Im Torfeld Süd ist die Situation ungemütlich: Die Bauherrschaften hocken in den Startlöchern und warten auf Baubewilligungen für das Fussballstadion und die Quartierüberbauung.

Die Mieter in den Abbruchliegenschaften wiederum sitzen auf gepackten Schachteln, Monat für Monat droht der Auszug.

So, wie Franz Lieberherr und Klaus Bär, die beide an der Florastrasse eingemietet sind.

Lieberherr mit dem Verein Tango Aarau, Velokurier Klaus Bär mit der «Pedalflotte Aarau». Beide rechneten damit, nun Ende März definitiv ausziehen zu müssen.

Am Donnerstag nun hat das Immobilienunternehmen Mobimo den beiden eine erneute Vertragsverlängerung angeboten – wieder um einen Monat.

Der Mobimo liegen die Abbruchbewilligungen für das Baufeld 4 zwischen Florastrasse und Torfeldstrasse vor, ebenso wie die Baubewilligung.

«Weil aber eine Beschwerde gegen das Baugesuch eingegangen ist, haben wir den Baustart noch einmal um einen Monat verschoben», sagt Christine Hug, Mediensprecherin der Mobimo.

Die Beschwerdeführer würden gegen die Baubewilligung rekurrieren, obschon der Gestaltungsplan rechtskräftig sei und das Projekt die entsprechenden Vorgaben einhalte, so Hug weiter.

«Der Stadtrat hat die Einwendungen gegen unser Baugesuch geprüft und uns im Anschluss die Baubewilligung erteilt.»

Auch, weil das Bundesgericht letztes Jahr zwei Beschwerdeführern bereits im Gestaltungsplanverfahren die Aktivlegitimation abgesprochen hat. Das heisst, die beiden Beschwerdeführer können keinen Anspruch geltend machen.

Kein zweites «Bleifrei»

Dass die Mobimo ihnen erneut eine Gnadenfrist gibt, freut Lieberherr und Bär: «Das ist ein fairer Schachzug.» Letzterem hat die Mobimo bis mindestens Ende Juni im «Bleifrei» einen Ersatzraum angeboten.

«Wir sind froh, dass wir nun doch nicht auf Vorrat ausziehen müssen und die Liegenschaften einfach leer stehen», sagt Bär.

Dagegen hatten die beiden sich gewehrt, sie wollten kein zweites «Bleifrei» werden: Anfang Juni 2013 wurde in der ehemaligen Autogarage mit Hunderten Gästen die letzte Party vor dem Abriss gefeiert – die Liegenschaft steht heute noch.

Seit Lieberherr und Bär 2010 in die Liegenschaften eingezogen sind, schwebt das Damoklesschwert «Auszug» über ihnen. «Schon damals war klar, dass wir nur auf Zeit hier bleiben können», sagt Bär.

Erst seien die Verträge halbjährlich, schliesslich vierteljährlich und zum Schluss Monat für Monat verlängert worden.

Zwar gehört das Befristete zur Zwischennutzung dazu, trotzdem hat die Situation etwas Zermürbendes:

Jeden Monat aufs Neue nicht zu wissen, ob die Kündigung nun definitiv ist, oder nicht, sei eine enorme Belastung. Insbesondere, weil keine Ersatzliegenschaft in Sicht seien.

Der Verein Tango Aarau kann seine Veranstaltungen zwischenzeitlich in den Schulhäusern Aare und Schachen und der Alten Kanti durchführen. Die Raumsuche gestalte sich schwierig, wenn eine Liegenschaft oder ein Raum infrage käme, scheitere es am Mietpreis.

Wunsch: Stadt bietet Plattform

Lieberherr hat sich deshalb an die Liegenschaftsverwaltung der Stadt gewandt, in der Hoffnung, da Tipps für freie Liegenschaften zu bekommen.

Da sei ihm aber bloss gesagt worden, die Raumsuche sei Privatsache, sie könnten ihm nicht helfen.

«Mir ging es nie darum, von der Stadt eine fixfertige Lösung präsentiert zu bekommen. Selbstverständlich ist es nicht Aufgabe der Stadt, mir eine Ersatzliegenschaft zu beschaffen», sagt Lieberherr.

Was er sich wünscht, ist eine städtische Anlaufstelle, wo Informationen für Zwischennutzungen gesammelt und abgeholt werden können. «Eine Plattform, die Vermieter und Mieter zusammenbringt.»

In die gleiche Kerbe schlägt Silvia Dell’Aquila, SP-Einwohnerrätin und Betreiberin der Plattform weloveaarau, mit einer Anfrage, die sie diese Woche eingereicht hat.

«Es kann nicht sei, dass leer stehende Gebäude nicht genutzt werden und Kulturschaffende aus allen Sparten keine Produktionsorte finden, die sie mieten können», so Dell’Aquila.

Dasselbe gelte für Veranstalter oder Vereine. Eine lebendige, kulturell offene Stadt müsse es Kulturschaffenden ermöglichen, ihre Kunst auszuüben.

Sie will deshalb vom Stadtrat unter anderem wissen, ob es ihm ein Anliegen sei, dass ungenutzte private Räume und insbesondere leere Gewerberäume zwischengenutzt werden können, und ob er eine Möglichkeit sehe, eine für die Bevölkerung zugängliche Datenbank zu schaffen, welche städtische, private und gewerbliche Räume auflistet, die genutzt werden können.