Aarau
Tiefe Solarstrom-Nachfrage, doch IBAarau hält an Ausbau fest

Nur sechs Prozent des Sonnenstroms konnte die IBAarau letztes Jahr auch als solchen verkaufen. Nichtsdestotrotz hält das Unternehmen unbeirrt an seiner Ausbaustrategie im Solarbereich fest.

Sabine Kuster
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Sein Backofen wird nur mit Wasserstrom aus Aarau beheizt: Mario Monaco, Bäcker der Bäckerei Furter in Aarau. Chris Iseli

Sein Backofen wird nur mit Wasserstrom aus Aarau beheizt: Mario Monaco, Bäcker der Bäckerei Furter in Aarau. Chris Iseli

Chris Iseli

Das Brot, welches aus dem Ofen der Bäckerei Furter in Aarau kommt, ist umweltfreundlich. Nicht nur wegen der biologischen Zutaten, sondern auch wegen der Herstellung: Die Bäckerei beheizt ihren Ofen zu 100% mit Wasserstrom aus dem Aarauer Kraftwerk. Eine Ausnahme unter den Firmen. Doch auch die Bäckerei leistet sich keinen Solarstrom. Diesen zu verkaufen, damit hat die IBAarau mehr Mühe.

Rund 480 Haushalte könnte die IBAarau mit purem Solarstrom beliefern: 1,9 Gigawattstunden Sonnenenergie wurden 2013 im Versorgungsgebiet produziert. Knapp einen Fünftel davon produzierte die Aarauer Energiefirma selbst. Sie will künftig in jeder der 23 versorgten Gemeinden eine grössere Solarstromanlage betreiben.

Reine Solarkunden hat die IBAarau keine. Die 122 Abnehmer von «Solar Power» beziehen nur einen Teil ihres Stroms aus dem teuersten Ökostrom-Angebot der IBAarau. Kunden hat die Firma rund 35'000. Diesen gilt es nun den Solarstrom ebenfalls schmackhaft zu machen, denn nur 6 Prozent der produzierten Solarenergie kann die IBAarau heute als Solar Power absetzen.

Am Ende zählt nur der Preis

CEO Hans-Kaspar Scherrer macht sich keine Illusionen: «Am Schluss ist es immer das Preisargument, das zählt.» Viele Kunden gäben sich zwar umweltbewusst, weil jedoch keiner sieht, welcher Strom aus der Steckdose fliesse, sehe die Realität anders aus. Immerhin steigt der Anteil des Öko-Stroms Jahr für Jahr. Das Ziel: 2020 soll er 20 Prozent des gesamten Absatzes der IBA betragen.

Der Aufpreis von 8 Rappen pro kWh für Solarstrom sei deshalb bewusst günstig gewählt, sagt Scherrer, und am günstigsten im schweizweiten Vergleich. Kunden, die Solarstrom auf dem Dach produzieren, kauft die IBAarau diesen je nach Anlagegrösse und Installationszeitpunkt für 10,6 Rp./kWh, bei älteren Anlagen für bis zu 20,5 Rp./kWh ab. Die Gestehungskosten für Solarstrom bewegen sich je nach Anlage sich zwischen 20 und 30 Rappen.

Nur gut 7 Rp./kWh betragen die Produktionskosten heute beim Aarekraftwerk der IBAarau. Wasserstrom hat zudem den Vorteil, dass rund um die Uhr produziert werden kann und im Winter nicht nur, wenn sich der Hochnebel kurz lichtet. «Das Speicherproblem muss gelöst werden, wenn wir den Anteil des Photovoltaik-Stromes deutlich erhöhen wollen», sagt Scherrer.

Nicht nur der Solarstrom, der gesamte Anteil der erneuerbaren Energie soll in Aarau gemäss den gesetzten Zielen erhöht werden. Der Anteil an Naturstrom beträgt heute 66 Prozent. Er soll 2020 auf 75 Prozent ansteigen und 2035 bei 90 Prozent liegen. Damit soll Aarau das erste Etappenziel auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft erreichen.

Dass dies nicht nur über Freiwilligkeit geschehen kann, ist klar: «Das Strom-Grundangebot muss ebenfalls grüner werden», sagt Scherrer. Aber: Der erneuerbare Strom im Grundprodukt zu verkaufen, sei wirtschaftlich schwieriger, gibt er zu bedenken.

Die Energieziele sind kein Fluch

Wichtig wäre es, auch die Unternehmen zu ökologischerem Strom zu bewegen. Denn Gewerbe und Industrie verbrauchen schweizweit rund 70 Prozent des gesamten Stroms. Doch die meisten wollen oder können sich diese höheren Energieausgaben nicht leisten. Zu den Solarstromabnehmern der IBAarau gehören zwar auch ein paar Firmen, aber diese haben alle eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Sie beziehen meist auch Standardstrom und verkaufen einen Teil der Solarenergie.

Trotz der Schwierigkeiten: Hans-Kaspar Scherrer ist beim Thema Solar keine Zurückhaltung anzumerken. «Bis jetzt haben wir durch den Ausbau des Solar-Bereiches keine Nachteile», sagt Scherrer. Sind die Aarauer Energieziele, welche die IBAarau umsetzen muss, kein Fluch für die Firma? «Nein, die Ziele sind eine Chance», findet Scherrer, «die neuen Energien werden ohnehin kommen, das ist die Zukunft. Und mit Aaraus Energiezielen haben wir einen klaren Auftrag für die Investition und den Ausbau der erneuerbaren Energien erhalten. Wir erreichen damit zudem eine höhere Versorgungssicherheit und schaffen auch zusätzliche Arbeitsplätze in der Region.»