Küttigen

Tolle Knolle: Heuer ist viel dran am Küttiger Rüebli

Der feuchte Sommer liess die Küttiger Spezialität dick werden – Besuch auf dem «Blätz» der Landfrauen, wo jedes Jahr zwischen einer Tonne und 700 Kilogramm Rüebli geerntet werden.

Verena Wernli lebt für ihr Dorf. In Küttigen ist sie aufgewachsen, seine Geschichte scheint sie bis ins Detail zu kennen. Ein «gschaffiges Volk» seien die Küttiger gewesen, sagt Verena Wernli. Sie selbst repräsentiert als Landfrau noch immer diese Naturverbundenheit, welche den Einheimischen nachgesagt wird.

Zwar ziehen die Marktfrauen samstags nicht mehr mit beladenen Karren über die Aare an den Aarauer Wochenmarkt. Doch um ihr Wahrzeichen kümmern sich die Küttiger Landfrauen noch heute mit viel Passion und Herzblut: das Küttiger Rüebli. Der Deutsche Ausdruck «Karotte» passt nicht zu dieser speziellen Knolle, weshalb hier im Folgenden von «Rüebli» die Rede ist.

Rüebli als Marketinginstrument

Jurapark Aargau hat der berühmten weissen, würzig schmeckenden Rübe deshalb eine Exkursion gewidmet. Die Besucher sassen am Samstag im Tenn eines mit roten Geranien geschmückten Bauernhauses, auf Harassen sitzend, die vernebelte Wasserfluh im Rücken und kamen früh ins Fachsimpeln. «Weisst du, das Küttiger Rüebli soll besonders gut für Diabetiker sein, es enthält ja viel weniger Zucker», meint eine Frau. Verena Wernli fügt an: «Sogar Zuchtkaninchen wird unser Rüebli verfüttert, die Hasen haben so eine weniger orange Haut unterm Fell und sehen schöner aus.»

Seit fünfzehn Jahren bewirtschaften die Landfrauen in Küttigen einen vier Aaren grossen Blätz im Goldacker. Abwechselnd werden dort Zwiebeln, Bohnen oder eben das Küttiger Rüebli angebaut. Von Letzteren werden jährlich zwischen einer Tonne und 700 Kilogramm geerntet.

Nächste Woche wird gezupft

Für den Aarauer Rüeblimärt am 5. November müssen die Rüebli nächste Woche aus dem Boden. Dieses Jahr seien sie aber viel grösser als normal, meint Wernli. «Die Trockenheit im Frühjahr machte uns Sorgen. Der viele Regen im Sommer jedoch tat unseren Rüebli gut.»

Wo wachsen sie denn nun, die Küttiger Rüebli? Verena Wernli führt die Besucher mit Hacke und Handschuhen im Arm wenigen Schritte hinters Haus. Eher unscheinbar liegt es vor uns, das krautige, lang gezogene Feld im Goldacker. Die Luft riecht nach feuchter Erde und –  tatsächlich – nach Rüebli. Mit krummem Rücken sticht die Landfrau einige Exemplare aus dem Boden und wischt mit den Händen die Erdklumpen ab. Es ist bei jedem Spatenstich eine Überraschung, wie das Rüebli aussieht, das da aus der Erde gezogen wird. Viele können jedoch nicht verkauft werden: Wenn sie zu viele Beinchen haben, zu krumm sind oder zu gross.

Die harte Arbeit, die zur Rüebliernte nötig ist, wird nun deutlich. 25 Personen müssten jedes Jahr in Küttigen beim Austun helfen, sagt Wernli. «Und eigentlich müsste das Kilo schon längst mehr als Fr. 3.50 kosten – doch mit ein paar Rappen mehr wäre es zu mühsam zum Rechnen.» Ein Taschenrechner ist wohl unter jeder Würde einer Landfrau. So wird dann auch die Ausbeute von jenem Morgen mit einer alten Marktwaage abgewogen.

Als dann die Finger klammer und die Nasen immer röter werden, gehts mit vom Dreck schweren Schuhen zur Alten Kanzlei. Dort servierten weitere Landfrauen eine heisse Rüeblisuppe, dazu Most und eine dicke Scheibe Brot. Der kräftige, würzige Geschmack des Küttiger Rüeblis bleibt noch lange im Mund zurück.

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