Aarau

Trabi-Treffen: Rund 200 Kult-Autos auf der Rennbahn

Sepp Geser präsentiert seinen Trabi vor dem Trabi-Treffen in Aarau

Sepp Geser präsentiert seinen Trabi vor dem Trabi-Treffen in Aarau

Am Wochenende geben sich in der Kantonshauptstadt die «Staatskarossen» der DDR-Büezer ein Stelldichein. Beim Trabi-Treffen werden rund 200 Autos auf der Rennbahn erwartet.

Im Westen wurden sie belächelt, von der DDR-Bevölkerung gehätschelt - heute sind sie Kult. Am Wochenende können sie in Aarau bestaunt werden. 150 bis 200 Fahrzeuge werden zum «2.Internationalen Trabanttreffen Schweiz 2012» auf der Pferderennbahn erwartet. Organisator dieses Grossanlasses ist der Trabantclub Schweiz, den der heute in Aarau lebende Sepp Geser vor 10 Jahren ins Leben gerufen hat.

Im Osten vom Virus infiziert


Geser wohnte früher im Zürcher Oberland und war dort Internatsleiter der Landwirtschaftlichen Schule Strickhof. Auf einer Exkursion mit seinen Schülern wurde er 1993 in der ehemaligen DDR vom Trabi-Virus infiziert: «Damals waren diese Fahrzeuge im Osten noch weit verbreitet und relativ günstig zu haben. Meine Schüler haben dort ab und zu einen Trabi für 200 bis 300 Mark gekauft und in die Schweiz importiert.»

Sepp Geser hat seinen Trabi nicht selber importiert, sondern 1996 von einem ehemaligen DDR-Bürger im Entlebuch erstanden: «Ich sah das Inserat, ging das Auto anschauen und habe es - inklusive einem ganzen Anhänger voller Ersatzteile - sofort für rund 4000Franken erstanden.» Bereut hat er den Kauf nie.

«Das Chassis meines Trabi hat inzwischen rund 200000 Kilometer auf dem Buckel, der Originalmotor etwas weniger. Alles ist nach wie vor in tadellosem Zustand», freut er sich.

Kontakte im Osten waren hilfreich

Bei der Pflege und der Restauration helfen Geser seine guten Kontakte, die er als Lehrer auf den Exkursionen geknüpft hat. So kam er vor ein paar Jahren kostenlos zu einem passenden Anhänger. Diesen und sein Auto hat er in einer ehemaligen DDR-Trabiwerkstätte in der Originalfarbe «Monsungelb» neu lackieren lassen.

In der Schweiz wird der wunderschöne Trabi nur bei schönem Wetter und selten mehr als 2000 bis 3000 Kilometer pro Jahr bewegt. Sepp Geser fährt sein Kult-Auto aber regelmässig in den Osten: «Mein Trabi muss doch ab und zu wieder etwas Heimatluft schnuppern», schmunzelt er. Auf den langen Reisen hat ihn das gepflegte Fahrzeug noch nie im Stich gelassen. Allerdings ist der Besitzer auch eher gemächlich unterwegs: «Wenn du in einen Trabi steigst, dann musst du Zeit haben. Dieses Auto ist nicht zum Rasen gemacht, damit muss man gemütlich fahren.»

Eine anständige Behandlung, so Geser weiter, habe sein Trabi auch verdient: «Mein Vorbesitzer hat dieses Auto am 21. Mai 1975 bestellt und am 20. September 1984 geliefert bekommen. Die Lieferfrist von 9 Jahren war vergleichsweise kurz, weil es sich um eine teurere De Luxe-Ausführung handelt. Auf normale Trabis hat man damals im Osten 11 bis 15 Jahre warten müssen.»

Bis 1991 produziert

Der erste Trabant lief am 7. November 1957 in Zwickau vom Band. Bis am 30. April 1991 wurden rund drei Millionen Fahrzeuge produziert. Das Auto mit der Duroplast-Karosserie (gepresste Lagen aus Baumwolle, Lumpen und Kunstharz) sowie dem 600-Kubik-Zweitaktmotor mit vorerst 18 und später 26 PS, blieb dabei weitgehend unverändert. Für die DDR-Bevölkerung war der Trabi dennoch der Inbegriff für Fortbewegung. Es gab ja nichts anderes.

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