Fussball
Trifft Aaraus Edel-Joker David Marazzi auch gegen Locarno?

Nach schwierigen Zeiten ist der Aarauer Publikumsliebling David Marazzi auf dem Weg nach oben. Und mit ihm der ganze Club. Nach einem Viertel der Meisterschaft liegen die Aarauer unangefochten an der Tabellenspitze.

Ruedi Kuhn
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David Marazzi.

David Marazzi.

Alexander Wagner

Nach dem Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0 gegen den FC Biel kurz vor der Pause eilt David Marazzi in Richtung Ersatzbank, feiert zusammen mit Ersatzspieler Sandro Foschini den Torschuss und schaut auf die Haupttribüne. Die Fans stehen auf, winken ihm zu und jubeln. Der 28-Jährige blickt zurück und sagt: «Die Leute haben gespürt, wie wichtig dieses Erfolgserlebnis für mich gewesen ist. Es war ein phantastisches Gefühl.»

Für den Grossteil der 3000 Zuschauer war Marazzi beim 4:1-Sieg des FC Aarau gegen die Seeländer der Mann des Spiels. Als er nach einer Stunde ausgewechselt wurde, gab es für den Publikumsliebling viel Applaus. Unter den Gratulanten waren Marazzis Mutter Ursula und Vater Silvio. Sie wohnen im Lausanner Vorort Pully, lassen sich aber trotz der Reisestrapazen kaum ein Heimspiel der Aarauer entgehen.

Himmel voller Geigen?

Hängt der Himmel für Marazzi also voller Geigen? Ist er im Erfolgsrausch? Weit gefehlt. Der gebürtige Waadtländer hat schwierige Zeiten hinter sich. Die Klubsuche auf diese Saison hin ging an die Substanz und nagt sichtlich am Selbstvertrauen. «Der Markt in der Schweiz mit nur noch zwanzig Klubs in den beiden höchsten Spielklassen ist schwieriger denn je», hält Marazzi fest. «Ich hatte zwar zwei, drei Angebote, aber etwas Konkretes war nicht dabei.»

Schliesslich blieb Marazzi trotz krasser Lohnkürzungen beim Verein vom Brügglifeld. «Der FC Aarau ist eine gute Adresse», begründet er diesen Schritt. «Ich bin bei den meisten Fans beliebt. Zudem kenne ich das Umfeld. Wenn ich konstant stark spiele, bekomme ich im nächsten Jahr sicherlich einen besser dotierten Vertrag.»

Unberechenbarer Spieler

Erfolg und Misserfolg liegen im Fussball nahe beieinander. Wurde Marazzi in der Meisterschaft 2010/11 von Funktionären, Fans und Medienvertretern zum besten FCA-Spieler gewählt, so war er in den vergangenen Monaten nur noch ein Mitläufer. Zu Beginn dieser Saison hielt die Durststrecke an. Nach guten Trainingsleistungen zählte er bei den 4:1-Siegen gegen Pully und Biel überraschenderweise wieder zur Startformation. Und schoss prompt drei Tore.

Angesprochen auf Marazzis Qualitäten überlegt FCA-Trainer René Weiler nicht lange und sagt: «David ist ein gradliniger, schneller und unberechenbarer Spieler. Er hat ein grosses Kämpferherz und gibt nie auf.» Eine Stammplatzgarantie hat er trotz diesen Tugenden nicht. So ist es gut möglich, dass der Mann mit dem starken linken Fuss heute Abend in Locarno erneut mit der Jokerrolle vorlieb nehmen muss. Eines aber steht fest: Marazzi gehört längst nicht zum alten Eisen. Ist es denn so schlimm, wenn die Luft nach zehn Jahren harter Profiarbeit lediglich noch für eine Stunde reicht?

Nun gegen Locarno

Beim morgigen Spiel gegen Locarno ist der FC Aarau haushoher Favorit. Gegen den Tabellenletzten aus dem Tessin, der in der laufenden Saison noch nicht viel zusammengebracht haben, müssen drei Punkte her. Aarau seinerseits liegt bereits fünf Punkte vor dem nächsten Verfolger. Dieser, der FC Winterthur, verlor am Montagabend überraschen zuhause gegen den FC Wil.