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Follower aus aller Welt: Häkelnde Aarauerin kopiert Kleidungsstücke von Stars wie Taylor Swift und Harry Styles

Obwohl sie erst seit einem Jahr häkelt, hat die 33-jährige Beverly Gacula von Aarau aus eine erfolgreiche Karriere auf Social Media gestartet. Auf den verschiedensten Plattformen folgen ihr mittlerweile über 10'000 Menschen.

Larissa Gassmann
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Von Häkel-Utensilien umgeben: die 33-jährige Beverly Gacula aus Aarau.

Von Häkel-Utensilien umgeben: die 33-jährige Beverly Gacula aus Aarau.

Larissa Gassmann

Wenn Beverly Gacula die Türe ihres Wandschranks öffnet, dann ist es ein bisschen so, als würde man eine neue Welt entdecken. Während der Himmel draussen wolkenverhangen und grau ist, stapeln sich im Innern des Möbelstücks Hunderte Wollknäuel in allen Farben des Regenbogens. Gacula häkelt für ihr Leben gerne – zum ersten Mal ausprobiert hat die 33-Jährige ihre neue Lieblingsbeschäftigung gerade einmal vor einem Jahr.

Der Grund dafür ist ein simpler: «Mir war langweilig und ich wollte einfach ein neues Hobby lernen», so Gacula. Beigebracht habe sie sich alles selbst anhand von Tutorials. Es sei schön, etwas zu haben, das man daheim machen könne und das nichts mit Fernsehen oder Smartphone zu tun habe.

Trotzdem ist längst nicht jeder derart begeisterungsfähig wie sie. «Viele denken, Häkeln sei nur etwas für alte Menschen», sagt Gacula. Dass dem nicht so ist, zeigt ein Blick auf ihre Social-Media-Kanäle. Auf Instagram hat sie unter dem Namen «crochetbybev» mittlerweile über 14'000 Follower, auf Youtube sind es um die 26'000 Abonnenten. Knapp die Hälfte der Zuschauer sind zwischen 18 und 24 Jahre alt.

So setzen sich die Zuschauerzahlen zusammen.

So setzen sich die Zuschauerzahlen zusammen.

YouTube

Dass Häkeln im Trend ist, bestätigen Modemagazine wie «Vogue» oder «Harper’s Bazaar». Selbst Labels wie Gucci oder Valentino setzen so auf den angeblichen Oma-Trend. «Dass Häkeln gerade so beliebt ist, hat sicherlich mit der Pandemie zu tun», sagt Gacula.

Mit Youtube habe sie vor allem angefangen, um anderen zu zeigen, wie sich ihre Fertigkeiten nach und nach entwickeln. Es sei schön, den Menschen stets Neues zu präsentieren und sie zu ermutigen – gerade in einer Zeit wie dieser. «Wegen Corona ist beinahe jeder ein bisschen verrückt geworden. Dank meiner Videos aber kann ich Menschen beweisen, dass auch sie etwas selbst herstellen können», so Gacula.

Immer wieder nimmt sie Häkelanhänger somit in ihre bunte Welt mit. Dass sich in den Kommentarspalten mittlerweile Menschen aus Russland, Amerika oder Asien tummeln, habe sie so nicht erwartet. Gacula selbst stammt aus den Philippinen. Nach Aarau zog sie 2019 der Liebe wegen. Ihren Mann lernte sie ursprünglich in Italien kennen – nachdem dieser aufgrund der Arbeit in die Schweiz zog, folgte Gacula ihm hierher. Der Umzug sei ihr leichtgefallen: «Hier ist es sehr ruhig und sauber.»

Noch sind die Schweizer eher zögerlich

Abonnenten aus der Schweiz habe sie derweil noch kaum. Dies liege vielleicht daran, dass sie bloss Englisch spreche. «Ich habe zudem das Gefühl, dass man sich hier mehr für das Stricken begeistern kann», so Gacula. Auch sie selbst hat sich daran schon herangewagt. Noch wirkt sie aber nicht allzu begeistert: «Bis jetzt habe ich kein Projekt beendet. Irgendwie ist es doch schwieriger, mit zwei Nadeln zu arbeiten.»

Inspiration für ihre gehäkelten Schätze findet Gacula unter anderem beim Fernsehschauen. «Wenn ich etwas Schönes sehe, möchte ich das sofort in meinem eigenen Design nachmachen», sagt Gacula. So hat sie etwa einen kunterbunten Cardigan des Sängers Harry Styles nachgehäkelt. Das dazu passende Youtube-Video verzeichnet satte 124'102 Aufrufe.

Hier dreht sich alles um Harry Styles: Das beliebteste Video von Gacula hat über 100'000 Aufrufe.

YouTube

Wie lange es dauert, ein Kleidungsstück zu machen, sei schwer zu sagen. «Ich zähle die Stunden nicht und häkle einfach dann, wenn ich Zeit habe», sagt Gacula, die nebenbei als Putzfrau arbeitet. Dies sei oft am Abend der Fall, wenn sie auf dem Sofa sitze und Netflix oder Youtube schaue.

Die Stücke haben einen grossen sentimentalen Wert

Während sie ihre Kleider früher in Läden gekauft hat, sei es ihr nun wichtig, mehr auf «Selfmade» zu setzen. «Ich halte mich beim Shoppen mittlerweile sehr zurück», sagt Gacula. So kann fast jedes Stück in ihrem Kleiderschrank eine Geschichte erzählen – und nicht selten ist es die ihrer eigenen Schaffenskraft. Weil die Welt von Gacula nicht nur bunt, sondern auch von Fleiss geprägt ist, stapeln sich nebst den Wollknäueln mittlerweile fertige Cardigans, Tops und Pullunder. Ein Stück fröhlicher als das andere. Ein Stück wertvoller als das andere. Ihre Häkelerzeugnisse möchte sie nicht hergeben, sagt Gacula – zu gross ist für sie der sentimentale Wert.

Beverly Gacula hat in einem Jahr so einige Stücke gehäkelt.

Beverly Gacula hat in einem Jahr so einige Stücke gehäkelt.

Larissa Gassmann

Gute Nachrichten gibt es trotzdem: Neu erstellte Stücke wie auch die passenden Häkelanleitungen verkauft sie seit kurzer Zeit auf Onlineplattformen wie Depop oder Etsy. In Zukunft wolle sie ihrer Leidenschaft verstärkter nachgehen, sagt Gacula. «Solange die Menschen meine Videos sehen wollen, werde ich weitermachen.»