Oberentfelden
Trotz Busse wegen Kirchturmspitze: Gemeinde hält an Architekt fest

Die reformierte Kirchgemeinde will nicht auf ihren Architekten verzichten – trotz der Verurteilung wegen der abgebrochenen Kirchturmspitze. Die gute Nachricht: Die Spitze kehrt endlich ins Dorf zurück und kann saniert werden.

Katja Schlegel
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Mitte Juli wurde die Spitze abtransportiert, jetzt kommt sie zurück.edi

Mitte Juli wurde die Spitze abtransportiert, jetzt kommt sie zurück.edi

Elia Diehl

Seit acht Monaten ist der reformierte Kirchturm in Oberentfelden ohne Spitze. Seit dem Tag, als das rund 100 Kilogramm schwere Stück abbrach und im Kirchgarten aufschlug. Und genau so lange wartet die Kirchenpflege ungeduldig darauf, die Spitze zurückzubekommen. Noch am Tag des Absturzes wurde der verbeulte Aufsatz von der Staatsanwaltschaft sichergestellt.

Nachdem am Sonntag bekannt wurde, dass dem Architekten, der die Kirche 2001 saniert hatte, wegen Verstoss gegen das kantonale Baugesetz eine Busse von 1800 Franken aufgebrummt wurde, folgt nun die gute Nachricht für die Kirchenpflege: «Die Spitze wird in den nächsten Tagen freigegeben», so Elisabeth Strebel, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft gegenüber der az.

Kirchenpflege wusste nichts von Strafbefehl

«Endlich», sagt Kirchenpflegepräsident Amos Martin, «wir freuen uns, dass wir unsere Spitze wieder zurück bekommen.» Hinter Martin liegen aufregende Tage, wurde er doch vom Strafbefehl gegen den Architekten und dem folgenden Medienanfragen völlig überrascht. «Ich wusste zwar, dass Ermittlungen laufen. Dass aber ein Strafverfahren eröffnet wurde, war mir nicht bekannt.» Der Architekt habe zwar ein Mitglied der Kirchenpflege darüber orientiert, bis zu Martin drang die Information aber nicht durch.

Nichtsdestotrotz will Martin die Zusammenarbeit mit dem Architekten auf keinen Fall beenden. «Er kennt die Kirche so gut wie kein anderer, wir sind auf sein Wissen angewiesen.» Und auch wenn der Architekt erwiesenermassen das Gebiet hätte absperren müssen, so hegt Martin doch keinen Groll.

Holz soll durch Metall ersetzt werden

Wie der Zeitplan und die Vorgehensweise für die Sanierung aussieht, kann Martin noch nicht sagen. Zwar steht fest, dass die durchgefaulten Holzbalken durch rostfreie Metallrohre ersetzt werden sollen. «Wie stark die Konstruktion aber effektiv beschädigt ist, wissen wir erst, wenn das Gerüst steht und die Spitze von Nahem besichtigt werden kann.» Die Kirchturmspitze werde baldmöglichst zum Spengler gebracht. Die Offerten von Spengler, Gerüstbauer und Zimmermann liegen vor; sie belaufen sich auf total rund 90'000 Franken.

Ob eine Versicherung einen Teil des Schadens trägt, ist laut Martin noch nicht klar. Grosse Hoffnungen macht er sich aber nicht. «Wir werden den Schaden melden, aber da kein Naturereignis für den Schaden verantwortlich ist, stehen unsere Chancen schlecht.»

Viel Rummel um gefallene Spitze

Der schweizweite Medienrummel um seine Kirchturmspitze ist Martin nicht ganz geheuer. «Wir hatten uns innerhalb der Kirchenpflege zum Ziel gesetzt, unsere Kirche bekannter zu machen. In diesem Ausmass war das aber nicht gemeint», sagt er und lacht. Er sei froh, wenn die Kirchturmspitze wieder an Ort und Stelle sei und wieder Ruhe einkehre.

Nur eines wünscht Martin sich: Dass die Spitze noch in diesem Jahr, seinem letzten Amtsjahr, wieder auf den Turm kommt – zusammen mit der Kugel, in der üblicherweise Zeitungen als Zeitzeugen deponiert werden. «Als Entschädigung für all die Arbeit, die mir diese Spitze in den letzten Wochen und Monaten gemacht hat, möchte in den Zeitungsartikeln als amtierender Kirchenpflegepräsident vermerkt sein.»

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