Es war ein ungewohnter Anblick: Am Gottesdienst in der katholischen Kirche St. Peter und Paul haben am Sonntagmorgen auch zwei Hunde teilgenommen.

Einer von ihnen streifte im Kirchenschiff herum und begrüsste die Besucher. Doch daran störte sich niemand, fand diese ökumenische Messe doch im Zeichen der Tiere statt, nämlich als Jubiläumsgottesdienst zum zehnjährigen Bestehen des Vereins «Aktion Kirche und Tiere» (AKUT) in der Schweiz.

In den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde AKUT in Deutschland vom evangelischen Pfarrerehepaar Christa und Michael Blanke gegründet. Die Organisation setzt sich für die Würde der Tiere in der christlichen Kirche ein. Den Jubiläumsgottesdienst in Aarau hielt Michael Blanke zusammen mit Anton Rotzetter, mitarbeitender Priester der Pfarrei Peter und Paul und gleichzeitig Präsident von AKUT Schweiz.

«Wir glauben, dass die Tiere systematisch vom christlichen Glauben ausgeschlossen werden», erklärte Blanke in seiner Predigt. Anregen und aufregen wollte Blanke die Gottesdienstbesucher. «Das Abendmahl war vegan», sagte er. Es sei unmöglich, dass Jesus ein Schnitzel angeschnitten hätte. Man solle beim Essen nicht nur an die Tiere unter dem Tisch denken, sondern auch an die auf dem Teller.

Arlette Marti aus Biberstein und Magdalena Kluka aus Aarau haben den Jubiläumsgottesdienst besucht und sich Gedanken über die Beziehung der Kirche zu Tieren gemacht. «Das Thema ist wichtig», sagen die beiden im az-Interview. Es solle aber nicht überbewertet werden.

Soll die katholische Kirche den Tieren mehr Aufmerksamkeit schenken?

Arlette Marti: Der Respekt vor Tieren und der richtige Umgang mit ihnen ist nicht nur ein katholisches Thema, sondern ein christliches. Allerdings finde ich, dass Respekt vor Tieren nichts mit Fleischessen, vegetarischer oder veganer Ernährung zu tun hat.

Magdalena Kluka: Ein solcher Anlass regt zum Denken an. Es ist gut, dass darüber gesprochen wird, es wäre auch ein Thema für den Religionsunterricht. Die Kirche hat die Möglichkeit, diese Problematik einer breiteren Öffentlichkeit zu verkünden. Allerdings ist das Fleischessen auch ein Teil unserer Kultur.

Wie stark soll sich die Kirche denn für Tiere einsetzen?

Arlette Marti: Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, aber man muss die Freiheit haben, sich so oder so zu entscheiden. Dass das Abendmahl eine vegane Lebensweise vorschreibt, ist Ansichtssache. Ich möchte keine Belehrungen hören.

Magdalena Kluka: Das Thema ist wichtig, weil es mit Ethik zu tun hat und damit im weiteren Sinn auch mit der Religion.
Es soll aber auf keinen Fall dogmatisch
daherkommen.

Wird wirklich zu wenig getan für die Tiere? Gibt es nicht bereits genügend Lobbyarbeit?

Magdalena Kluka: Konsumenten haben einen grossen Einfluss auf die Produktion. Es gibt ja auch Labels, die sich an gewisse Vorschriften halten.

Arlette Marti: In der Schweiz gibt es viele Vorschriften für die Haltung von Tieren. Hier ist es gut geregelt. Man soll aber auch an die Bauern denken, es muss ja schlussendlich auch rentieren.

Wie können sich Christen im Spannungsfeld zwischen der Verantwortung Tieren gegenüber und den
eigenen Essgewohnheiten verhalten?

Arlette Marti: Beim Einkauf sollte man darauf achten, wo das Fleisch herkommt. Doch man kann alleine nicht die ganze Welt verändern.

Magdalena Kluka: Man kann das Fleisch an Orten kaufen, wo sorgfältig mit den Tieren umgegangen wird. Es ist auch wichtig, wie sie geschlachtet werden. Allerdings können sich nicht alle die Preise für Fleisch aus tierfreundlicher Haltung leisten. Privilegierte sollten diese Bewegung allerdings unterstützen. Die Verantwortung liegt bei jedem Einzelnen.

Muss man denn als guter Christ
Vegetarier sein?

Arlette Marti: Nein, aber man sollte der Natur gegenüber Respekt zeigen.

Magdalena Kluka: Es ist alles eine Frage der Dosierung.