Oberentfelden

Torero auf dem Eis: Dieser Aargauer ist ein Ausnahmetalent

Martin Jähn (21) aus Oberentfelden macht erst seit zwei Jahren Eiskunstlauf und gehört schon zu den Besten seiner Kategorie.

Kaum haben Martin Jähns Kufen das Eis berührt, wird klar, dass er nicht nur zum Spass hier ist. Mit langen, geschmeidigen Bewegungen pfeilt er über das Feld, fährt plötzlich rückwärts und wirbelt furchtlos durch die Luft. Von Donnerstag bis Montag trainiert Eiskunstläufer Martin Jähn in der Keba Aarau. Vor kurzem hat er am Tenini-Graf-Cup den ersten Rang gemacht, jetzt bereitet er sich auf den Aarau Cup vom kommenden Wochenende vor.

Martin Jähn (21) wirkt wie ein Torero auf dem Eis, stolz, mit geschmeidigen Bewegungen. Als gäbe es kein hartes Eis und keine blauen Flecken. «Fallen gehört dazu», sagt Jähn. Einen neuen Sprung lernen geht nicht ohne. Und Sprünge hat Jähn in den letzten zwei Jahren einige gelernt. So lange macht er schon Eiskunstlauf. So kurz, müsste man sagen.

Der einzige Mann im Club

Jähn ist ein Ausnahmetalent, von dem die Clubpräsidentin am Telefon schwärmt. Momentan ist er der einzige Mann im Eislaufclub Aarau; ein Quereinsteiger. Sportlich war er schon immer, hat mit 6 Jahren angefangen Tennis zu spielen. Als Jugendlicher hat er sich nach einem neuen Sport als Ausgleich umgeschaut.

Die Keba war für Martin Jähn und seine Mutter schon immer ein beliebtes Ausflugsziel. Als er das erste Mal die Männerschlittschuhe gegen das Frauenmodell mit Zacken vorne tauschte, merkte er: «Eiskunstlauf ist voll mein Ding.» Nachdem er seine Informatiklehre abgeschlossen hatte, wechselte Martin Jähn vom Court aufs Eis. Um einzusteigen, nahm er Privatlektionen. Heute leitet er selber Trainings für Kinder.

Fallen gehört auch für ihn nach wie vor dazu. Doch Martin Jähn steht sofort wieder auf. Ein Sturz ist für ihn eine Motivation, zum Weitermachen und Üben, bis es gelingt. «Es darf keine Blockade geben», sagt er. Das beste Beispiel dazu sind die Kinder im Training. «Die haben null Angst vor Sprüngen», sagt Jähn und lacht. «Die stehen wieder schneller auf, als man hinschauen kann.»

Ein dreifacher Axel liegt wohl nicht mehr drin

Der momentan schwierigste Sprung in Martin Jähns Repertoire ist der doppelte Rittberger. Ein Sprung, bei dem er rückwärts fährt, von der linken Aussenkante abspringt und wieder auf dieser landet. Dazwischen dreht er sich zweimal um die eigene Achse. Trotz seines Talents und seiner Entschlossenheit, seiner Zielstrebigkeit und Disziplin gibt es Dinge, die er vermutlich nie erreichen wird. Ein dreifacher Axel zum Beispiel. Doch das hindert Jähn nicht dabei, weiterhin «Vollgas zu geben und zu sehen, was er noch alles lernen kann».

Martin Jähn dokumentiert seine Fortschritte auf Youtube. Vom ersten Mal in Eiskunstlauf-Schlittschuhen bis zu den ersten Pirouetten und Sprüngen:

Auf Instagram dokumentiert er seinen Fortschritt, postet stolz Bilder von seinem Pulli mit Club-Logo und viele Videos von Sprüngen auf dem Eis und von Drehungen, die er in Turnschuhen draussen auf der Strasse übt. Während die Kommentatoren Lob und Herzchen verteilen, bleibt Jähn stets kritisch und stellt auch Stürze online. Selber schaue er auch gern die Videos von anderen Eiskunstläufern, von WMs EMs und Olympischen Spielen sowieso.

«Ich freue mich auf jedes Training»

Seine Eltern, beide ebenfalls sportlich, haben Freude am Sport ihres Sohnes. Die Mutter – eine ehemalige Ballerina – besonders. Aber es sei überhaupt nicht so, dass sie ihn unter Druck setzen würde. «Am Sonntagmorgen muss ich um acht Uhr im Training sein», sagt Jähn. Seine Mutter meine manchmal, er könne ja auch etwas später gehen. Aber das kommt für den Sohn nicht In Frage. «Ich freue mich auf jedes Training.»

Eiskunstlauf scheint sehr gut zum beherrschten, höflichen Auftreten von Martin Jähn zu passen. Aber wie sieht es in Martin Jähn drinnen aus? Er gibt zu, dass er beim Tennis auch mal wutentbrannt das Racket auf den Boden geschmissen habe. Beim Eiskunstlauf geht das nicht. «Wenn man an einem Wettkampf stürzt, muss man die mentale Stärke haben, um wieder aufzustehen und sich voll auf die weitere Kür zu konzentrieren», sagt er. «Mit einem Sturz ist noch nichts verloren.» Aber im Training, wenn etwas einfach nicht gelingen will, dann kann es in Martin Jähn schon mal brodeln. «Aber gegen aussen lasse ich mir nur selten etwas anmerken», sagt er lachend.

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