Aarau

Theaterstück für Kinder behandelt ein ernstes Thema

Ausserhalb des Zelts können die Kinder im Garten von Madurers Vater sitzen und das Gesehene besprechen.

Ausserhalb des Zelts können die Kinder im Garten von Madurers Vater sitzen und das Gesehene besprechen.

Mitten in der Alten Reithalle steht ein grosses, weisses Kuppelzelt. Darin wird ein aussergewöhnliches Theaterstück für Kinder aufgeführt, das die die jungen Zuschauer auf eine feinfühlige Art und Weise mit dem Thema Tod in Berührung bringt.

Weisse Wände sind für manche eine Wohltat, anderen gibt die Leere ein ungutes Gefühl. Für den Jungen Madurer im Theaterstück «Eine Welt für Madurer» sind sie eine unüberschreitbare Grenze. Denn Madurer ist so krank, dass er sein Zimmer nie verlassen kann. Damit er trotzdem etwas von der Welt sehen kann, engagiert sein Vater einen Maler, der auf Madurers weissen Wänden die Schönheit der Welt abbilden soll.

Das Stück, dessen Produktion in Zusammenarbeit mit dem Theater Tuchlaube und des Fabrikpalasts entstanden ist, wird in der Alten Reithalle aufgeführt. Regisseur Horst Lonius ist zufrieden mit dieser Wahl: «Einen so grossen Raum werden wir wohl nicht wieder finden», sagt er.

Auch die Kinder, die am Mittwoch die Premiere besuchen, freuen sich und rennen ausgelassen auf dem Bretterboden herum. In der anderen Hälfte der Halle erwartet sie ein ungewohnter Anblick. Mitten im Halbdunkel der alten Halle steht ein grosses, weisses Kuppelzelt. Ein einsamer Eisberg als Kontrast zum hölzernen Inneren der Reithalle.

Fische am Himmel

Madurer und der Maler Sakumat freunden sich schnell an und der Junge kann sich gar nicht entscheiden, wie seine Wände aussehen sollen. «Das Meer! Die Berge und Seen! Eine Ebene!», ruft er begeistert und hüpft ungeduldig auf und ab. Für Sakumat kein Problem. Mit eleganten Bewegungen zaubert der Maler die gewünschten Bilder an die Wand. Zunächst ist nur ein weisser Strich auf schwarzem Hintergrund zu sehen, daraus entsteht eine Welt mit schroffen Felswänden in der Ferne und lieblichen Schafweiden in der Nähe. Mit einem Pinselstrich lässt Sakumat alles in Farbe erstrahlen, die Zuschauer staunen hörbar. Als nächstes malt er ein Meer, das sich bewegt und den Zuschauern das Gefühl gibt, selbst ein Fisch zu sein.

Mehrmals führen die Schauspieler die Kinder in Gruppen aus dem Zelt heraus. Draussen haben sie die Gelegenheit, das Gesehene zu besprechen. Das letzte Thema liegt dem Regisseur besonders am Herzen. Die Erwachsenen ahnen schon, was passieren wird, als der Maler zu Madurer meint, sie sollen die Zeit geniessen, die ihnen gegeben sei. Zu einfach täuscht Madurers Übermut darüber hinweg, dass er eigentlich todkrank ist.

Das Leben als Blumenwiese

In der Gesprächsrunde werden die Kinder feinfühlig an den Tod herangeführt und können ihre eigenen Gedanken teilen. «Der Tod ist ein Thema, über das man wenig redet. Wir wollen in unserem Theater den Kindern nicht eine bestimmte Lösung vermitteln», sagt Regisseur Lonius. Stattdessen soll das Theater die Kinder anregen, sich Gedanken zum Thema Tod zu machen. «Das Leben verändert sich immer, davor braucht man keine Angst zu haben», sagt Lonius. Die Metapher dafür ist eine farbenprächtige Blumenwiese, die Sakumat an die Wände malt. Die Blumen blühen und verwelken, worauf wieder neue Blumen wachsen. Das leuchtet den Kindern ein.

Auch nachts wird es auf Sakumats Blumenwiese nicht dunkel. Eine speziell von Madurer gewünschte Blume erleuchtet das nächtliche Firmament. Zusätzlich glitzern kleine Lichtreflexe über den Köpfen der Zuschauer, die von den Schülern mit Spiegeln generiert werden. Eine äusserst besinnliche Stimmung, die einen die doppelt abgeschirmte Aussenwelt für ein paar Minuten komplett vergessen lässt.

Aufführungen Samstag, 6. Juni u. Sonntag, 7. Juni. Jeweils 14 Uhr, Alte Reithalle.

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