Bundesgericht

Tod im OP des Kantonsspitals Aarau: Niemand erkannte das Herzproblem des Patienten

Tot, weil ein Herzproblem nicht erkannt wurde. Das Bundesgericht stellt jetzt das Strafverfahren ein.

Tot, weil ein Herzproblem nicht erkannt wurde. Das Bundesgericht stellt jetzt das Strafverfahren ein.

Bei einer Operation am Kantonsspital Aarau starb ein Patient, weil niemand sein Herzproblem entdeckt hatte. Das Bundesgericht bestätigt nun die Einstellung des Strafverfahrens.

Für die Angehörigen muss es ein fürchterlicher Tag gewesen sein. An einem Freitag im Januar 2015, noch vor halb 8 Uhr morgens, wurde ihr Mann und Vater für eine Operation vorbereitet. Er litt an einem Narbenbruch sowie einer Flüssigkeitsansammlung am Hoden. Eigentlich ein relativ gefahrloser und nicht zwingend notwendiger Eingriff. Doch dann gab es Komplikationen.

Der Blutdruck spielte verrückt, im EKG zeigten sich auffällige Veränderungen, im Blut konnten erhöhte Herz-Enzymwerte nachgewiesen werden. Verschluss der Herzkranzarterien. Akuter Herzinfarkt. Während eine Assistenzärztin die Angehörigen informierte, versuchten Herzchirurgen, das Leben des Mannes zu retten. Trotz dieser Intervention kam es zum Kreislaufstillstand. Die 25 Minuten andauernden Reanimationsversuche scheiterten. Um 14.30 Uhr verstarb der Patient.

Staatsanwaltschaft ermittelte

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau eröffnete eine Strafuntersuchung aufgrund des aussergewöhnlichen Todesfalls. Sie hatte zu prüfen, ob eine fahrlässige Tötung vorlag, und ordnete eine Obduktion beim Institut für Rechtsmedizin (IRM) der Uni Bern an. Dieses kam zum Schluss, das Herz sei bereits vor der Operation schwer geschädigt gewesen, weshalb es dann während der Operation zum Herzinfarkt gekommen sei.

Dennoch sah das IRM keine Hinweise auf medizinische Sorgfaltsverletzungen. Also stellte die Staatsanwaltschaft die Strafuntersuchung vor rund einem Jahr ein. Dagegen wehrten sich die Angehörigen des Verstorbenen bis vor Bundesgericht. Sie monierten, der Verstorbene sei zu wenig über die Risiken der Operation aufgeklärt worden und man habe ihn vor der Operation zu wenig genau untersucht.

Patient war starker Raucher

Tatsächlich war die Herzerkrankung vor der Operation unerkannt geblieben. Dies, obwohl der Patient – während 50 Jahren starker Raucher – unter leichter Atemnot gelitten hatte. Es wurde sogar ein Lungenfunktionstest gemacht, eine CT-Aufnahme des Brustkorbes und, wie vor Operationen üblich, ein Ruhe-EKG. Man attestierte ihm eine chronische Bronchitis und etwas Übergewicht, aber kein Herzleiden. Das Obergericht hatte die Frage geprüft, ob die behandelnden Ärzte die Untersuchungen nach allen Regeln der ärztlichen Kunst angeordnet und durchgeführt hatten – und wenn ja, ob sie hätten erkennen müssen, dass eine Herzerkrankung bestand und die Operation ein erhebliches Risiko für den Patienten darstellte.

Am IRM wurde das EKG des Patienten einem Kardiologen vorgelegt, die CT-Aufnahmen einem Radiologen. Beide Fachärzte kamen zum Schluss, dass man aus den Untersuchungsergebnissen nicht auf eine Herzerkrankung habe schliessen müssen.

Die Gerichte entschieden deshalb, die Beschwerde der Angehörigen abzuweisen. Auch bezüglich ungenügender Aufklärung des Patienten: Die Gespräche, bei denen immer auch Angehörige dabei gewesen waren, sind dokumentiert worden und der Patient hatte seine Einwilligung zur Operation schriftlich bestätigt.

Urteil: 6B_1126/2017

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