Urteil
Tragischer Velounfall: Es war Fahrlässigkeit

Das Bezirksgericht hat drei von fünf Angeklagten verurteilt, die sich wegen eines tödlichen Velounfalls verantworten mussten, der auf eine ungenügend gesicherte Baustelle zurückzuführen war.

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Aargauer Zeitung

Juristisches Nachspiel zu einem tödlichen Velounfall auf einer mangelhaft gesicherten Baustelle im Aarauer Goldernquartier: Das Bezirksgericht hat drei von fünf Angeklagten der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen. Dabei handelt es sich neben dem örtlichen Bauleiter eines Ingenieurbüros auch um den Oberbauleiter, einen Mitarbeiter beim Aarauer Stadtbauamt, und um einen Stadtpolizisten. Passiert war das Unglück vor vier Jahren, als ein 73-Jähriger wegen einer mangelhaft gesicherten Baugrube mit dem Velo stürzte und an den Folgen verstarb.

Die mündliche Verhandlung vor Bezirksgericht fand bereits 8. September statt. Den fünf Angeklagten warf die Staatsanwaltschaft fahrlässige Tötung vor. Der Hauptanklagepunkt war in allen Fällen derselbe: Die Grube an der Aarauer Goldernstrasse sei zum Unfallzeitpunkt im September 2006 «absolut ungenügend» signalisiert gewesen. Im sieben Stunden dauernden Prozess unter Leitung von Gerichtspräsidentin Karin von der Weid beteuerten sämtliche Angeklagten ihre Unschuld und sahen die Verantwortlichkeiten je nach Standpunkt an ganz verschiedenen Stellen. Die Staatsanwaltschaft stellte fest, dass der tragische Unfall «mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit» vermeidbar gewesen wäre, wenn die Grube «gesetzeskonform signalisiert und gesichert» gewesen wäre.

Zwei Freisprüche

Das Bezirksgericht hatte also namentlich die Frage zu klären, ob die mit lockerem Sand gefüllte Grube genügend abgesperrt worden war. Es kam zum Schluss, dass bei zwei Angeklagten kein Verschulden vorlag. Deshalb sprach es den Vorarbeiter und den Bauführer des beteiligten Unternehmens frei. Verurteilt wurden hingegen die drei weiteren Angeklagten, und zwar zu einer bedingten Strafe von jeweils 180 Tagessätzen nach Höhe des Einkommens und zu einer Busse von 1000 Franken.

Das gestern publizierte Urteil des Bezirksgerichts ist noch nicht rechtskräftig, es kann an die nächsthöhere Instanz, an das Obergericht, weitergezogen werden. (hr)