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Trotz Ablehnung von Tempo-30-Initiative: Gemeinde setzt immer mehr auf Verkehrsberuhigung

© Nadja Rohner

Im Jahr 2000 haben die Buchser die Initiative «Flächendeckend Tempo 30 auf Gemeindestrassen» mit 70 Prozent Nein-Stimmen wuchtig verworfen. Doch heute wird nach und nach in immer mehr Quartieren Tempo 30 eingeführt – auf Wunsch der Anwohner.

Aktuell: das Gebiet Neumatt. 2016 haben die Anwohner beim Gemeinderat das Begehren um eine verkehrsberuhigte Zone eingereicht. Nun liegt das entsprechende Dossier samt erläuterndem Bericht bis zum 26. März bei der Bauverwaltung auf.

Bis zu 70 km/h gemessen

Begrenzt wird die neu geplante Tempo-30-Zone im Norden von der SBB-Linie, im Osten von der Suhre, im Süden von der Mitteldorfstrasse und im Westen vom WSB-Trassee. Konkret betroffen sind die Strassen Amsleracherweg, Baumgartenweg, Brauereiweg, Bürlimattweg, Gysistrasse, Heinrich-Wehrli-Strasse, Herzbergstrasse, Im Hag, Juraweg, Langacherweg, Neubuchsstrasse, Neumattstrasse, Webereiweg, Weierweg und Wiesenweg.

Bei der Gysistrasse (oben) und beim Weierweg (unten) sind bauliche Massnahmen nötig, um Tempo 30 durchzusetzen.

Bei der Gysistrasse (oben) und beim Weierweg (unten) sind bauliche Massnahmen nötig, um Tempo 30 durchzusetzen.

Diese Strassennamen enden nicht umsonst auf «weg»: Wer sie abfährt, merkt, dass man auf den meisten sowieso nicht guten Gewissens schneller als 30 km/h fahren kann. Eine Ausnahme bilden die Gysistrasse und der Weierweg. Beide sind übersichtlich und nur einseitig bebaut; bei der Gysistrasse befindet sich auf einer Seite das Schul- und Sportareal, beim Weierweg fährt parallel die WSB.

Tempomessungen zeigten denn auch: Die höchste gemessene Geschwindigkeit lag auf der schmalen Heinrich-Wehrli-Strasse bei 62 km/h, auf der Gysistrasse bei 65 km/h und auf dem Weierweg gar bei 70 km/h. «Die hohen Geschwindigkeiten im Weierweg sind ein Problem», hält der aufliegende Bericht fest. Unter anderem, weil hier Kinder auf ihrem Schulweg unterwegs sind und die Strasse – ohne Fussgängerstreifen – queren müssen.

Es brauche also sowohl auf der Gysistrasse als auch auf dem Weierweg neben der Tempo-30-Signalisation unterstützende Gestaltungselemente. Ein umfassendes Bauprojekt für die Gysistrasse – sie befindet sich in direkter Linie ab dem Staffeleggzubringer Richtung Süden – lag öffentlich auf.

Der Bericht hält zudem fest, dass auf den meisten Strassen im Gebiet Neumatt schon jetzt relativ langsam gefahren werde. Dort seien deshalb keine baulichen Massnahmen nötig; es reiche, Signalisationen aufzustellen respektive aufzumalen. Dies mache es möglich, diejenigen, die trotz der engen, unübersichtlichen Strassen zu schnell fahren würden, zur Rechenschaft zu ziehen.

Und die Fussgängerstreifen?

Bekanntlich sind bei der Einführung von Tempo 30 stets die Fussgängerstreifen ein Thema. Denn in solchen Gebieten dürfen Fussgänger zwar überall queren, haben aber keinen Vortritt. Fussgängerstreifen sind nur in Ausnahmefällen erlaubt – dort, wo es ein besonderes Bedürfnis dafür gibt. Im vorliegenden Buchser Fall ist geplant, den Fussgängerstreifen bei der Einmündung Amsel-acherweg in die Gysistrasse aufzuheben.

Der Fussgängerstreifen in der Mitte der Gysistrasse bleibt bestehen – die Gemeinde rechtfertigt dies damit, dass dieser Fussgängerstreifen für querende Schulkinder sehr wichtig sei. Die Schulanlage liegt unmittelbar daneben. Der zweite Fussgängerstreifen an der Gysistrasse, bei der Einmündung in die Mitteldorfstrasse, liegt bereits ausserhalb des Tempo-30-Perimeters und ist deshalb nicht infrage gestellt.

Kosten: rund 41 000 Franken

Die Einführung von Tempo 30 im Neumatt-Quartier kostet rund 41 000 Franken – inklusive einfacher baulicher Gestaltungselemente am Weierweg, aber ohne den aufwendigen Umbau der Gysistrasse (er kostet rund 3,5 Mio. Franken). Mit der Tempo-30-Zone will man, so der Bericht, «höchstmögliche Verkehrssicherheit» und eine «freundliche Verkehrskultur» erreichen.

«Unfälle sollen künftig nicht vorkommen. Eine höchstmögliche Verkehrssicherheit kann nur erreicht werden, wenn jederzeit alle die Möglichkeit haben, Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmenden durch Kompensation auf der eigenen Seite auszugleichen. Tiefe Geschwindigkeiten sind dabei entscheidend.»

Die neue Tempo-30-Zone wird nicht die letzte in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft sein: Westlich, im Torfeld, soll laut Bericht eine weitere folgen. Südlich der Mitteldorfstrasse hat es bereits Tempo-30-Zonen. Verkehrt ist das nicht: Eine Studie der ETH hatte gezeigt, dass die Unfallgefahr im städtischen Umfeld wie in Aarau etwa um 15 Prozent reduziert werden kann. In ländlichen Gebieten dagegen sinkt die Unfallgefahr fast um die Hälfte.

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