Luan (Name geändert) will aus dem Knast. Dafür kämpft der Schweizer mit kosovarischen Wurzeln bis vor Bundesgericht. Vergeblich, wie ein diese Woche publiziertes Urteil zeigt. Bereits im März 2017 wurde Luan festgenommen und in Untersuchungshaft gesteckt – wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr. Das war vor mehr als anderthalb Jahren. Und noch immer ist Luan nicht verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm wirft ihm vor, er sei der Kopf einer Bande gewesen, die gewerbsmässigen Drogenhandel betrieben und mehrere Kilogramm Kokain eingeführt und verkauft habe. Im August 2018 erhob die Staatsanwaltschaft formell Anklage; seither befindet sich Luan nicht mehr in Untersuchungs-, sondern in Sicherheitshaft bis zur Verhandlung. Das Bundesgericht hatte auf Luans Beschwerde hin zu beurteilen, ob diese Haft gerechtfertigt ist.

Luan wäre es nämlich lieber, man würde ihn «unter Anordnung einer Sicherheitsleistung von 50 000 Franken und einer Ausweis- beziehungsweise Schriftensperre aus der Untersuchungshaft entlassen», heisst es im Bundesgerichtsurteil. Sein Anwalt hatte argumentiert, er habe bereits etwa die Hälfte der zu erwartenden Freiheitsstrafe abgesessen. Fluchtgefahr bestehe keineswegs: Seine engsten Familienangehörigen lebten in der Schweiz, hier sehe er seinen Lebensmittelpunkt und seine Zukunft. Er habe sich «jahrelang korrekt verhalten und nur durch harte Integrationsbemühungen und Wohlverhalten letztendlich den Schweizer Pass erhalten», argumentierte Luan via Anwalt.

Drogen-Erlös nicht sichergestellt

Die Aargauer Behörden waren nicht auf Luans Anliegen eingegangen. Die Fluchtgefahr war ihnen zu gross. Luan, der Ende der 1990er-Jahre aus dem Kosovo in die Schweiz gekommen war, besitzt zwar den Schweizer Pass, seine Freundin wohnt aber in Serbien; im Kosovo habe Luan jeweils die Ferien verbracht. Er habe keine Berufsausbildung, zur Zeit seiner Festnahme sei er arbeitslos gewesen. «Zudem habe er nach eigenen Angaben Schulden und bezeichne sich selber als spielsüchtig», zitiert das Bundesgericht das Aargauer Obergericht.

Da der Erlös aus dem Drogenverkauf bislang nicht sichergestellt worden sei, könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass er bei einer Haftentlassung über eine beträchtliche Geldsumme verfügen könne. Und: Es erscheine vor diesem Hintergrund nicht bloss als theoretische Möglichkeit, sondern als äusserst wahrscheinlich, dass er sich ins Ausland absetzen würde. Eine Sperre seiner Pässe würde kaum etwas bringen, so die Gerichte weiter, weil man auch ohne diese nach Serbien oder dem Kosovo komme, wenn man wolle.

Und auch Luans Argumentation, der Verlust der 50 000 Franken Kaution, die seine Familie zu stellen bereit sei, wäre für seine Angehörigen derart einschneidend, dass er sich eine Flucht gar nicht leisten könne, liessen weder das Obergericht noch das Bundesgericht gelten – Luan bleibt in Haft.

Urteil 1B_378/2018