Aarau
Theatergemeinde eröffnet die Saison mit einer Thomas-Mann-Adaption

Der Verein Theatergemeinde Aarau hat seine neue Spielsaison im Kultur & Kongresshaus am Montag mit einer Adaption des Romans «Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull» von Thomas Mann eröffnet.

Markus Christen
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Der Schauspieler Friedrich Bitte als Felix Krull bei der militärischen Musterung. Bernd Böhner

Der Schauspieler Friedrich Bitte als Felix Krull bei der militärischen Musterung. Bernd Böhner

Die Verführungsmacht von Schminke lernte Felix Krull schon in jungen Jahren kennen. Grosses Entsetzen befällt ihn zwar, als er bei einem Theaterbesuch mit seinem Vater sieht, wie sich ein gefeierter Schauspieler hinter der Bühne vom freischwebenden Schmetterling in einen hässlichen Engerling zurückverwandelt. Gleichzeitig geht ihm aber auch ein Licht auf, das fortan seine eigene Lebensbühne beleuchten wird. Er kommt zur für ihn existenziellen Einsicht, dass die Menschen betrogen sein wollen. Also lässt er für sie fortan Glitzer und Glitter regnen.

Der Verein Theatergemeinde Aarau hat seine neue Spielsaison im Kultur & Kongresshaus am Montag mit einer Adaption des Romans «Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull» von Thomas Mann eröffnet. Die über 300 Zuschauer waren sehr angetan vom charmanten und äusserst soliden Spiel der Darsteller und verdankten die Aufführung der Produktion Euro-Studio Landgraf mit anhaltendem Applaus.

Lunte zum Publikum

Der Hochstapler Felix Krull realisiert, dass mit einem gewissen Talent in der Kunst der Verkleidung und mit der richtigen, in diesem Fall angepassten Sprache die Standleiter als Rolltreppe funktioniert. Mit dem lustvollen Changieren zwischen Schein und Sein, in gewissem Sinne ja das Grundthema des dramatischen Spiels, wird der mondänen Gesellschaft der Spiegel vorgehalten.

Über die aktuelle Relevanz der Aufführung lässt sich kaum streiten. Sie wird offensichtlich, wenn Kröll feststellt, dass eine Aristokratie des Geldes in ihrem Grunde eine Zufallsaristokratie ist. Doch die Aufführung im Kultur & Kongresshaus legte eben noch mehr offen.

Unsere Wünsche sind massgeblicher und das Mass sprengender Teil unserer innersten Wahrheit. Wir erliegen der Verführung, intellektueller Horizont hin oder her. Wir mögen denken, wir könnten Kontrolle üben über unser Wunschstreben. Am Ende halten wir uns nur selber zum Narren. Das ist die Lunte zum Publikum, die im Stück gezündet wird. Aus diesen Einsichten entspringt die Komik der Aufführung.

Ein lohnenswertes Wagnis

Ein umfangreiches Werk wie Thomas Manns Roman auf die Bühne zu bringen, ist beileibe kein leichtes Unterfangen. Tatsächlich droht das Theatergeschehen an wenigen Stellen in passive Illustration abzugleiten. Einerseits tut das aber dem anregenden Gesamteindruck keinen Abbruch, andererseits wäre es schade gewesen, hätte man auf das Wagnis dieser Adaption verzichtet.

Ausserdem spricht es für den Verein Theatergemeinde, dass auch er sich auf dieses lohnenswerte Wagnis eingelassen hat und so neues Publikum für das Bühnenspiel begeistern will. «Es ist unser Ziel», so Präsidentin Brigitte Basler, «vermehrt auch Zuschauer aus der Aarauer Agglomeration zu gewinnen und die Theatergemeinde weiter herum bekannt zu machen.»

Dafür wurde ins diesjährige Programm ein besonderes Highlight aufgenommen. Das über die Schweizer Grenze hinaus bekannte Komikerduo Ursus & Nadeschkin zeigt am 5., 6. und 7. Dezember sein Jubiläumsprogramm «Sechsminuten». Theater ist eben mehr als seine Klassiker.

Das Programm der Theatergemeinde Aarau findet man im Internet auf www.theatergemeinde.ch