Der SP-Mann und die ebenfalls neu kandidierende FDP-Frau Françoise Limacher (54) müssen, realistisch gesehen, den mit dem Rücktritt von Max O. Schmid (FDP) frei werdenden Sitz untereinander ausmachen. Die FDP hatte offenbar aber geglaubt, dass sie den zweiten Sitz auf sicher habe.

So jedenfalls stellte FDP-Ortsparteipräsident Patrick Herzog die Sache in einem Leserbrief dar. Ein «informelles Gespräch» unter den Parteipräsidenten, schrieb Herzog, habe ergeben, «dass in Unterentfelden weiterhin das Konkordanz-Prinzip gelten und sich der Gemeinderat aus je zwei Vertretern der SVP und der FDP sowie einem Vertreter der SP zusammensetzen» solle. «Umso überraschender» sei deshalb die Ankündigung der Kandidatur Stiner gekommen, zumal die SP in Sachen Wählerstärke hinter SVP und FDP zurückliege. Diese Feststellung bestätigen die Zahlen der letzten Proporzwahl, der Grossratswahl 2016, wo die SVP im Dorf auf 4065 Parteistimmen kam, die FDP auf 3101 und die SP auf 2890.

Fakt ist, dass die Unterentfelder Stimmberechtigten nun aus sechs Kandidaturen fünf auswählen können: 2 SVP, 2 FDP, 2 SP. Neben den beiden Neuen stellen sich vier Bisherige wiederum der Wahl: Gemeindeammann Heinz Lüscher (62, SP), Vizeammann Kurt Häfliger (67, SVP), Lilian Däster (54, FDP) und Yasmin Dätwyler (54, SVP). Sprich: Die FDP tritt mit zwei Frauen an, die SP mit zwei Männern.

Vorteil FDP also? Die Juristin und KMU-Chefin Limacher, gehörte von 2006 bis 2013 der Finanzkommission an. Seit acht Jahren ist auch Stiner Fiko-Mitglied, die letzten vier Jahre als Präsident. Der als Sektionsleiter Quellensteuern im kantonalen Steueramt tätige Alfred Stiner hat im Dorf schon vieles gemacht. So war er Präsident des Vereins Staufferhaus und zweimal OK-Präsident beim Äntefescht.

Die beunruhigte FDP gibt sich betont kämpferisch. Schon bei der Bekanntgabe der Nomination von Françoise Limacher warnten die Freisinnigen vor einem Linksrutsch im Gemeinderat: Bei Stiners Wahl sei zu befürchten, «dass die konsequente Ausgabendisziplin der Gemeinde nicht weitergeführt werden» könne und «die Einwohnerinnen und Einwohner von Unterentfelden mit neuen Steuer- und Gebührenerhöhungen konfrontiert» würden. Das müsse unter allen Umständen verhindert werden. Wer nüchtern rechnet, stellt indessen fest, dass die bürgerlichen Parteien selbst bei der Wahl eines zweiten SP-Vertreters nach wie vor die Mehrheit im Gemeinderat hätten.

Am Sonntag, 27.8., 10.30 Uhr gibt es im Staufferhaus Unterentfelden eine Podiumsdiskussion mit allen sechs für den Gemeinderat Kandidierenden. Mehr Informationen zu diesen finden sich auf den Websites ihrer Parteien.