Die 13 ist wohl meine Glückszahl. An einem 13. wurde ich geboren und am 13. des letzten Monats hat unser Spital in Lenzburg seine erste von drei Etagen eröffnet. Und wie das an Glückstagen so ist, nahm ich an besagtem Datum einen Tierschutzhund namens Lionel auf, der nun unser offizieller Spitalhund sein wird und zukünftig von der Büro-Etage seinen Charme verbreitet.

Aber der Reihe nach ...

Vor etwa acht Wochen erhielt ich einen lieben Brief von Evelyne Bader und Niels Hansen, welche die Hunde Auffangstation «New Graceland» in Waltenschwil bei Wohlen betreiben. Sie bedankten sich für mein Engagement im Tierschutz und hatten ein paar Vorschläge, wie man kooperieren könne. Da ich viele Anfragen dieser Art erhalte und ob meiner hohen Ansprüche in Sachen Tierschutz sehr skeptisch bin, schlug ich zunächst einen Besuch vor Ort vor.

Tierschutz ist ja schön und gut, aber er muss ernst genommen und gut organisiert sein. Einige Tierschutz-Vereine vermitteln wahllos und unkontrolliert die falschen Hunde zu ungeeigneten Besitzern, sodass die Fellnasen letzten Endes wieder in irgendeinem Tierheim landen. Einmal finanzierte ich einer Tierschutzorganisation die Rettung von 75 akut bedrohten Hunden in Rumänien. Musste dann aber im weiteren Verlauf feststellen, dass die weitere Versorgung dieser armen Geschöpfe gar nicht gesichert war – was ich dann meinerseits notgedrungen übernommen habe.

Offensichtlich ging es dieser Organisation primär darum, das eigene Selbstwertgefühl etwas zu stimulieren, indem man einfach mal Hunde rettet und sich dabei gut fühlt und feiern lässt – Struktur und langfristige Planung waren allerdings Fremdworte. Leidtragende sind dann letztlich die Tiere, die am Ende wieder auf der Strasse oder in Tötungsstationen landen.

Tierschutz muss in meinen Augen genauso seriös und ernsthaft betrieben werden wie jedes andere Unternehmen auch. Zunächst einmal sollten die Ursachen für das Tierleid, was man im südlichen und östlichen Europa und in anderen Teilen der Welt zu Hauf antrifft, benannt und begegnet werden. Zur Lösung des Problems denke ich in erster Linie an Kastrationsprogramme vor Ort, damit sich die abertausenden von Strassenhunden- und katzen nicht einfach weiter vermehren.

Die Bevölkerung müsste für die Notwendigkeit von Kastrationen und der Bedeutung von Tierwohl geschult und sensibilisiert werden. Auch die gesetzliche Pflicht Haustiere zu chippen verbunden mit dem Verbot des Aussetzens von Tieren würde eine Menge bringen, auch wenn dies aktuell in vielen Ländern noch Wunschträume sind. Solange sich Hunde und Katzen unkontrolliert vermehren, wird es weiterhin schlimmes Tierleid und Tötungsstationen geben.

Die Rettung und die Aufnahme eines Hundes aus dem Tierschutz ist dennoch notwendig und zugleich etwas wunderschönes und wertvolles. Diese Tiere geben so viel Wärme, Dankbarkeit und Lebensfreude zurück, sodass sich alle Mühen und Investitionen um ein Vielfaches auszahlen.

Den Hund in Ruhe kennenlernen

Auch wenn einem Tierschutz teilweise wie eine Sisyphusarbeit vorkommt, so gibt es doch sehr viele hoffnungsvoller Projekte und viele engagierte Menschen. Es bleibt zu wünschen, dass irgendwann die Menschheit begreift das auch Tiere Gefühle und Emotionen empfinden, und es bleibt zu wünschen, dass irgendwann ein Umdenken im Umgang mit dem Tier stattfindet. Ich werde auch weiterhin gute Tierschutzorganisationen mit Sach- und Geldspenden unterstützen, denn Tierwohl bedeutet mir viel und kostet halt auch etwas.

Eine lokale Auffangstation wie «New Graceland» (www.newgraceland.org) bietet für Interessierte den grossen Vorteil, dass man den Hund in Ruhe kennenlernen und schauen kann, ob er zu einem selbst oder der Familie passt. Bei einem Besuch vor Ort besteht die Gefahr, dass man sein Herz verliert. So ist es mir jedenfalls ergangen und seitdem freut sich unser gesamtes Klinik-Team über das neue Mitglied Lionel, ein bildschöner Galgo, der von einer spanischen Tötungsstation über Waltenschwil auf seinem Hundebettchen im Spital Lenzburg gelandet ist.

Apropos Spital und Hunde ... eine abwegige Idee ? Keinesfalls! In Australien und Israel erlauben einige Spitäler – in gewissen hygienisch unbedenklichen Stationen – stundenweise Hunde bei ihren Herrchen und Frauchen – mit erstaunlich positiven Effekten auf Psyche und Heilverlauf. Im Fricktal arbeitet ein Altersheim mit Hunden und Bewohnern. Und in den USA gibt sogar Gefängnisse, die ihren Insassen die Betreuung eines Hundes anvertrauen – auch hier mit überdurchschnittlich hohen Resozialisierungsraten bei den Gefangenen.

Es gibt sogar Experimente, die zeigen, dass Hunde Krebs in einem sehr frühen Stadium erschnüffeln können. Wer weiss? Vielleicht werden ja Hunde irgendwann einen Platz im medizinischen Alltag finden. Und so lange finden sie zumindest einen Platz in meinem Herzen!