Aarau
Topmodern mit über 60: Gönhardschulhaus mit Denkmalpreis ausgezeichnet

Heute wurde das Aarauer Gönhardschulhaus mit dem Denkmalpreis 2013 prämiert. Der Bau aus dem Jahr 1952 wurde umsichtig saniert. Ein Rundgang.

Katja Schlegel
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Der Blick in eines der Schulzimmer mit typischen, alten Lampen.Marx
13 Bilder
Wo einst der Abwart wohnte, steht heute die neue Aula
Wären die Jacken nicht so bunt, man fühlte sich um Jahrzehnte zurückversetzt
Reto Nussbaumer von der kantonalen Denkmalpflege zeigt, was an den Fenstern gemacht wurde
Der teilweise überdachte Pausenplatz mit einem Werk von Roland Guignard
Die Toilettentüren sind mit Holzbuchstaben beschriftet
Sebastian Busse, Projektleiter des Stadtbauamtes, und Reto Nussbaumer mit dem Plan von anno dannzumal
Der viele Platz erlaubte es Architekt Hans Hauri, sehr grosszügig zu bauen
Das Mosaik neben dem Eingang zur Aula
Der Blick in die alte und doch neue Bibliothek
Der filigrane Bau im Pavillon-Stil ist typisch für die Fünfzigerjahre
Denkmalpfleger Reto Nussbaumer und Projektleiter Sebastian Busse zeigen, was sich auf den zweiten Blick alles verändert hat.Mathias Marx
Das Aarauer Gönhardschulhaus erhält den Denkmalpreis 2013

Der Blick in eines der Schulzimmer mit typischen, alten Lampen.Marx

Aargauer Zeitung

Wären die Jacken an der Garderobe nicht neonfarben, man wähnte sich nicht im Hier und Heute. Die Toilettentüren sind mit «Meitli» und «Buebe» angeschrieben, die Buchstaben aus Holz ausgesägt. In der Bibliothek stehen ausgestopfte Tiere in Vitrinenschränken, die Glasscheiben sind in dünne Holzrahmen eingefasst. Das Geländer ist feingliedrig geschmiedet, die Handläufe aus Holz, ebenso wie die Deckenverkleidung.

Im Gönhardschulhaus scheint die Zeit seit dem Bau Anfang der Fünfzigerjahre stillgestanden zu sein. Doch der Schein trügt, das Schulhaus ist technisch auf dem neusten Stand und entspricht dem Minergie-Standard.

Unter Denkmalschutz

Das «Göni» des Reinacher Architekten Hans Hauri ist einer von vielen Pavillon-Schulhausbauten, aber einer der ersten Nachkriegsbauten überhaupt, die unter kantonalen Denkmalschutz gestellt wurden. Überzeugt hatte die Denkmalpflege die Qualität des Baus, der gute Erhaltungswert, die Lagequalität und der Stellenwert, den das Schulhaus in der Bevölkerung geniesst.

Deshalb wurde bei der Sanierung von 2010 bis 2012 Altes nicht einfach ersetzt, sondern sorgfältig restauriert. Die alten Türen wurden aufgeschnitten und eine spezielle Folie dazwischen eingefügt, um den Brandschutz zu gewährleisten. In das originale Geländer wurden Streben eingesetzt, damit die Handlaufhöhe der heutigen Norm entspricht, die bauzeitlichen Fenster wurden mit einer Isolierverglasung gedämmt und die Decken erdbebensicher gemacht.

Und sogar einzelne Lampen im Gang wurden nicht einfach ersetzt, sondern den Originalleuchten nachgebaut. Das Neue fällt aber nur auf, wenn man darauf hingewiesen wird. Eigentlich ist alles so, wie es wohl schon vor 60 Jahren war.

«Historische Substanz weitertragen»

«Dass alles aussieht wie vorher, ist das grösste Kompliment, das man uns machen kann», sagt Reto Nussbaumer, kantonaler Denkmalpfleger. Er hat gemeinsam mit den Boltshauser Architekten aus Zürich und dem Stadtbauamt die Konzepte für den Erhalt der schützenswerten Gebäude erarbeitet.

«Wir wollten die historische Substanz weitertragen. Ziel war es nicht, von Grund auf neue Klassenzimmer zu schaffen, sondern den Bestand zeitgemäss zu erneuern und wo nötig weiterzuentwickeln», so Nussbaumer. Da dürfe man auch die Atmosphäre der Nachkriegszeit spüren, wohingegen die Neubauteile der heutigen Zeit entsprechen.

Dass das nicht allen entspreche, sei nachvollziehbar, sagt Nussbaumer. Manchen fehlen die kräftigen Farben an den Wänden, andere können generell nichts mit der alten Architektur anfangen. «Denkmalpflege hat aber nicht mit Geschmack allein zu tun, sondern mit dem Respekt vor dem Objekt.»

War denn der Denkmalschutz ausschlaggebend für die Kostenüberschreitung von 1,18 Millionen? «Der Kredit ist nicht aufgrund der Unterschutzstellung überschritten worden», sagt Sebastian Busse, Projektleiter des Stadtbauamtes. Ein Problem sei die zu knapp berechnete Kostenreserve gewesen, welche für denkmalgerechte Umbauten generell sehr wichtig sei.

Ein ausgezeichnetes Projekt

Gestern Abend ist das «Göni» mit von der Konferenz der Schweizer Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger «für die sorgfältige Restaurierung und qualitätsvolle Erweiterung» mit dem Denkmalpreis ausgezeichnet worden. Eine grosse Freude für die Planungsverantwortlichen und die Stadt. «Die Anstrengungen haben sich gelohnt», sagte Stadtrat Lukas Pfisterer.

Stadtpräsident Marcel Guignard verglich das Baujahr 1952 scherzend mit seinem eigenen Jahrgang 1949: «Da wundert man sich, dass solche Objekte bereits unter Denkmalschutz stehen.» Trotzdem wertet er den Preis als wichtiges Signal: «Das ‹Göni› mahnt die Kinder vielleicht daran, dass man etwas Altes nicht immer gleich abreissen muss, sondern auch erneuern kann.»