Letztes Jahr noch schien das Aarauer Tourismusbüro aarau info dem globalen Trend trotzen zu können: Während andere Verkaufsstellen wegen des Online-Verkaufs unter sinkenden Zahlen ächzten, konnte aarau info den Verkauf von Veranstaltungstickets sowie Billetten und Abos für den öffentlichen Verkehr halten. Doch jetzt sieht die Welt anders aus: Per Ende Jahr stellt das Tourismusbüro den Verkauf von öV-Billetten ein. Das hat aarau info gestern mitgeteilt.

Der Grund für die Streichung des Angebots: das neue Kaufverhalten der öV-Nutzer. «Das Kaufverhalten hat sich in den vergangenen Jahren extrem verändert, dies unter anderem aufgrund neuer Technologien», wird Daniel Lüscher, Präsident Aarau Standortmarketing, in der Medienmitteilung zitiert. Zum einen würden die Kunden immer vertrauter mit den Automaten, zum andern würden die Billette zunehmend online gekauft, so Lüscher weiter. Veränderungen und Entwicklungen, die nicht überraschen, die aber für das Geschäftsjahr 2017 noch vor einem halben Jahr keine Gültigkeit für aarau info zu haben schienen.

Beratungsgespräche sind teuer

«Es ist tatsächlich so, dass wir im Gegensatz zu 2017 beim Verkauf von öV-Billetten in den letzten Monaten einen Umsatzrückgang haben verzeichnen müssen», sagt nun aber Corinne Gubler, stellvertretende Leiterin von aarau info. Sie erklärt sich den Rückgang mit der weiteren Verbreitung des SwissPass und in weiteren Online-Angeboten, die es den Kunden unter anderem erlauben, Abos einfacher zu verlängern. «Unter dem Strich lassen sich für uns Aufwand und Ertrag aktuell nicht mehr rechtfertigen», sagt Gubler.

Teuer – nebst den Mietgebühren für Billett-System und Drucker – sind für aarau info insbesondere die Beratungsgespräche, die teilweise relativ viel Zeit in Anspruch nehmen würden. Pro Tag verkauft aarau info Billette an rund ein Dutzend, vornehmlich ältere Kunden. Laut Corinne Gubler handle es sich hier gar um eine Stammkundschaft, die regelmässig ihre Billette im Büro an der Metzgergasse bezieht. «Auf unsere Kunden-Frequenz wird das Ende des öV-Billettverkaufs deshalb keine spürbaren Auswirkungen haben», so Corinne Gubler (letztes Jahr zählte aarau info insgesamt 16 100 Besucherinnen und Besucher).

Abgesegnet von der Stadt

Eigenmächtig hat aarau info bei diesem Entscheid nicht gehandelt. Der Entscheid sei nach Rücksprache mit der Busbetrieb Aarau AG (BBA) und der Aargau Verkehr AG (AVA) getroffen worden. Mit beiden Unternehmen pflege man eine enge Zusammenarbeit, betont Präsident Daniel Lüscher. «Beide Unternehmen sind für den Standort Aarau und die Agglomeration von sehr hoher Bedeutung.» Eine gute öV-Anbindung bewirke einen wichtigen Standortvorteil für die ganze Region und biete nachhaltige Lösungen zu Mobilitätsengpässen.

Ebenfalls in den Entscheid eingebunden war die Stadt Aarau: «Wir haben vorgängig das OK abgeholt», sagt Corinne Gubler. Dies gekoppelt an eine Übergangslösung, die den Kunden die Umstellung erleichtern soll: Bereits während des MAG dieses Wochenende (Stand mit der BBA am Schlossplatz) und in den kommenden Monaten sind bei aarau info an der Metzgergasse einfache Anleitungshilfen für das Bedienen der Automaten erhältlich. «Wer sich weiterhin beraten lassen möchte, dem raten wir, sich an die Verkaufsstelle von Aargau Verkehr am WSB-Bahnhof zu wenden», so Corinne Gubler.

Weiterhin Veranstaltungstickets

Vom Ende des Verkaufs nicht betroffen sind die Veranstaltungstickets. Obwohl der Jahresumsatz geringer ist, lohnt sich der Verkauf weiterhin. «Die Miete dieser Verkaufssysteme ist deutlich günstiger», sagt Corinne Gubler. Zwar verlagere sich auch im Veranstaltungswesen die Tendenz immer mehr in Richtung Online-Handel, zur Diskussion sei das Einstellen des Verkaufs aber nie gestanden: «Insbesondere für die hiesigen Kulturveranstalter und Vereine ist es sehr wichtig, dass wir ihre Tickets im Angebot haben.»