Zukunftsprojekt
«Torfeld Süd» ist Aaraus Antwort auf den hohen Siedlungsdruck

Viermal haben die Aarauer in den letzten sieben Jahren darüber abgestimmt, wie das weitgehend brachliegende Industriequartier Torfeld Süd neu bebaut und damit wiederbelebt werden soll. Trotzdem steht heute erst ein Bürohaus im Rohbau.

Thomas Röthlin
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Grün statt grau, so sieht die Industriebrache Torfeld Süd gemäss Architekturbüro KCAP künftig aus.ZVG

Grün statt grau, so sieht die Industriebrache Torfeld Süd gemäss Architekturbüro KCAP künftig aus.ZVG

Ist das Torfeld Süd überhaupt ein Zukunftsprojekt? Vieles spricht dafür, wenn man den Terminplan 2012 betrachtet.

Dringender Ersatz für das Brügglifeld

Im Sommer wird noch einmal das Baugesuch für ein Fussballstadion öffentlich aufgelegt. Die Bauherrin HRS will den Einsprechern «bestmöglich entgegenkommen», teilte sie vor einem Monat mit. Das neue FCAarau-Stadion, ein dringender Ersatz für das Brügglifeld, ist nicht nur das Aushängeschild im Torfeld Süd der Zukunft. Es war auch bei jeder Volksabstimmung entweder der Gegenstand (Mitfinanzierung durch die öffentliche Hand) oder das Hauptargument für ein Ja oder ein Nein (Schaffung der planungsrechtlichen Grundlagen).

Bis im Sommer ermitteln Architekturbüros die «optimale Konstruktion», so der Stadtrat Anfang Dezember, für die geplante Fussgänger- und Velobrücke über die SBB- und WSB-Gleise. Sie ist eines der Erschliessungsvorhaben, die im Herbst als Kreditvorlagen dem Einwohnerrat unterbreitet werden sollen. Die Wynental- und Suhrentalbahn bekommt die Haltestelle Torfeld, für Autos wird die Verbindungsspange Buchs Nord gebaut. Die neuen Zugänge zum Areal kosten etwa gleich viel wie das Stadion.

Projekt läuft «sehr professionell»

Die öffentliche Erschliessung, die Bau- und Nutzungsordnung und der Gestaltungsplan sind wichtige Instrumente in der Hand von Stadt und Kanton, denn: Torfeld Süd gehört Privaten, hauptsächlich dem Bauunternehmen HRS (Ostteil) und der Immobiliengesellschaft Mobimo (Westteil). Die Projektbeteiligten betonen immer wieder, wie gut die Interessen der öffentlichen Hand und der kommerziellen Nutzung integriert würden.

Ein unabhängiges Audit der Stabsstelle Stadtentwicklung von 2011 bestätigt diese Selbsteinschätzung: «Die Projektorganisation und der Projektablauf waren sehr professionell und haben (...) in kurzer Zeit zu einem qualitativ beachtlichen Resultat geführt.»

Der Sprecherhof

Ebenfalls im Sommer will die Rockwell Automation AG das Hochhaus am Gais-Kreisel verlassen und den erwähnten Büroneubau beziehen. Der «Sprecherhof» (Sprecher & Schuh) wird Ende Jahr abgebrochen und ein neues Hochhaus der Aarauer Architekten Schneider & Schneider für die Sozialversicherungsgruppe Gastro Social gebaut.

Für die 2012 beginnende Planung des dahinterliegenden Gebiets hat das holländische Büro Kees Christiaanse Architects & Planners (KCAP) den Zuschlag bekommen. Die beiden Sieger eines Studienauftrags passen ihre Entwürfe jetzt einander an.

Öffnung und Durchgrünung

Das KCAP-Projekt «Stadtgarten Aarau» (siehe Box) zeigt, dass im Torfeld Süd mehr gebaut wird als ein Fussballstadion. Planungsziele lauteten: Einbindung ins Siedlungsmuster Aaraus, Öffnung und Durchgrünung, Verschmelzung von Alt und Neu zu einem überzeugenden Ganzen. Stadtbaumeister und Gesamtprojektleiter Felix Fuchs ist voll des Lobes: «Das Siegerprojekt setzte die Ziele in jeder Beziehung optimal um.»

2015 soll alles fertig sein: Die Wohnungen, die Büros, der Park, das Stadion, die Zufahrten und Zugänge. Das Torfeld Süd, grösser als die Altstadt, kann Aarau vom Siedlungsdruck auf die Aargauer Städte entlasten. Und Investitionen von einer halben Milliarde Franken auslösen.