Süssli, Chef der Armee, in der Tagesschau vom Dienstagabend. Einer von ihnen ist ein junger Mann, der als Drogist in der Toppharm-Apotheke in Buchs arbeitet. Am Montagabend meldete er sich bei Jorge Exposito, dem HR-Verantwortlichen der Apotheke, um vom Aufgebot zu berichten. Exposito war, gelinde gesagt, erstaunt, als er vom Aufgebot seines Mitarbeiters erfuhr. «Der Bundesrat hat an seiner Medienkonferenz am Montag bekannt gegeben, dass medizinisches Fachpersonal nicht eingezogen werde», sagt er. «Wir brauchen momentan jede Person in der Apotheke.» Seit der Verbreitung des Corona-Virus in der Schweiz und den verschärften Massnahmen stürme die Kundschaft die Apotheke. «Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind unter grossem Druck.» Der Drogist sei zu 100 Prozent angestellt und habe hauptsächlich im Verkaufsbereich gearbeitet und Kunden bedient. Dort fehle er gewaltig.

Kommandant antwortet nicht auf Schreiben aus der Apotheke

Als Erstes hat Exposito versucht, den Kommandanten seines Mitarbeiters mit einem Schreiben darauf aufmerksam zu machen, dass sein Drogist gemäss Mitteilung des Bundesrates nicht ins Militär eingezogen werden dürfe und er nicht auf ihn verzichten könne. Er hätte auch mit dem Kantonsapotheker Kontakt gehabt, welcher seine Einschätzung teilte. Als Exposito vom Militär keine Antwort erhielt, wandte er sich ans Kreiskommando. Dort erfuhr er, dass Soldaten in der Regel für drei Tage eingezogen und dann wieder entlassen werden. «Für unseren Betrieb sind drei Tage schon sehr lang, wir sind in dieser schwierigen Zeit auf jeden einzelnen Mitarbeiter angewiesen», sagt der HR-Chef. Zudem verstehe er nicht, warum sein Mitarbeiter momentan unter vielen Soldaten weile und so einem Ansteckungsrisiko ausgesetzt werde, während in der Apotheke mit Schutzmasken gearbeitet werde.

Bis am Mittwoch hat Exposito vom Militär noch keine Antwort erhalten. Dafür hat sich der Drogist am Mittwochnachmittag gemeldet. Er rechne mittlerweile damit, dass er tatsächlich nach drei Tagen wieder entlassen werde. (jgl)

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