Prozess in Aarau
Tierquäler liess seine Hunde stundenlang im heissen Auto

An einem Sonntag im Juni 2014 lässt ein Mann seine beiden Hunde für Stunden im Auto. Nach vier langen Stunden wird die Polizei alarmiert. Den Strafbefehl mit bedingter Geldstrafe focht der Mann an, doch vor Gericht kam es zu einer Überraschung

Nadja Rohner
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Hunde sind hitzeempfindlich und können sterben, wenn sie im Sommer im Auto zurückgelassen werden. (Symbolbild)

Hunde sind hitzeempfindlich und können sterben, wenn sie im Sommer im Auto zurückgelassen werden. (Symbolbild)

Keystone/Luca Bruno

Die kühle Morgenluft wehte durchs offene Fenster des Gerichtssaals 2. Hätte Sebastian Krüger (Name geändert) seinen Hunden ebenso Sorge getragen wie das Aarauer Bezirksgericht seinen Mitarbeitern, wäre er nicht wegen Tierquälerei verurteilt worden.

Was war geschehen? An einem Sonntag im Juni 2014 stellte Krüger sein Auto gegen 11.30 Uhr am Rosengartenweg in Aarau ab. Seine beiden Hunde, ein Parson Russel Terrier und eine Deutsche Dogge, liess der deutsche Zahnarzt im geparkten Fahrzeug zurück – ohne Wasser, bei einer Aussentemperatur von 23 Grad.

Es dauerte über vier Stunden, bis die Polizei alarmiert wurde. Als die Beamten eintrafen, war die Temperatur im Auto auf bis zu 32 Grad angestiegen. «Die Hunde zeigten Anzeichen von Dehydrierung und Überhitzung», steht im Strafbefehl. «Sie atmeten aufgrund der grossen Hitze sehr stark, und insbesondere die Deutsche Dogge zeigte erheblichen Speichelfluss.»

Der Beschuldigte hätte wissen müssen, dass sich das Fahrzeug an einem sonnigen Junitag über die Mittagszeit stark erhitzen und die Hunde hohen Temperaturen ausgesetzt sein würden, heisst es weiter. «Er nahm die Beeinträchtigung des Wohlergehens seiner Tiere im Wissen um deren Hitzeempfindlichkeit bewusst in Kauf.»

Die Staatsanwaltschaft brummte Krüger per Strafbefehl eine bedingte Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 60 Franken bei einer Probezeit von drei Jahren auf. Zusätzlich erhielt er eine Busse über 600 Franken, zusammen mit der Staatsgebühr macht das 1700 Franken.

Diesen Strafbefehl wollte Krüger vorerst nicht ohne weiteres akzeptieren und focht ihn an. Deshalb wurde für gestern Morgen eine Verhandlung am Bezirksgericht anberaumt – aber zur angekündigten Zeit war von dem Mann nichts zu sehen.

Zwanzig Minuten Galgenfrist gab ihm das Gericht. Vergebens. Krüger tauchte nicht auf, der Strafbefehl wurde folglich rechtskräftig und der Mann zum verurteilten Tierquäler.

Sein Strafregister erhält damit einen weiteren Eintrag: Bereits 2013 kassierte der Mittvierziger eine Strafe wegen grober Verkehrsregelverletzung. Nur eine Woche nach dem Vorfall mit den Hunden wurde er ausserdem in Zürich mit gefälschtem Fahrausweis angetrunken am Steuer erwischt.

Gegen die Blutentnahme setzte er sich derart zur Wehr, dass fünf Beamte nötig waren, um die Probe entnehmen zu können. Für diese Vorfälle wurde er vom Bezirksgericht Zürich bereits verurteilt.

Eine Handvoll Fälle pro Jahr

Die Stadtpolizei Aarau rückt in ihrem geografischen Zuständigkeitsbereich pro Jahr rund ein halbes Dutzend Mal wegen im Auto zurückgelassener Hunde aus. Dies sagt Stadtpolizei-Chef Daniel Ringier auf Anfrage und erwähnt, dass es auch schon einmal einen Fall mit einem Kind gegeben habe.

Vor Ort prüfen die Polizisten jeweils mit einem Laser-Messgerät durch die Scheibe die Temperatur im Innern des Fahrzeuges. Ausserdem beobachten sie den Hund genau: Macht er noch einen munteren Eindruck, versuchen die Beamten zunächst, den Fahrzeughalter ausfindig zu machen. Ist das Leben des Hundes akut bedroht, befreien ihn die Beamten sofort. Notfalls können sie dafür auch eine Scheibe einschlagen. Bisher kam die Aarauer Stadtpolizei immer rechtzeitig: «Mir ist kein Fall aus unserem Zuständigkeitsbereich bekannt, wo ein Hund im Auto gestorben wäre», sagt Ringier. Er rät deshalb Tierbesitzern, niemals ein Lebewesen im Auto zurückzulassen: «Allzu schnell kommt etwas dazwischen oder man vergisst komplett die Zeit.»

50 Grad heiss kann der Innenraum eines geschlossenen Autos werden, wenn es bei einer Aussentemperatur von 24 Grad eine Stunde an der Sonne steht. Das haben Forscher in den USA herausgefunden. Weil Hunde keine stehende Hitze ertragen und ihre Körpertemperatur nur über die Pfoten oder durch Hecheln regulieren können, droht ihnen im Auto deshalb ein Hitzschlag, der leicht tödlich enden kann.