Kultur
Theatervirus Buchs: Schwarzer (Hu)moorgang trotz Corona

Die Theatergruppe Theatervirus Buchs macht Aufführungen, obwohl diese ein Defizitgeschäft sein werden. Pro Aufführung sind nur 100 Zuschauer zugelassen.

Peter Weingartner
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Szene aus der Probe: Was führt wohl Athene Henk (Claudia von Felten) im Schild?

Szene aus der Probe: Was führt wohl Athene Henk (Claudia von Felten) im Schild?

Peter Weingartner

Im Gegensatz zu vielen anderen Theatergruppen, die ihre für 2020 geplanten Produktionen coronabedingt aufs nächste Jahr verschoben haben, spielen die Buchser. Und erst noch eine rabenschwarze Komödie, «Moorgang», aus der Feder des englischen Autors Norman Robbins.

Erschwerte Bedingungen forderten alle

«Wir haben früh entschieden, weiterzumachen», sagt Theatervirus-Präsident Toni Niedermann. Der Verein spielt alle zwei Jahre ein Stück. Viele Grossveranstaltungen wurden ins nächste Jahr verlegt, Olympische Spiele, Weltmeisterschaften. Für Niedermann keine Option, auch wenn man sich laufend anpassen musste.

Über das Videokonferenz-Werkzeug Zoom probten die Spielerinnen und Spieler ihre Texte. Peter Locher, seit der ersten Produktion 2012 Regisseur der Buchser Theaterleute, lernte mit. «Um zu verhindern, dass die Spieler vom Spick ablesen, hiess ich sie aufstehen und zwei Meter vom Bildschirm zurücktreten», sagt er. Mit dem Vorteil, dass so auch der Körper mit Mimik und Gestik einbezogen war. Später probte man coronakonform in einer Halle, Regisseur und maximal vier Spielende.

Für Toni Niedermann ist klar: «Wir werden die diesjährigen Kosten nicht hereinspielen.» Der Grund: Pro Aufführung sind nur 100 Zuschauer zugelassen. Der Verein bemüht sich um Beiträge aus einem Fonds für kulturelle Anlässe und kann auf ein Polster zurückgreifen: «Gesunde Finanzpolitik: Wir haben die Gewinne aus den Vorjahren nicht verjubelt.» Und sollte die Nachfrage bestehen, könnte man noch zwei Aufführungen anhängen. Niedermann ist überzeugt: Die Leute warten darauf, dass wieder etwas läuft.

Abstandsregeln auch bei den Proben

Mit Corona geht man nicht leichtsinnig um. Bei der Alten Turnhalle Buchs gibt’s einen Eingang und einen Ausgang. Auch wird bei jeder der sechs Aufführungen individuell bestuhlt. Maskenpflicht gilt, wenn man sich bewegt: Bar, WC-Besuch. Die Abstandsregeln gelten auch bei den Proben, natürlich nicht auf der Bühne, wohl aber bei der Manöverkritik. Auf einer Langbank sitzen nur drei Personen und hören sich an, was Peter Locher zu sagen hat: Endkonsonanten betonen, Einzelhinweise zu Positionen, Gestik, Betonung. Lautstärke. Dies nach einem grundsätzlichen Kompliment: «Das hat Schmiss; wir sind parat.» Die kleinen Text­unsicherheiten sind noch auszumerzen bis zur Premiere.

Der Plot ist so schräg wie witzig: Ein Anwalt samt Assistentin lädt die Mitglieder der Familie Henks auf deren Haus im Moor, um finanzielle Fragen zu regeln. Dabei sind die Henks, vier Schwestern und ein Bruder, allesamt Auftragskiller. Und die können auch rechnen: Je kleiner die Zahl der Erben, desto mehr fällt für die einzelne Person ab.

Aber da sind noch die Hausangestellten und ein abgehalfterter Kinderclown. Zehn Personen, deren Zahl bezüglich Lebendigkeit stetig abnimmt. Niemand kann sich sicher fühlen, der Schein pflegt zu trügen, und Todesarten gibt es viele. Für Überraschungen und Spannung bis zum Schluss ist gesorgt.

Hinweis

Gespielt wird an zwei Wochenenden: 3., 4., 5., 10., 11., 12. September jeweils um 20 Uhr. Tickets unter www.theatervirus-buchs.ch

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